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Blutbad im italienischen Macerata Rechtsextremist nach Schüssen auf Afrikaner in Haft

Der Mann, der in der italienischen Stadt Macerata sechs Afrikaner angeschossen haben soll, sitzt inzwischen im Gefängnis. Die Behörden gehen von einem rassistisch motivierten Hassverbrechen aus.

Von: Tassilo Forchheimer und Till Erdtracht

Stand: 04.02.2018

Rettungseinsatz nach den Schüssen in Macerata | Bild: dpa-Bildfunk

Nach dem Angriff auf Afrikaner im italienischen Macerata ist der Tatverdächtige in ein Gefängnis nach Ancona gebracht worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, ein schweres Blutbad aus rassistischen Motiven angerichtet zu haben. Der 28-Jährige soll am Samstag aus einem Auto heraus auf sechs Afrikaner in der Kleinstadt geschossen haben.

Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen hat der Täter alleine gehandelt, so Italiens Innenminister Marco Minniti. Der Verdächtige habe jedoch einen rechtsextremistischen Hintergrund mit klaren Bezügen zum Faschismus und zum Nationalsozialismus. Polizeifotos zeigten den Verdächtigen nach dem Angriff mit einem Neonazi-Tattoo auf der Stirn und einer italienischen Fahne um den Hals. "Das Einzige, was die Verletzten gemeinsam haben, ist die Hautfarbe. Die Tat war also ganz offensichtlich von Rassenhass motiviert", erklärte der Minister.

Erfolgloser Kandidat der Lega Nord

So war der 28-jährige Täter im vergangenen Jahr bei Kommunalwahlen erfolgloser Kandidat für die rassistische Lega Nord. Im laufenden Parlamentswahlkampf hat die Partei immer wieder die Zuwanderung aus Afrika zum Thema gemacht. Unter anderem setzten Vertreter der Partei die Migrationskrise in Zusammenhang mit dem Mord an einer 18-jährigen Italienerin. Tatverdächtiger ist ein 29-jähriger Nigerianer. Der mutmaßliche Täter und das Opfer lebten in Macerata, dem Ort der gestrigen Amok-Fahrt.

Opfer außer Lebensgefahr

Regierungschef Paolo Gentiloni appellierte an die Vernunft aller Parteien und rief die Italiener auf, dem Risiko einer Gewaltspirale entgegenzuwirken. Die sechs Opfer von gestern – fünf Männer und eine Frau – sind inzwischen alle außer Lebensgefahr. Sie stammen aus Mali, Ghana, Nigeria und Gambia.


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