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Hannover Hund "Chico" nach tödlicher Attacke eingeschläfert

Nach der tödlichen Attacke auf zwei Menschen in Hannover ist Hund "Chico" eingeschläfert worden. Dazu entschied sich ein Expertenteam aus Vertretern der Stadt Hannover, der Tiermedizinischen Hochschule, des Tierheims und des Landwirtschaftsministeriums, wie die Stadt mitteilte.

Stand: 17.04.2018

09.04.2018, Niedersachsen, Langenhagen: Der Staffordshire-Terrier-Mischling «Chico» steht in einem Gehege im Tierheim Hannover. Der Hund soll seine 27 und 52 Jahre alten Besitzer in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus getötet haben. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Hauke-Christian Dittrich

Nach der tödlichen Beißattacke auf seine Besitzer ist Kampfhundmischling Chico eingeschläfert worden. Zwischenzeitlich hatte es Überlegungen gegeben, das Tier in ein spezielles Heim zu bringen. Warum entschieden die Experten anders?

Veterinärbehörde untersuchte Staffordshire-Terrier-Mischling

Der Hund Chico ist zwei Wochen nach der tödlichen Attacke auf zwei Menschen in Hannover eingeschläfert worden. Dazu entschied sich die Veterinärbehörde am Montag nach einer Untersuchung des Staffordshire-Terrier-Mischlings, wie die Stadt mitteilte. Zuvor hatte die Behörde sich mit Experten der Tiermedizinischen Hochschule, des Tierschutzvereins Hannovers und des Landwirtschaftsministeriums beraten.

Chico wurde wegen Kieferverletzung in Narkose eingeschläfert

Der Kampfhundmischling hatte seine 52 Jahre alte, im Rollstuhl sitzende Besitzerin und deren 27 Jahre alten Sohn totgebissen. Chico litt an einer stark schmerzhaften frischen Kieferverletzung. Wegen der Schwere der Verletzung, die vermutlich in der Zeit um die Beißattacke entstanden ist, habe die Veterinärbehörde die Entscheidung getroffen, Chico noch in der Narkose einzuschläfern, sagte Stadtsprecher Udo Möller.

Zwei kaputte Fangzähne und eine offene Verbindung zur Nasenhöhle

Wie die "Bild"-Zeitung zuvor berichtete, hatte Chico zwei kaputte Fangzähne und eine offene Verbindung zur Nasenhöhle. Das Tier hätte demnach häufig operiert werden müssen, um das zu beheben, und galt als unberechenbar. Fast 290 000 Menschen hatten eine Online-Petition gegen eine Tötung des Tiers unterstützt. "Bitte lasst Chico leben! Er hatte nie ein gutes Hundeleben!", lautete der Internet-Aufruf.

Chico hätte nur isoliert gehalten werden können

Nach tödlichen Attacken ist es üblich, dass die Tiere eingeschläfert werden. Auf Vorschlag des Tierheims hatte die Stadt Hannover allerdings auch erwogen, Chico in einer Spezialeinrichtung außerhalb Niedersachsens unterzubringen. Infolge seiner fehlenden Sozialisation hätte Chico aber nur isoliert von anderen Hunden gehalten werden können und sei aufgrund seiner Aggressivität für Menschen nicht mehr als Sozialpartner in Frage gekommen, sagte Stadtsprecher Möller.

Veterinäramt hatte schon 2011 Hinweise auf Aggressivität des Hundes

Wegen Versäumnissen im Umgang mit dem gefährlichen Hund war die Stadt unter Druck geraten. 2011 bereits hatte das Veterinäramt Hinweise auf eine gesteigerte Aggressivität des Hundes und eine mangelnde Eignung des Halters erhalten, hatte der Ordnungsdezernent einräumen müssen.

Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

Die Behörde griff aber nicht durch. Deswegen ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover inzwischen wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt. Geprüft wird, ob vor sieben Jahren jemand einen strafrechtlich relevanten Fehler gemacht hat. Möglicherweise hat auch die schmerzhafte Kiefererkrankung die Attacke des Hundes ausgelöst. Parallel prüft die Stadt arbeitsrechtliche Konsequenzen für beteiligte Mitarbeiter.


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