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#HomoDigitalis Wie die Digitalisierung unser Denken verändert

Ein Upgrade fürs Gehirn gefällig? Eines steht fest: Die Digitalisierung macht auch vor unserem komplexesten Organ nicht halt - sei es, weil digitale Assistenten wie Siri ihm Aufgaben abnehmen; oder gleich durch Chips im Gehirn.

Stand: 25.10.2017

Computer werden immer schlauer. Spätestens seit digitale Assistenten wie Siri oder der Google Assistant zum Standardrepertoire gehören, tragen wir das Smartphone mit uns herum wie eine Art zweites Gehirn: Es kennt den schnellsten Weg, empfiehlt uns Restaurants, sieht unsere Wünsche vorher.

Sind Computer bald schlauer als Menschen?

Web-Serie Homo Digitalis

Werden wir irgendwann virtuelle Freunde und Freundinnen haben, Sex mit Robotern besser finden als echten, unseren eigenen Körper hacken? Was macht die digitale Revolution mit unserem Leben? Und: Wie lange sind wir eigentlich noch Mensch? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Webserie "Homo Digitalis", die ab heute unter homodigitalis.tv zu sehen ist. Auf der Website und über einen Chatbot im Facebook-Messenger kann der Zuschauer selbst testen, welchen Einfluss seine digitalen Gewohnheiten mittlerweile auf sein Leben nehmen.

"Computer besiegen bereits 75 Prozent der Menschen bei einem IQ-Test. Ich würde sagen, im Jahr 2025 werden Computer zweifelsfrei schlauer sein als Menschen", sagt der britische Futurologe Ian Pearson. Längst experimentieren Forscher mit direkten Verbindungen zwischen Gehirn und Computer, sogenannten Brain-Computer-Interfaces (BCI). Elektroden in einer Art Badehaube nehmen am Kopf die Gehirnströme ab. Gelähmte können so einen Roboter-Arm steuern. Auch einfache Fahrzeuge oder Computerspielfiguren lassen sich auf diese Weise bewegen. Informatiker Dr. Florian Röhrbein von der TU München erklärt die Technik:

"Der Benutzer versucht, sein Gehirn in verschiedene Zustände zu bringen, wie einmal ganz stark an den linken Arm denken und im anderen Fall ganz stark an das rechte Bein denken. Das führt zu unterschiedlichen Signalen, die vom Computer deutlich getrennt werden können und die kann man dann dazu benutzen, um zum Beispiel in einem Computerspiel den Mauszeiger zu bewegen - einmal nach links, einmal nach rechts."

Dr. Florian Röhrbein, TU München, Manager des Projekts Neurorobotics im Human Brain Project der EU

Künstliches Wissen und Erinnerungen

Tech-Unternehmer Bryan Johnson will dem Menschen ein Betriebssystem-Update verpassen.

Doch ein Brain-Computer-Interface kann nicht nur Befehle eines Menschen an eine Maschine weitergeben. Es funktioniert prinzipiell auch anders herum. Was wäre, wenn wir uns Erinnerungen "einpflanzen" könnten, statt zur Schule zu gehen? Bei Mäusen funktioniert das schon, zumindest so ähnlich. Neurowissenschaftler von der Harvard-Universität haben Gehirnzellen der Nager genmanipuliert, damit sie auf Licht reagieren und den Tieren damit eine Art Angst-Trauma verpasst. Sobald ein bestimmtes Laserlicht im Käfig leuchtet, verfällt die Maus in Angststarre.

Die Vision des kalifornischen Unternehmers Bryan Johnson geht nochmal in eine andere Richtung. Mittels eines "Chips im Gehirn" und seinem Mit Startup Kernel will er Menschen leistungsfähiger machen, aufmerksamer und kreativer. Entsprechende Versuche mit Kranken, etwa Alzheimer-Patienten, laufen bereits.

Wer bestimmt dann, wer wir sind?

Christopher Lindinger experimentiert am Ars Eletronics Futurelab in Linz mit Brain-Computer-Interfaces.

Doch was heißt es, wenn wir das Organ verändern, das unser Denken, unsere Wahrnehmung, unsere Identität ausmacht? Wer bestimmt dann, wer wir sind und was wir glauben? Der Staat? Die Unternehmen? Oder doch wir selbst? Bis wir uns diese Fragen ernsthaft stellen müssen, dürfte zumindest noch einige Zeit vergehen, ist Christopher Lindinger vom Ars Electronica Futurelab in Linz überzeugt:

"Der erste Aspekt ist eigentlich, dass man mal das Gehirn überhaupt versteht. Und da sind wir schon sehr weit weg. Wir wissen zwar welche Regionen ungefähr für etwas zuständig sind, aber wie das Denken tatsächlich funktioniert, wie das Gehirn funktioniert, da sind wir wirklich sehr weit weg."

Christopher Lindinger, Forschungsleiter Ars Electronica Futurelab, Linz


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