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Ein Jahr Haft in der Türkei Hoffnung auf Yücels Freilassung

Seit einem Jahr sitzt der deutsche Journalist Deniz Yücel in türkischer Untersuchungshaft. Ministerpräsident Yildirim nährt nun in einem Interview mit den Tagesthemen die Hoffnung auf seine Freilassung.

Von: Oliver Mayer-Rüth

Stand: 14.02.2018

Deniz Yücel | Bild: picture-alliance/dpa

Als sich Deniz Yücel vor genau einem Jahr der Istanbuler Polizei stellte, sei er von einem eher kurzen Aufenthalt, vielleicht einigen Tagen Polizeigewahrsam ausgegangen. So hört man immer wieder von Menschen, die ihn in den letzten Monaten im Gefängnis in Istanbul besuchen konnten. Dass daraus nun ein Jahr wurde, macht nicht nur Yücels Familie fassungslos. Regelmäßig twittert seine Frau Dilek, wie lange er bereits ohne Anklageschrift festgehalten wird.

Belastung für deutsch-türkische Beziehungen

Unter Bundestagsabgeordneten ist nur noch von der "Geisel" Yücel die Rede. Das Verhältnis zwischen Ankara und Berlin ist aufgrund des rechtsstaatlich mehr als fragwürdigen Vorgehens der türkischen Justizbehörden völlig zerrüttet. Seitdem Staatspräsident Erdogan Yücel öffentlich als Spion und Terroristen bezeichnete, fasst kein Staatsanwalt oder Richter den Fall mehr an.

Zum Jahresende 2017 gab es Hoffnungsschimmer. Nach der Freilassung des deutschen Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner und der deutschen Journalistin Mesale Tolu sprach vieles dafür, dass auch Yücel das Istanbuler Gefängnis Silivri bald verlassen darf. Selbst aus Kreisen der Erdogan-Partei AKP war zu hören, Ankara sei interessiert an einem besseren Verhältnis zu Berlin. Man suche eine zeitnahe Lösung für das Problem Yücel.

Yildirim: Es wird bald "eine Entwicklung geben"

Diese Hoffnung nährt der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim erneut in einem Tagesthemen-Interview, das am Abend gesendet werden soll. Auf die Frage, wann Yücel endlich freikomme, antwortet Yildirim: "Diese Entscheidung treffe nicht ich. Die Gerichte treffen diese Entscheidung. Ich hoffe, dass er in kurzer Zeit freigelassen wird. Ich bin der Meinung, dass es in kurzer Zeit eine Entwicklung geben wird."

Tiefe Risse im deutsch-türkischen Bündnis

Dennoch konnte man in den letzten Wochen eher den Eindruck haben, dass es bis zu einer Freilassung noch lange dauern könnte. Hintergrund war auch das unglückliche Agieren des bisherigen deutschen Außenministers Sigmar Gabriel. Immerhin bemühte sich Gabriel mit viel gutem Willen gemeinsam mit seinem türkischen Amtskollegen Cavusoglu, die tiefen Risse im deutsch-türkischen Bündnis zu kitten. Dazu gehörten etwa gegenseitige Besuche in den Heimatstädten Antalya und Goslar.

Doch dann verknüpfte der SPD-Politiker in einem Interview mit dem "Spiegel" zukünftige Waffenlieferungen aus Deutschland an die Türkei mit der Freilassung Yücels. Schnell war von einem schmutzigen Deal die Rede, den der inhaftierte Korrespondent der Zeitung "Welt" in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur resolut ablehnte.

Etwas widersprüchlich ergänzte Gabriel nach Cavusoglus Besuch in Goslar, dass aber zumindest eine Modernisierung von "Leopard 2"-Kampfpanzern im Bestand der türkischen Armee unabhängig von der Freilassung Yücels möglich sein sollte. Gabriel argumentierte, man könne dem NATO-Partner diesen Wunsch nicht abschlagen, denn türkische Soldaten befänden sich im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" und müssten vor Angriffen besser geschützt werden. So entstand der Eindruck, der Außenminister habe seinem Amtskollegen etwas versprochen, vielleicht sogar einen Handel vereinbart, der eine Freilassung Yücels begünstigen könnte.

Widerstand gegen Rüstungsgeschäfte mit der Türkei

Dann zog überraschend die türkische Armee in den syrischen Krieg gegen die Kurdenmiliz YPG. Im deutschen Fernsehen liefen Bilder von "Leopard 2"-Panzern auf dem Weg in die syrische Region Afrin. Gabriels Aussage, man wolle mit einer Modernisierung der Panzer Soldaten des NATO-Partners Türkei vor dem "Islamischen Staat" schützen, wirkte hohl. Der öffentliche Druck, von Rüstungsgeschäften mit Ankara abzusehen, steigt.

Schließlich verschob die Bundesregierung eine endgültige Entscheidung in Sachen Panzermodernisierung auf die Zeit nach der Bildung eines neuen Kabinetts. Doch ob dann die türkische Militäroffensive in Syrien vorüber sein wird und damit in Berlin grünes Licht für die Aufrüstung der Leopard-2-Panzer geben wird, bleibt fraglich. Allerdings ist die Türkei immer wieder für Überraschungen gut.

Vielleicht versteht Ankara sogar, dass während einer türkischen Militäroffensive in Syrien Forderungen nach Panzermodernisierungen abwegig sind. Dazu würde Yildarims Einlassung zum Fall Yücel passen. Immerhin weist er die Forderung nach einer Freilassung nicht brüsk zurück.


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Wolf, Mittwoch, 14.Februar, 15:36 Uhr

10. Spackentreffen?

Immer wieder lustig was bei solchen Themen unter den Steinen rauskriecht.....

Realistin1, Mittwoch, 14.Februar, 14:38 Uhr

9. Wen interessiert das noch ........keinen!!!

Wer ist Yücel, braucht die Welt einen Deniz Yücel ....NEIN, denn Yücel ist ein ganz unverschämter, bissiger Journalist und Deutsch Hasser.
Man muss sich mal vorstellen dass sich ein in der Türkei lebender Deutscher, in solch einer Art (wie Yücel es bei uns macht) über die Türkei herzieht, der hätte keine ruhige Minute mehr! Zu Unrecht sitzt er bestimmt nicht in der Türkei im Gefängnis.
Ich finde es befremdlich wenn Journalisten, Comedians usw. meinten sie müssten der Welt in ihrer bissigen, unverschämten Art ihre verkorkste Sicht der Dinge mitteilen. Es gibt sicherlich sehr gute Journalisten, aber das was Deniz Yücel von sich gibt, ist nur Hass auf alles. ..... und so hat Erdogan auch noch jemand zum spielen!

  • Antwort von An die Unrealistin, Mittwoch, 14.Februar, 17:12 Uhr

    Zu Unrecht sitzt er .....Wurde Anklage erhoben ? Wo sind die Beweise ? Sind Sie in deren Besitz ?
    Wen interessiert das noch ? Viele !

Leserin , Mittwoch, 14.Februar, 14:00 Uhr

8. Jetzt wissen es alle Provokateure und Agenten, Erdogan wehrt sich.

Jetzt werden alle Erdogan-Kritiker vorsichtiger, wenn kritisieren, dann nur aus dem sicheren Deutschland.

Leo Bronstein, Mittwoch, 14.Februar, 13:37 Uhr

7. yücel ein deutscher Patrio?

Yücel ein deutscher Patriot?

Allein für die Aussage wünsche ich, dass dieser Politiker der sogenannten "sPd" nie wieder ein hohes Amt in Deutschland bekleiden würde.

.
Oder gibt es so etwas wie Türken Bonus in Deutschland?
- Der in Hamburg lebende Türke Karabulut darf Deutsche als Köterrasse bezeichnen.
- Yücel verspottete Behinderte und gleich alle Deutschen mit.
- Özoguz behauptete "Eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar".
- Türken erklären den deutschen Staatsfeiertag zum Tag der offenen Moschee und die Nachrichten machen willig mit und berichten ausgiebig.
- In Berlin erreichen türkische Schüler zu 60% den Mindeststandard in Schulen nicht (VERA3). Und was geschieht? Das Land Berlin bietet einen fakultativen Türkisch-Unterricht für Grundschüler an.

Squareman, Mittwoch, 14.Februar, 12:44 Uhr

6. Problem

Das Problem ist nicht Yuecel, das Problem heißt Erdogan. Yuecel ist ja nicht Erdogans einzige deutsche Geisel, von den anderen politischen Gefangenen mal ganz zu schweigen. Das Problem betrifft ja nicht nur Erdogan in der Türkei sondern Erdogans Arme reichen ja bis nach Deutschland. Da gibt es die Ditib, die Uetd, die Add und die Osmanen Germania um nur ein paar von Erdogans Vereine zu nennen. Was schrieb ein Jugendlicher auf Facebook "Erdogan befiehl und wir zerschlagen Deutschland ", das sollte man durchaus ernst nehmen.

  • Antwort von xaver, Mittwoch, 14.Februar, 13:51 Uhr

    Yuescel

    Ich verstehe eines nicht,dieser mann ist Türke und hat die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen ,OHNE seine türkische abzulegen.Doppelstaatler wollten
    unsere Grünen.So jetzt gilt bei Doppelstaatlers erst einmal ,daß die Staatsbügerschaft maßgeblich ist ,in welchem der 2 Länder er sich zur Zeit aufhält. Es ist also nicht
    unser Staatsbürger,in erster Linie ist der mal Türke.Die meisten der zuletzt festgehaltenen Bürger in der Türkei hatten nur die DEUTSCHE Staasbürgerschaft,die türkische abgelegt.Die Türkei hat projure erst einmal das Recht den Mann als Türke zu betrachten..
    Daaß man sich dafür einsetzt ,den Mann aus dem Gefängnis raus zu kriegen ist lobenswert,ein menschliches muss.Allerdings seine Komentare in der TAZ sprechen nicht unbedingt dafür ,sich für einen solchen "Patrioten" einzusetzen,siehe auch Kommentar 2