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Konzernmacht Google baut das World Wide Web um

Der Konzern ist die Ordnungsmacht des Internet. Er bestimmt, wie Web-Seiten auszusehen haben. Wer sich nicht fügt, wird nicht gefunden, ist also draußen aus dem Cyberspace. Tausende von Suchmaschinenoptimierern wetteifern deshalb darum, Google zu Willen zu sein.

Von: Achim Killer

Stand: 09.04.2018

Google-App | Bild: picture-alliance/dpa

Google’s John Müller war diesmal der Mann, der auf der SMX gesagt hat, wo’s lang geht. Die SMX ist ein Kongress für Suchmaschinen-Optimierer, für Leute, die Web-Seiten so aufbereiten, dass sie Google in der Suchanzeige möglichst weit oben listet. Google’s Gesandter gibt dort jedes Mal die Losung aus.

Mobile First!

„Mobile First!“ lautet die aktuelle Ansage. „Bis vor ein paar Wochen basierte Google’s Suchindex auf den Desktop-Versionen der Sites“, erläutert Greg Gifford vom US-Marketing-Unternehmen Dealeron. „Das wird jetzt umgestellt. Jetzt ist die mobile Version ausschlaggebend für die Reihung der Ergebnisse – auch bei der Suche mit dem Desktop.“

Neue Geschäftsbedingen für die ganze Branche

Also Google’s geheimnis-umwitterter Algorithmus rechnet künftig bevorzugt mit Daten von Web-Seiten, die für die kleinen Bildschirme von Smartphones ausgelegt sind. Die auf Browser unter Windows ausgerichtete Version einer Seite tritt dagegen in den Hintergrund. Mobile First eben. Keine große Sache - sollte man meinen. Zumal der Mobile-First-Index nur schrittweise eingeführt wird. Aber wieder einmal bekommt die gesamte Internet-Wirtschaft neue Geschäftsbedingungen diktiert wie jedes Mal, wenn Google etwas bei der Internet-Suche verändert.

Web-Shops sind gewarnt

„Google warnt seit Jahren, dass diese Umstellung kommt, dass Unternehmen mit inhaltsarmen mobilen Sites aus den Suchergebnissen fallen können“, sagt Gifford. Also Webshops etwa müssen jetzt ihr gesamtes Angebot auch mobil vorhalten. Sonst könnte es existenzgefährdend werden.

Smartphone-Surfen immer wichtiger

Google reagiert mit dem Mobil-First-Indexing zum einen auf den Bedeutungszuwachs, den das mobile Internet in den vergangenen zehn Jahren erfahren hat. Und zum anderen beschleunigt der Konzern diesen Wandel und setzt Technologien durch, die ihn unterstützen. Das reponsive – das anpassungsfähige - Webdesign beispielsweise.

Flexibles Design

„Responsive bedeutet, eine Site nur einmal zu programmieren, anstatt eine Desktop- und eine mobile Version vorzuhalten. Der Code organisiert dann die angezeigten Inhalte verschieden, je nachdem wie groß der Bildschirm des Geräts ist.“ So Gifford.

Verschlüsselung bevorzugt

Wenn Google seinen Algorithmus ändert, ändert sich das World Wide Web. Google findet Sites, auf denen illegal urheberrechtlich geschütztes Material angeboten wird, oft nicht. Der Konzern vergisst Seiten, über die sich persönlich Betroffene beschwert haben. Er bevorzugt, Seiten, die schnell laden, ohne nervige Werbung und mit guten Inhalten. Die Machwerke so genannter Content Mills, also zusammengeschluderte Texte, die bloß Surfer zu Anzeigen locken sollen, die lässt er hinten runter fallen. Und Google bevorzugt Sites, die verschlüsseln.

Google’s Macht

Qualität, Geschwindigkeit, Urheber- und Persönlichkeitsrechte. Die meisten Surfer sind wohl dafür. Problematisch aber ist, dass es ein privater Konzern ist, der das Alles durchsetzt.


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Dalmik, Montag, 16.April, 23:09 Uhr

9. Wo ist die Konkurrenz?

Google-Dienste sind gut. Google-Dienste sind kostenlos. Google ist der weltgrösste Datenschnüffler.

Nun erkläre mir mal jemand wie Google in Schach gehalten werden soll? Gratis, gut und weniger schnüffelnd. Das ist für mich die berüchtigte Datenkostenlosfalle, in die wir User und Konsumenten allzugerne hereinfallen. Die Kfz-Trackerversicherungstarife werden genauso kommen und viele andere "Schnäppchengeschäftsmodelle" auch.

Onlinebanking war auch mal kostenlos ;-)

  • Antwort von Rimo, Dienstag, 17.April, 10:18 Uhr

    "Google in Schach" halten ist vllt d e r Running Gag überhaupt.
    Alle (?) wollen+nutzen G. Da ist z. B. die kleinere Firma, für die es handlich ist, wenn ihre Werbung per G auf irgendwelchen Seiten platziert wird.
    Auch erinnere ich mich an ein Gratis-Tool, das ich vor Jahren einmal "haben musste". Oder wars die Gratis-Antiviren-Software meiner Schwester? Jedenfalls war da die G-Suche dabei, die blöderweise bei der Installation nicht "abgewählt" wurde. Damals habe ich noch echt rumzappeln müssen, um diese Adware wieder loszuwerden.
    G ist überall. Es heißt ja auch "googlen wie Tempo (-Taschentücher)", nicht x-quicken, duckduckgoen od. ecosian.

    "Konkurrenz"? Gibt es eher nicht, höchstens Alternativangebote. Die müssten aber z. T. erstmal gesucht werden - zu umständlich. Da guckt man halt erstmal bei G. G wird wie der ÖPNV ganz selbstverständlich genutzt. Dass es in der Privatwirtschaft keine echten Give-Aways gibt - kein Gedanke!

    Und "delete G"? - Hahaha, wer will das denn schon?

Nic, Montag, 16.April, 13:38 Uhr

8. Das Monopol der Internetgiganten

Ich habe nie ganz verstanden, warum google soviel Wert auf die angebliche Mobiltauglichkeit legt, wo sich doch die Desktop-Webseiten kaum von denen für Mobilgeräte unterscheiden. Wie soll denn eine Webseite für Mobilgeräte aussehen? Überdimensionierte Bestellbuttons vielleicht, damit man auch noch mit dem Daumen darauf drücken kann? Meine für Displays von Notebooks programierte Internetseite funktioniert auch mit Tablet und Smartphone gut und genauso ist es mit es mit allen anderen Webseiten die mit dem normalen Browser aufgerufen werden. Smartphones sind nun mal zu klein, es können immer nur Ausschnitte betrachtet werden, das ist auch so auf den Webseiten von Ebay, Amazon usw, die sind auch nicht nur für Mobilgeräte optimiert. Aber es fällt ohnehin auf, dass google immer wieder die gleichen Konzerne und sich selbst bei den Suchergebnissen bevorzugt. Google war einmal eine neutrale Suchmaschine, von Vielfalt, Relevanz und Chancengleichheit kann man aber schon lange nicht mehr sprechen.

  • Antwort von Rimo, Dienstag, 17.April, 13:37 Uhr

    "Warum google soviel Wert auf die angebliche Mobiltauglichkeit legt"?

    - Wegen flotterer Performance und noch mehr Daten für Google. Guckst Du bei Wiki unter "Accelerated Mobile Pages".
    Und "wer hats erfunden"? - Google.

Datenschützer, Montag, 16.April, 07:09 Uhr

7. Mal überlegen

Was wäre wenn Google und Facebook keine US-amerikanischen Firmen wären sondern chinesische oder russische.
Chinesische? Da würde man zusehen , es akzeptieren und immer wieder a bisserl drohen, aber da sie ja unter dem Schutz des chinesischen Staates stehen sind sie unantastbar und irgendwie auch überlebenswichtig für unsere Wirtschaft.
Passt also.
Russisch?
Die wären gar nicht so gross geworden da es dann schon seit vielen Jahren effektive Internetsperren gegeben hätte.

Wo bleibt die Regulierung? Noch mit der Gurkenkrümmung beschäftigt, oder mit Monsantopatentschutz?

realist, Sonntag, 15.April, 21:56 Uhr

6. Weltweite Erpressung?

google.com ist mir so sympatisch! Wie z. B. Facebook. Und aus diesem Grunde fordere ich: zerschlagt google.com. Ich trage heute schon meinen Teil dazu bei.

Cosi , Sonntag, 15.April, 17:26 Uhr

5. Google kann das ja machen!

Wenn der User nicht mitmacht kann Google sich wieder neu umstellen.....oder man sucht sich eine neue Suchmaschine. Das nennt man auch Politik von unten.