20

Kabinettsbeschluss zur Rückkehr in Vollzeit Gesetz gegen "Teilzeitfalle" nutzt Millionen Menschen nichts

Arbeitnehmer sollen ein Recht auf die Rückkehr von einer Teilzeitstelle in Vollzeit erhalten, das hat heute das Bundeskabinett beschlossen. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) feiert die "Brückenteilzeit" als Erfolg gegen die sogenannte Teilzeitfalle, in der vor allem Frauen stecken. Für mehr als die Hälfte der Beschäftigten gilt die Regelung aber nicht oder nur zum Teil.

Von: Anita Fünffinger

Stand: 13.06.2018

Schriftzüge "Teilzeit" und Vollzeit" mit Barbeld | Bild: picture-alliance/dpa

Die magische Zahl heißt 45. Das Gesetz zur Brückenteilzeit gilt erst für Betriebe ab 45 Mitarbeitern. In der Spanne von 46 bis 200 Mitarbeitern kann nur jeder 15. vom Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit profitieren. Die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag, die dem Bayerischen Rundfunk vorliegt, legt deutlich offen: Millionen Menschen werden von diesem Gesetz nichts haben.

Für 55 Prozent gilt das Gesetz nicht oder nur zum Teil

39 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland, nämlich 14,6 Millionen Menschen, haben von diesem Gesetz gar nichts, weil sie in einer kleinen Firma mit weniger als 45 Beschäftigten arbeiten. Noch einmal 9,7 Millionen Menschen sind in einem mittleren Betrieb mit 46 bis 200 Mitarbeitern beschäftigt, das sind 26 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland. Zusammengerechnet gilt das Gesetz für mehr als die Hälfte, nämlich 55% aller Beschäftigten, nicht oder nur in Teilen.

In Bayern haben 2,4 Millionen Menschen nichts davon

Mehr als 1,3 Millionen Frauen und 1,1 Millionen Männer arbeiten in Bayern in einem Betrieb mit weniger als 45 Beschäftigten. Laut Antwort der Bundesregierung gibt es im Freistaat über 520.000 solcher Betriebe. Darunter fallen Ein-Mann-Betriebe genauso wie kleine Handwerksbetriebe, die selbständige Bäckerei oder der Frisör. Sie alle sind von diesem Gesetz nicht betroffen.

Frauen bleiben in der Teilzeitfalle

Nach den Zahlen, die die Bundesregierung vorgelegt hat, wird nur jede fünfte Frau (20,3%) vom Recht auf befristete Teilzeit ohne Weiteres Gebrauch machen können. In Bayern sind es sogar noch weniger, nämlich 18,5 Prozent. Vor allem Frauen sitzen damit weiterhin in der sogenannten Teilzeitfalle. Sie verdienen wenig, sammeln damit auch weniger Rentenpunkte, haben aber kein Recht darauf, ihre Arbeitszeit zu erhöhen.

Auszeit muss nicht mehr begründet werden

Mit dem neuen Gesetz sollen Arbeitnehmer das Recht auf die Rückkehr zu einer Vollzeitstelle haben. Bislang gilt das nur für Zeiten der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen. Künftig muss man keinen Grund mehr nennen. Der Wunsch nach befristeter Teilzeit muss lediglich drei Monate vorher angemeldet werden. Arbeitsnehmer können bis zu fünf Jahre lang ihre Arbeitszeit reduzieren, ohne den Anspruch auf Vollzeit zu verwirken. Für bereits jetzt schon Teilzeitbeschäftigte muss der Arbeitgeber einen triftigen Grund nennen, warum die Aufstockung zu Vollzeit nicht möglich ist: Das kann fehlende Qualifizierung sein oder wenn in der Firma aktuell keine Vollzeitstelle zur Verfügung steht.


20