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Gentechnik auf dem Acker Warum US-Farmer mehr Chancen als Risiken sehen

1996 wurden die ersten gentechnisch veränderten Sojabohnen auf US-amerikanischen Feldern angebaut. Trotz aller Kritik und Widerstand vor allem in Europa taten es immer mehr Landwirte weltweit - auch mit Mais, Baumwolle und anderen Pflanzen. Wichtigster Hersteller und Treiber der Entwicklung: der Agrochemiekonzern Monsanto in St. Louis, Missouri/USA. Inzwischen produzieren mehrere Firmen Gentechniksaaten samt der dazu passenden Chemie.

Von: Ulrich Detsch, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 13.10.2017

Die Farmerfamilie Young, deren Vorfahren unter dem Namen Jung vor sieben Generationen aus Deutschland nach Illinois auswanderten, bewirtschaftet 2.250 Acres, rund 900 Hektar, bestes Ackerland. Und zwar nur mit zwei Kulturen. Seit 15 Jahren säen und ernten die Youngs nur gentechnisch veränderte Sojabohnen und Mais. Diese Sojabohnen vertragen dank Gentechnik das Glyphosat-Herbizid "Roundup" von Monsanto. Das Gleiche gilt für die Maispflanzen der Youngs; sie sind zusätzlich gentechnisch gegen die Schadinsekten Maiszünsler und Maiswurzelbohrer geschützt.

Ron Youngs Fazit nach 15 Jahren als Gentechnikfarmer

"Als wir anfingen, war die Unkrautbekämpfung sehr schwierig. Jedes Jahr das gleiche Ritual für Kinder und Farmer: mit der Unkrauthacke übers Feld und Unkraut hacken. Dreimal im Jahr, weil wir keine Spritzmittel hatten, die alle Unkräuter vernichteten. Plötzlich - mit Roundup ready - hatten wir bessere Erträge und kein Unkraut."

Ron Young

Bessere Erträge und kein Unkraut durch Glyphosat

Ron Young und seine Frau Martha waren mehrmals in Deutschland, kennen die Bedenken hierzulande. Meist stießen sie auf Unverständnis, weil sie dieses 'Teufelszeug' Gentechnik nutzen. "Wir machen mehr Geld mit Round-Up-Ready-Sojabohnen als jemals zuvor", sagt Ron Young. Sein Sohn Joshua fügt hinzu, dass die Unkrautspritzmittel, die sie früher benutzt hätten, viel giftiger gewesen seien.

"Sie waren gefährlich für den Anwender und Leute, die darum herum sind. Sie bleiben länger im Boden."

Joshua Young

Die Diskussion in Deutschland um Gesundheitsgefahren durch Glyphosat sieht Joshua Young nicht durch wissenschaftliche Studien und Fakten begründet; keine einzige solide sei ihm bekannt. Wie viele andere US-Farmer hält Joshua Young den Wirkstoff Glyphosat sogar für besonders ungefährlich. Es sei viel weniger giftig als die Alternativen, so Joshua Young.

Nicht-Gentechnik rentiert sich in den USA kaum mehr

Sojabohnen

In der Nachbarschaft der Youngs gibt es in 50 Kilometer Umkreis keinen Bio-Farmer. Ein einziger Nachbar hat all die Jahre gentechnikfreies Soja und Mais angebaut. Jim Bellm, Mesner in der örtlichen Baptisten-Kirche, ein Individualist, der nur rund 200 Hektar bewirtschaftet und dies mit kleinen Maschinen, die er pflegt und sehr lange nutzt. Trotzdem hat Jim Bellm heuer die gentechnikfreie Wirtschaftsweise aufgegeben.

"Wir bauten gentechnikfreies Getreide an, dafür gab es einen Markt. Sie zahlten einen Aufschlag für solchen Mais und Soja. Aber die Aufschläge für gentechnikfreies Getreide sanken. Außerdem machten uns Insekten und Unkraut Probleme. Das bekamen wir mit gentechnikfreien Sorten nicht so gut in den Griff wie mit Gentechnik-Saaten."

Jim Bellm, US-Farmer

Superunkräuter - die Resistenzen nehmen zu

Jim Bellm erntet dieses Jahr mehr als all die Jahre vorher. Aber er beobachtet, dass Glyphosat allein nicht mehr mit allen Unkräutern fertig wird. Resistenzen nehmen zu. Einer von Jims Nachbarn hat deshalb die neue Wunderwaffe aus den Monsanto-Labors gesät: eine Soja-Sorte, die gentechnisch so verändert ist, dass sie nicht nur das Glyphosat-Herbizid Roundup verträgt, sondern auch Engenia von BASF, mit dem Wirkstoff Dicamba. Die Äcker des Nachbarn sind "clean", also sauber von Unkraut.

Dicamba wirkt, aber es ist extrem flüchtig und gelangt über die Luft auf andere Kulturen und schädigt sie, sofern sie nicht auch gentechnisch auf Dicamba abgestimmt sind. Jim Bellm wird kaum etwas anderes übrigbleiben, als selbst dicamba-resistente Sojabohnen zu säen. Aber er fürchtet auch, dass Unkräuter resistent gegen Dicamba werden.

Neueste Entwicklung bei Gentechniksaaten - nicht frei von Risiken

Auch US-Farmer Young hat auf einem Acker eine dicamba-verträgliche Sojasorte ausprobiert. Das Feld ist sauber. Er habe sich dabei an die Vorschriften gehalten, sagt Young, und von Nachbarfeldern mindestens eine Spritzenbreite Abstand gehalten. Das sind im Mittelwesten mehr als 30 Meter.

"Wir müssen mit diesen biotechnischen Anwendungen vorsichtig umgehen. Ich halte es für ein großartiges Werkzeug, aber es ist nicht endgültige Antwort. Es ist ein Werkzeug, das gebraucht wird, aber nicht das endgültige zur Unkrautkontrolle."

Joshua Young

Joshua Young weiß, dass dieser neueste Entwicklungsschritt bei Gentechniksaaten auch neue Risiken birgt. Trotzdem sieht er in gentechnisch veränderten Pflanzen mehr Chancen als Risiken. Der Blick auf den Monitor des Bordcomputer seines Mähdreschers macht deutlich: 75 Bushel Sojabohnen pro Acre, umgerechnet etwa fünf Tonnen pro Hektar. Vor zehn Jahren waren auf der Youngfarm 3,5 Tonnen eine gute Ernte. Auch beim Mais haben die Youngs ihre Erträge gesteigert.


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