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Kontroverse um Steinbruch Flossenbürg Freistaat lässt historische Gebäude verfallen

Nur ein paar Gedenktafeln auf einer Aussichtsplattform erinnern an die vielen Zwangsarbeiter, die sich im Steinbruch Flossenbürg in der NS Zeit zu Tode arbeiteten. Mehr nicht. Denn der Steinbruch ist nicht Teil der KZ Gedenkstätte, der Freistaat hat ihn verpachtet. Die historischen Gebäude, stumme Zeugen des Leids der Zwangsarbeiter, verfallen immer weiter.

Von: Christian Stücken und Thomas Muggenthaler

Stand: 09.05.2018

Der Granit im Steinbruch war der Grund warum vor genau 80 Jahren im Mai 1938 das KZ Flossenbürg gegründet wurde. In der Zeit von 1938 bis 1945 mussten die Häftlinge des Konzentrationslagers dort Zwangsarbeit leisten. Sie sollten Granit abbauen für die Prachtbauten der Nazis. Wegen der katastrophalen Bedingungen und durch gezielte Tötung und kamen damals im KZ Flossenbürg tausende Menschen um.

Steinbruchgebäude von Flossenbürg sind Orte der Erinnerung

Der Steinbruch ist ein historischer Ort, ein Ort des Gedenkens. Tatsächlich erinnern aber nur ein paar Gedenktafeln auf einer Aussichtsplattform an die KZ-Häftlinge, für die der Steinbruch in Flossenbürg ein Ort des Terrors und des Grauens war. Der Steinbruch ist bis heute in Betrieb, der Freistaat Bayern hat mit einem Granitwerk einen Pachtvertrag über 20 Jahre abgeschlossen. Er läuft noch bis zum Jahr 2024.

Die historischen Gebäude, die noch aus der NS-Zeit stammen, verfallen zusehends. Die Treppe, über die die Häftlinge damals in den Steinbruch hinabgestiegen sind, ist kaum noch zu erkennen. Die Trafostation, die Schlosserei und die alte Schmiede sind in extrem schlechtem Zustand. Dabei sind diese Orte für Jörg Skriebeleit, den Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, einzigartig: "Als Orte der Zwangsarbeit, als Orte der Auftragsarbeit für die SS, dafür stehen diese Gebäude in ihren unterschiedlichen Funktionen, in ihnen sind Spuren des KZ-Einsatzes ablesbar, und diese Spuren gilt es zu erhalten."

Flossenbürgs KZ-Gedenkstättenleiter fordert Sicherung der Gebäude

Für den Historiker Johannes Tuchel von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand ist der Zustand der Gebäude im Steinbruch ein Skandal: "Bei einem historisch so bedeutenden Ort wie diesem Steinbruch in Flossenbürg verwundert es mich sehr, dass ein so reiches Land wie der Freistaat Bayern diesen Bereich so verkommen lässt und mit seinen historischen Zeugnissen so umgeht. Ich kann eigentlich an dieser Stelle nur sagen, dass sich das Land Bayern schämen sollte, Zeugnisse aus der NS Zeit, die so an das Leiden der KZ-Lagerhäftlinge erinnern, derart verfallen zu lassen." Er plädiert dafür, dass die Abbauarbeiten möglichst bald eingestellt werden und der Steinbruch Teil der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg wird.

Staatsregierung will sich um eine Lösung bemühen

KZ-Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit hofft, dass eine bald eine gute Lösung geben wird: "Vor allem natürlich ist elementar, dass man die unter Denkmalschutz stehende Gebäude grundsichert und im Idealfall weiterentwickelt." Vorstellbar sind Ausstellungen in den Steinbruchgebäuden und auch Seminare und Workshops könnten hier stattfinden. Im Wissenschaftsausschuss des Landtags liegt derzeit eine Petition zur Abstimmung vor, die die sofortige Stilllegung des Steinbruchs fordert. Ob der Ausschuss dem zustimmt, ist fraglich.

Der neue Kultusminister Bernd Sibler will sich in den nächsten Wochen selbst ein Bild vor Ort machen. Die historischen Gebäude sollen gesichert werden und nach 2024 soll der Steinbruch Teil der KZ-Gedenkstätte werden.


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