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Zukunftsmusik? Warum Flugtaxis eine realistische Option sind

Skepsis, aber auch ein bisschen Abenteuerlust: Sind Flugtaxis noch Zukunftsmusik - oder schon sehr real? Prof. Florian Holzapfel von der Technischen Universität München ist Spezialist für Flugsysteme und Flugrobotik - unter anderem entwickelt er Drohnen für chinesische Milliardäre.

Stand: 13.03.2018

radioWelt: Wie weit sind wir technisch von Flugtaxis entfernt?

Prof. Florian Holzapfel, TU-München: Gar nicht mehr weit! Die Idee ist überhaupt nicht abwegig. Das ist tatsächlich ein Thema, mit dem sich momentan sehr viele beschäftigen. Es ist außerdem schön, dass auch viele Firmen bei uns hier in Bayern weltweit ganz vorne mitspielen. Das heißt: Die Thematik ist gar nicht abwegig, sondern eigentlich etwas, bei dem sich in den letzten Jahren von den technologischen Randbedingungen so viel getan hat, dass man auf absehbare Zeit damit rechnen kann, dass das auch funktioniert.

radioWelt: Wir verdichten unsere Städte immer weiter. Gibt es denn dann Landeflächen für Flugtaxis?

Florian Holzapfel: Die tolle Geschichte ist ja, dass diese Systeme, die momentan entwickelt werden, senkrecht starten und landen. Das heißt: Man braucht keine große Flugplatzinfrastruktur, sondern nur relativ kleine Flächen, die man natürlich auch auf Häuser bauen könnte.

radioWelt: Sie entwickeln viel für den chinesischen Markt. Sind die Chinesen in der Entwicklung schon weiter?

Florian Holzapfel: Ich würde das persönlich so sehen, dass von der Technologie Europa und gerade Deutschland eigentlich ganz vorne mitspielen können. Es ist aber einfach so, dass andere Regionen - und da gehört nicht nur China dazu - wesentlich technologiefreundlicher und chancenorientierter und auch das Risiko weniger fürchten. Ich denke, solche Systeme werden in anderen Ländern daher viel eher auf dem Markt einen Platz finden.

radioWelt: Gibt es denn Signale aus der Politik - von Dorothee Bär mal abgesehen - dass solche Dinge für Deutschland auch entwickelt werden müssen?

Florian Holzapfel: Es gibt natürlich Signale, dass so etwas positiv gesehen wird und dass man auch einen sinnvollen Markt dafür sieht. Wobei man sich von der Fehlvorstellung trennen muss, dass dann der ganze Himmel vollgekleistert sein wird mit vielen Flugsystemen. Es wird mit einigen wenigen anfangen, aber nichtdestotrotz: Es ist ein sinnvoller Markt, und an der Stelle wird insgesamt weltweit gerade ziemlich angeschoben. Da laufen momentan sehr viele Bemühungen. Und weil das gerne mit einem Schmunzeln wahrgenommen wird, man muss man auch sehen: Sämtliche großen deutschen Autobauer, Autobauer im Ausland, große Internetkonzerne usw., haben gerade Projekte in diesem Bereich laufen, weil es weltweit einen großen Konsens gibt, dass das ein relativ potenter Markt ist. Umso schöner ist es zu sehen, dass auch Firmen hier in Deutschland ganz vorne mitspielen können. Das funktioniert natürlich nur, wenn wir den Firmen hier im Land - vor allem auch den kleinen Start-ups - die Möglichkeiten geben, ihre Systeme auch hier zu erproben und zu demonstrieren.


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