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Grüne kritisieren Flächenversiegelung Bayern baut und baut und baut

Täglich werden etwa 13 Hektar Freiflächen umgewandelt: Zu Siedlungs- und Verkehrsflächen. Das sind etwa 18 Fußballfelder. Die Grünen wollen diesen "Flächenfraß" reduzieren und planen ein entsprechendes Volksbegehren. Wie die Flächennutzung in Bayern aktuell aussieht und was der Unterschied zwischen Verbrauch und Versiegelung ist.

Von: Sebastian König-Beck

Stand: 21.07.2017

Die Aufnahme des Fotografen Robert Schlaug, zeigt die Baustelle der Lappachtal Brücke bei Dorfen in Oberbayern (undatierte Aufnahme). Das Bild ist ein Auszug aus Schlaugs Bildband "Bayerns Schattenseite - Flächenverbrauch ohne Ende?".  | Bild: picture-alliance/dpa

Diese Umfrage ist ein Stimmungsbild und nicht repräsentativ. Technisch ist das System bestmöglich geschützt, um Manipulationen zu vermeiden.

Bayern ist mit Abstand das größte Bundesland Deutschlands: 70.550 Quadratkilometer. Das Landesamt für Statistik hat Ende 2014 dargelegt, welche Fläche wofür verwendet wird.

Der größte Anteil entfällt auf die Landwirtschaft: 33.106 Quadratkilometer, was knapp 47 Prozent an der Gesamtfläche des Freistaats ausmacht. Dann kommt der Wald mit 25.707 Quadratkilometern (knapp 37 Prozent). Es folgen die "Siedlungs- und Verkehrsflächen" mit 8.351 Quadratkilometern (11,9 Prozent). Und um die soll's beim Volksbegehren gehen.

Flächenverteilung in Bayern

Jedes Jahr wird einmal der Ammersee zugebaut

Denn diese Flächen sind in den letzten Jahren mehr geworden: Im Jahr 2000 lag der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen noch bei 10,4 Prozent, heute bei knapp 12 Prozent. Und es geht täglich weiter: Das Landesamt für Umwelt hat ausgerechnet, dass jeden Tag 13,1 Hektar Freiflächen in Bayern zu Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt werden. Das entspricht pro Tag einer Fläche von 18 Fußballfeldern, pro Jahr der Größe des Ammersees.

Hier setzen die Grünen an: Sie fordern, diese Flächenumwandlung auf maximal 4,7 Hektar pro Tag zu reduzieren. Damit das Gesetz wird, wollen die Grünen ein Volksbegehren auf den Weg bringen.

Stichwort Volksbegehren

Das Volksgesetzgebungsverfahren ist in Bayern dreistufig ausgestaltet, wie das bayerische Innenministerium erklärt.

Erstens: Der Antrag auf Zulassung des Volksbegehrens, der von mindestens 25.000 Stimmberechtigten unterzeichnet sein muss.

Zweitens: im Fall der Zulassung des Antrags das eigentliche Volksbegehren, bei dem sich innerhalb von zwei Wochen mindestens 10 Prozent der Stimmberechtigten in Bayern in amtlichen Eintragungsräumen in die Listen eintragen müssen.

Drittens: im Fall der ausreichenden Unterstützung des Volksbegehrens und der Nichtannahme des Gesetzentwurfs durch den Landtag schließlich der Volksentscheid, bei dem alle Stimmberechtigten über den Gesetzentwurf mit Ja oder Nein abstimmen können.

Grüne fordern "Notbremse"

Zur Begründung für die Pläne für ein Volksbegehren sagt Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann: Freiwillige Lösungsversuche hätten nichts gebracht.

"Angesicht der Entwicklungen überall im Land sehen wir uns gezwungen, die Notbremse zu ziehen."

Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann

Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten würden verschwinden, Wiesen- und Ackerland werde weniger und damit teurer für die Landwirte. Und durch die Versiegelung steige auch das Hochwasserrisiko.

Bildergalerie: Der Flächenfraß aus der Luft gesehen

Flächenverbrauch – Flächenversiegelung

Flächenverbrauch ist nicht gleich Versiegelung: Der Flächenverbrauch ist die statistisch erfasste Siedlungs- und Verkehrsfläche. Etwa 50 Prozent davon sind versiegelt.

Die restlichen 50 Prozent sind zum Beispiel Gärten, Parks, Sportflächen oder Friedhöfe. Diese Flächen werden zwar vom Menschen genutzt, aber nicht bebaut oder anderweitig abgedeckt, wie das Landesamt für Umwelt betont.

Die in Bayern insgesamt versiegelte Fläche betrug im Jahr 2015 gut 4.200 Quadratkilometer, so das Landesamt für Umwelt. Das entspricht fast der achtfachen Fläche des Bodensees.

Das Landesamt hat auch die Pro-Kopf-Versiegelung ausgerechnet: Die durchschnittliche Pro-Kopf-Versiegelung hat in Bayern von 277 Quadratmeter im Jahr 2000 auf 330 Quadratmeter im Jahr 2015 zugenommen. Gegenüber dem Jahr 2000 habe die Versiegelung durchschnittlich um 44 Quadratkilometer pro Jahr zugenommen – 44 Quadratkilometer: das ist etwa ein halber Chiemsee.

Bodenversiegelung: Nachteile für die Natur

Flächen, die luftdicht überdeckt wurden, können kein Regenwasser mehr aufnehmen oder speichern. Dadurch steigt bei starken Regengüssen das Risiko örtlicher Überschwemmungen. Im Sommer heizen versiegelte Flächen die Luft in den Städten zusätzlich auf. Außerdem geht wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen verloren, betont das Landesamt für Umwelt.

Als Beispiel nennen Experten Entwicklungen bei den Schmetterlingen im Freistaat. Bei der Menge an Schmetterlingen gebe es massive Einbrüche, manche Arten seien bereits ausgestorben. Das sei auch auf den Flächenverbrauch zurückzuführen.

Der Streit über das Landesentwicklungsprogramm

Zuletzt hat das Thema Flächenverbrauch/Flächenfraß in der Landespolitik beim Streit über Änderungen im Landesentwicklungsprogramm eine Rolle gespielt. Besonders umstritten war die weitere Lockerung des sogenannten "Anbindegebots". Dieses Gebot schreibt im Grundsatz vor, dass neue Gewerbegebiete an Siedlungen angedockt werden müssen. Nun soll es aber neue Ausnahmen geben, so dass sich Firmen noch leichter als bisher auch abseits von Ortschaften an Autobahnausfahrten, großen Straßen und Bahnstrecken ansiedeln dürfen. Heimatminister Markus Söder (CSU) hat diese Pläne oft verteidigt.

Unter den Verbänden gehen die Meinungen hier auseinander. Die Wirtschaft und die entsprechenden Verbände sind dafür. Der ländliche Raum trage die wirtschaftliche Entwicklung im Freistaat enorm mit, und das müsse auch weiter möglich bleiben, sagte ein Vertreter der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft bei einer Anhörung im Landtag.

Umweltverbände sind strikt dagegen. Von einer verhängnisvollen Maßnahme sprach der Bund-Naturschutz-Vorsitzende Hubert Weiger. "Unser Land verändert in einem atemberaubenden Tempo sein Gesicht"“, klagte er. Der Bauernverband warnte vor einem massiven neuen Flächenverbrauch.


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Froschkönig, Freitag, 21.Juli, 21:23 Uhr

19. Flächenfrass

Wer braucht eigentlich all die vielen Läden wie Lidl. Aldi, Rewe, Baumärkte? Der Markt ist doch längst gesättigt.. Aber weiterhin weist Herr Söder munter Gewerbeflächen aus. Und die gierigen Gemeinden mit samt ihren manchmal auch hohlköpfigen Gemeinderäten wollen natürlich gierig Gewerbesteuern einnehmen.
Sieht man die Bilder "Bayern von oben" packt einen das kalte Grausen, wenn man die zersiedelten kahlen Landschaften sieht.
Es gibt immer mehr Singles, aber eingekauft wird als ob es 4 -5 Personen-Haushalte wären. Die Menschheit wird immer fettleibiger, dicker, unbeweglicher; ja klar es müssen ja alle Fress-Sonderangebote gekauft werden, selbst wenn sie später, weil wieder mal wieder zu viel gekauft, in den Müll wandern.
Auch das hat mit Flächenverbrauch zu tun; würde jeder mal bescheidener werden, könnte die Hälfte des Angebotes verschwinden. Und wir hätten noch mehr Naturflächen zum Erholen. Die nachkommenden Generationen werden uns nochmal verfluchen.
Ja zur Volksbefragung!

Landschaft schützen, Freitag, 21.Juli, 20:53 Uhr

18. Sehr relevantes Thema

Das ist ein sehr großes Thema, dass in der Tat auch medial noch weiter aufgegeriffen werden muss und worüber es auch in der Gesellschaft und den Kommunen und Städten Diskussionen braucht. Wir werden auf der Welt immer mehr Menschen, müssen immer mehr Lebensmittel erzeugen, und verlieren dafür aber konstant wichtige Grundlagen nämlich die Flächen. Es wird sicherlich irgendwann in Laboren und speziellen Hallen weitre Erzeugnungsmodelle geben aber die natürlichste ist die extensive biologische Erzeugung, die braucht aber viel Fläche. Das Problem ist das bei uns Gemeinden ja nicht wachsen durch faktisch mehr Bevölkerung sondern durch Konzentration von Zuzug. Entsprechend muss man natürlich die Wohnsituation verbessern und die Gemeinden entwickeln aber das nachhaltig und schonend für die Umwelt und an anderer Stelle braucht es realen effektiven Ausgleich, das dort wieder Naturflächen oder Landwirt Nutzflächen entstehen bzw. erneut gewonnen werden.

sympathie träger, Freitag, 21.Juli, 19:55 Uhr

17.

die meisten schmetterlinge werden wohl eher von der kranken landwirtschaft und bio-masse schwachmahten gekillt ! ausserden hier schreien die grünen nach begrenzung von neubauten , wenn es aber um bezahlbaren wohnraum geht , rufen sie wie alle anderen polit-idioten ncnach neuen wohnungen ! man muss ganz klar die zahl von nicht erwünschten dauergästen reduzieren und endlich eine umwelt und menschenfreundlich form der landwirtschaft einführen und notfalls staatlich fördern ! das wäre für die bürger bayerns langfristig sicher sinnvoller und gesünder als afghanen , pakistani, syrer und sonstige wirtschaftsflüchtlinge hier auf staatskosten durchzufüttern ! aber das wollen die grünen ja auch unbedingt beibehalten . man muss sich vielleicht mal endscheiden für wenn deutsche politiker zuerst verantwortlich sind !!!

  • Antwort von Brezen, Freitag, 21.Juli, 20:59 Uhr

    Sie haben natürlich nicht ganz Unrecht, wenn der Bedarf steigt und die Popularität einer Region oder Gemeinde hoch ist, dann wollen dort viele Menschen wohnen, das Problem sind aber meist nicht direkt die neuen die kommen, die oftmals je nach Region zu den besser verdienende gehören sondern das die Immobilien übernommen oder umgewandelt werden und das führt dann meist zur Verdrängung von weniger wohlhabenden Personen. Das Problem ist ja das man dort genrell ja richtig, dem Markt Freiheit gewährt, aber hier ist das eventuell zu viel Freiheit und der Staat in Form von Landkreisen und Kommunen zieht sich da zu sehr aus der Verantwortung, es ist nicht die reine Masse sondern die Geschäftsmodelle und die Immobilienklassifizierung die da entscheidend sind und die die Situation prägen. Es muss also mehr klug gebaut, mehr sozial und kommunal gebaut werden. Auch wichtig Für Unternehmen die ja Arbeitskräfte vor Ort brauchen, die müssen ja auch wo wohnen.

Hofbauer, Freitag, 21.Juli, 17:44 Uhr

16. Bayern baut wie blöde

Ist der CSU eigentlich bewusst, dass mit dem Zuzug ganz bestimmt keine CSU Wähler kommen?

  • Antwort von Hellseher, Freitag, 21.Juli, 18:44 Uhr

    Die europäische Zivilisation wird aus Mitgefühl zugrunde gehen.

GegenBeton, Freitag, 21.Juli, 16:32 Uhr

15. Unendlich viele freie Wohnungen und Industriebrachen

Also, die Idee muss zwingend umgesetzt werden.

Wir haben in D, so meine letzten Zahlen, mind. 2 Mill. freie Wohnungen und unendlich viele Industriebrachen. Da kann und muss man ansetzen, und es geht zukünftig sowieso nicht mehr, dass jeder machen kann was er will, dh wohnen wo er will. Wieso sollen wir und unsere Kinder, Enkel hier in Obb die Zeche für die komplett verfehlte Politik zahlen, und werden dann auch noch mit dieser unsinnigen (in anderen Ländern schon längst verbotenen) Erbschaftssteuer bestraft? Genau letztere führt in vielen Fällen dazu, dass vorhandenes Wohneigentum bei mehr als einem Kind/Erben gegen deren Willen verkauft werden muss, zugunsten der Immo-Haie, die ja nur darauf lauern? Seit vielen Jahren wird immer mehr zugebaut und versiegelt, geändert hat das an der Gesamtsituation hier gar nichts, und das wird auch nichts ändern, nur wird dadurch unseren Kindern, Enkeln die Zukunft geraubt, zubetoniert! Das verstehe wer will ...

  • Antwort von Leserin Elke, Freitag, 21.Juli, 18:13 Uhr

    es geht zukünftig sowieso nicht mehr, dass jeder machen kann was er will, dh wohnen wo er will.

    Die Praxis, werden Flüchtlinge nach Nordbayern geschickt, um gleichmäßige Verteilung zu erreichen, dann tauchen sie nach wenigen Tagen bei der Bahnhofsmission in München auf und verlangen eine Wohnung in München.

    Nimmt Tschechien einige Flüchtlinge, meistens Christen auf, dann verschwinden sie spurlos und beantragen Asyl erneut in Deutschland mit einer neuen Identität, wo sie bessere Chancen erwarten.

  • Antwort von bergundtal, Freitag, 21.Juli, 19:55 Uhr

    In München lebt es sich halt besser als im Rest von Bayern.