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Falschmeldung zu CDU/CSU Titanic-Redakteur narrt deutsche Medien

Mit einem falschen Tweet hat Titanic-Redakteur Moritz Hürtgen heute die Republik genarrt. Er twitterte mit seinem Account @hrtgn im Namen des fiktiven HR-Tagesgeschehen, dass Seehofer das Bündnis mit der CDU aufkündigen wolle. Etliche Medien und Agenturen fielen auf die Meldung herein.

Stand: 15.06.2018

So trollte die Titanic Deutschland | Bild: Screenshot Twitter / Titanic

Ein Lehrstück in Sachen Aufgeregtheit lieferte heute "Titanic-Redakteur Moritz Hürtgen. Um 11.56 Uhr setzte er auf seinem Twitter-Kanal @hrtgn einen Tweet ab. "+++ Breaking – Politbombe platzt in Hessen +++ Seehofer kündigt laut interner Bouffier-Mail Unionsbündnis mit CDU auf +++ Merkel informiert, PK gegen 15 Uhr +++ Details folgen!"

Falscher Tweet, große Wirkung

Allerdings hatte Hürtgen vorher das Aussehen seines Kanals verändert. Statt seines Fotos prangte dort das Logo der fiktiven HR-Sendung "hr Tagesgeschehen", die zufällig auch abgekürzt werden kann wie Hürtgens Nachname. Das Hintergrundbild wurde mit einem nichtssagenden Städtebild ersetzt, wie es häufig bei Nachrichtensendungen verwendet wird. Nicht allzu professionell - aber ausreichend, um Agenturen und einige Medien zu täuschen.

Auch die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch fiel offenbar auf den Tweet herein. Sie zitierte den Fake laut mehreren Abgeordneten im Bundestag.

Die "Details" folgten 44 Minuten später, als Hürtgen den Fake mit einer Werbebotschaft für sein Satiremagazin auflöste: "'hr Tagesgeschehen' empfiehlt allen politikinteressierten Bürgern eine TITANIC-Goldmitgliedschaft."

Hürtgen: "Zeigen, wie Online-Journalismus arbeitet"

Als bloße Werbung will Hürtgen die Aktion aber nicht verstanden wissen. Eher als Medienkritik: Bei "MioMioGate haben wir gezeigt wie die BILD arbeitet, jetzt haben wir gezeigt, wie Online-Journalismus funktioniert", sagte Hürtgen im Interview mit dem BR. Beim MioMioGate hatte die Titanic der BILD-Zeitung falsche Mails über Russland-Kontakte des Juso-Vorsitzenden Kühnert zugespielt, die die BILD weitgehend ungeprüft übernahm. Auch diesmal fiel die BILD auf den Titanic-Fake herein, ebenso wie etwa die Nachrichtenagentur Reuters.

Stolz sei er auf die Aktion nicht, sagte Hürtgen: "Eher entsetzt". Der Aufwand für den Fake habe sich in sehr engen Grenzen gehalten, sagte Hürtgen: "Ich kokettiere nicht, wenn ich sage das waren 30 Minuten Arbeit."

Fake eigentlich leicht erkennbar

Der Fake war für erfahrene Twitter-Nutzer recht leicht zu erkennen. So lieferte Journalist Mario Sixtus schon 12 Minuten nach Erstellung des Tweets den Hinweis auf Satiriker Hürtgen. Eine Google-Suche nach "Hürtgen, Twitter" lieferte dann auch die eigentliche Identität des Twitterkanals. Und wer ein paar Seiten nach unten scrollte, der fand auch satirische Inhalte, die eine Sendung des Hessischen Rundfunks eher nicht posten würde.

Für interessierte Journalisten hätte es zudem noch einen Weg gegeben, die Meldung zu verifizieren. In der Twitter-Biografie platzierte Hürtgen die Telefonnummer der Titanic-Redaktion: "Der "hr Tagesgeschehen"-Ticker Politik-/Kulturnews aus Hessen und Deutschland – Ihr heißer Draht in die Redaktion: 069 / 970 504 28". Über die Gespräche, die HR-Tagesthemen Social-Media-Redakteur Hürtgen mit den Anrufern führte, wollte Titanic Redakteur Hürtgen heute noch nichts verraten: "Die ganze Geschichte können Sie dann heute oder morgen bei Titanic lesen."


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Wanda, Montag, 18.Juni, 16:21 Uhr

14. Aktualität vor Sorgfalt

Nach diesem (nicht zum 1. Mal) verbreiteten Fake ist Eigenkritik angesagt bei unseren Medien: Schnelligkeit vor Seriösität geht halt in´s Auge. Sorgfalt und eigene Recherche sollte das eigentliche Handwerk der Journalisten sein. Weit gefehlt, und nur Abschreiben von Agenturen reicht eben nicht. Und dann wundert man sich über den Vorwurf der Lügenmedien...

Kritikwürdig , Montag, 18.Juni, 10:09 Uhr

13. Die Schuldfrage bleibt es Kostengründen ungeklärt!

So ist das halt, wenn die meisten Medien nur wenigen Besitzern gehören! Es geht nur noch um Geld, und bei der heutigen Lohnkostendrückereien wird weder noch ausreichend Zeit noch teils tiefgreifendes Interesse bestehen, um genauer zu prüfen.
Es wilr erst “geschossen“ und dann die Schuldfrage geprüft. Nur deshalb können überhaupt Parteien, wie d. AFD in die Parlamente einziehen.

Francesco, Montag, 18.Juni, 08:39 Uhr

12. Soviel....

... zu seriös recherchiertem Journalismus.... Mittlerweile schreibt der eine nur noch vom anderen ab. Wichtig ist allein SCHNELL.... Tja, das ist brandgefährlich für die Gesellschaft, auch wenn die Auswirkungen erst später erkennbar werden. Aber dann ist es zu spät. Wie man sich damit noch brüsten kann, ist mir wirklich rätselhaft

Pit, Montag, 18.Juni, 06:27 Uhr

11. War ja klar...

Viele "echte" Journalisten und auch viele andere fallen darauf rein...
Und wer wird hier als einziges persönlich benannt?
Klar , Frau Storch....
Und die Jubelperser in der ersten Kommentarwelle bekommen sich nicht mehr ein, Daumen hoch.
Bericht und Moderation der Kommentare zeigen wieder mal ein Muster, aber keine es dass mit Neutralität zu tun hat.
"Danke"

Uke, Sonntag, 17.Juni, 13:19 Uhr

10. Jedem seine Chance

Der hatte nun seine Aufmerksamkeit und gleichzeitig hat er seine Glaubwürdigkeit verspielt. Solche Journalisten sind für mich inhaltlich gestorben.

  • Antwort von Wolf, Montag, 18.Juni, 07:28 Uhr

    Oh jeh,schon mal was von Humor und Satire gehört? Schon mal Titanic gelesen? Und trotzdem immer noch glaubwürdiger als compact.

  • Antwort von Sandman, Montag, 18.Juni, 08:26 Uhr

    @ Uke: Wolf hat das schon angedeutet: Wenn Sie von Herrn Hürtgen sprechen - der arbeitet für die Titanic. Die Zuschreibung "glaubwürdiger Journalist" empfindet er wahrscheinlich als tödliche Beleidigung :-D

  • Antwort von Uke, Montag, 18.Juni, 10:29 Uhr

    Ja, vielen Dank für die Hinweise. Den kannte ich tatsächlich nicht. Nach ihren Ausführungen muss ich den oder das Blatt auch nicht kennen.
    Dann könnte ja gleich Böhmermann zum Tagesthemen Moderator mutieren und hinterher sagen es war Satire.
    Lügner gibt es doch schon genug im Nicht-Satiregeschäft.

  • Antwort von Wolf, Montag, 18.Juni, 16:58 Uhr

    Eine kräftige Dosis Titanic und Böhmermann würde vielen hier nicht schaden.....vielleicht gelingt es dann einigen den Unterschied zwischen Satire,Fakenews und platter Lüge zu begreifen....vielleicht sogar Trixi......