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Polizei Schwaben Falschmeldung über vermisstes Mädchen

Es ist eine Nachricht, die Eltern sofort aufschrecken lässt: Eine Achtjährige wird angeblich seit Tagen vermisst und soll zuletzt auf einem Spielplatz in Blaichach im Oberallgäu gesehen worden sein. Die Polizei betont: Die Vermisstenanzeige ist definitiv nicht echt.

Von: Jenny Stern (BR-Verifikation)

Stand: 03.08.2017

Angebliche Vermisstenmeldung über acht Jahre altes Mädchen ist laut Tweet der Polizei gefälscht.  | Bild: Screenshot/Twitter Polizei Schwaben S/W


Warum die Polizei nicht über den Fall berichte, wird der Polizist am Telefon von beunruhigten Anrufern gefragt. Viele Eltern in Blaichach im Oberallgäu wüssten nicht, ob sie ihre Kinder noch draußen spielen lassen könnten - gerade jetzt zu Beginn der Sommerferien. Grund für die Aufregung ist eine Meldung eines angeblich seit Tagen vermissten Mädchens, das zuletzt mit einem etwa 30 Jahre alten Mann auf einem Spielplatz im Ort gesehen worden sein soll.

Der Sprecher der Polizei Schwaben Süd/West weiß, dass das Foto einer solchen Vermisstenanzeige zunächst vor allem über private Nachrichten auf Facebook weitergeschickt wurde - und, dass es definitiv nicht echt ist. Mittlerweile ist der Post auch öffentlich in dem sozialen Netzwerk zu finden.

"Ein Fake, der für Beunruhigung sorgt"

"Es ist ein Fake, der in der Region für Beunruhigung sorgt", sagt der Polizeisprecher gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Über Facebook und Twitter bitten seine Kollegen, die Falschmeldung und das Bild nicht weiter zu teilen, sondern zu löschen und andere darauf aufmerksam zu machen.

Der gefälschten Vermisstenanzeige zufolge wird das acht Jahre alte Mädchen, eine "Lilly W.", seit dem 29. Juli 2017 vermisst. Verfasst wurde der Text angeblich von der Mutter des Mädchens. Es ist auch eine Telefonnummer angegeben, unter der sich Zeugen melden sollen. Diese Nummer ist aber nicht freigeschaltet und existiert nicht, wie der Sprecher der Polizei sagt.

Foto stammt aus einem Fall aus dem Jahr 2009

Eine einfache Recherche über die Rückwärtsbildersuche von Google spuckt zahlreiche Artikel verschiedener Medien aus und zeigt, wie das Mädchen auf dem Foto tatsächlich einzuordnen ist:

Es handelt sich um die damals achtjährige Kardelen K. aus Paderborn, die im Jahr 2009 sexuell missbraucht und dann zu Tode erstickt wurde. Ihr ehemaliger Nachbar, Ali K., war dafür in der Türkei zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Staatsanwaltschaft prüft strafrechtliche Relevanz

Wie die Staatsanwaltschaft Kempten dem BR mitteilt, prüft sie derzeit, ob es sich bei der Erstellung der gefälschte Vermisstenanzeige um ein strafrechtlich relevantes Verhalten handelt. Erst danach könnte der Urheber der falschen Vermisstenmeldung gesucht werden.

Wer hinter der Aktion steckt oder was der Urheber mit seinem Zeugenaufruf bezwecken will, weiß auch der Sprecher der Polizei Schwaben Süd/West nicht zu beantworten. "Bis Mittag haben wir es aber geschafft, die Falschmeldung einzufangen. Sie hat sich nicht weiter verbreitet", sagt er am Donnerstag. Auch Anrufe beunruhigter Eltern gab es seitdem keine mehr.


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