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Proteste im Iran Exil-Iraner besorgt über Politik in ihrer Heimat

Proteste, Ausschreitungen, Tote – zu Jahresbeginn blickt die ganze Welt in den Iran. Die Menschen dort demonstrieren gegen die Außen- und Wirtschaftspolitik ihrer Regierung und wehren sich gegen das System eines autoritären Gottesstaates. In Bayern lebende Iraner beobachten die Entwicklungen in ihrer Heimat mit großer Sorge.

Von: Julia Kammler

Stand: 03.01.2018

Iranische Regimegegner protestieren am 30.12.2017 vor der iranischen Botschaft in Berlin gegen die Führung in Teheran. Sie forderten unter anderem die Freilassung von Hunderten Festgenommenen im Iran.  | Bild: dpa-Bildfunk/Ralf Hirschberger

München. Innenstadt. Nähe Hauptbahnhof: In einer kleinen Straße reihen sich persische Lebensmittelläden, Restaurants und Teppichhändler aneinander. Viele Geschäftsinhaber kommen aus dem Iran, haben Verwandte dort, sind beunruhigt. Was in ihrer Heimat passiert, empfinden sie als Katastrophe: die Gewalt gegen das Volk, die Korruption, die Arbeitslosigkeit, die Armut. Für die Proteste ihrer Landsleute zeigen sie Verständnis – allerdings wollen sie ihre Namen nicht öffentlich nennen.

Vermischung von Politik und Religion

Armut im eigenen Land auf der einen Seite. Auf der anderen ein Staat, der bewaffnete Gruppen in Nachbarländern unterstützt. Dazu kommt noch die starke Vermischung von Politik und Religion in dem islamischen Land.

Die Sozialpädagogin Nuschin Rawanmehr ist eine von schätzungsweise mehr als hunderttausend Iranisch-Stämmigen in Deutschland. Die 39-Jährige floh als Kind mit ihren Eltern aus der Heimat. Viele ihrer Verwandten leben in Teheran. Mit ihnen bangt sie in diesen Tagen. 

"Ja, ich bin einfach total besorgt, weil ich natürlich merke, wie verängstigt und in Sorge alle Menschen sind, die ich kenne und weil ich denke, dass solche Zustände auch keiner haben und ertragen möchte."

Nuschin Rawanmehr, Iranerin

Der Kontakt zu Familie und Freunden sei nicht immer einfach, erzählt sie.

"Das war jetzt teilweise so, dass das Internet bei entsprechenden Kontakten und Leuten immer abgebrochen wurde, also blockiert wurde von Seiten der Regierung. Weil man es eben vermeiden wollte, dass das ein größeres Ausmaß annimmt außerhalb der Landesgrenzen."

Nuschin Rawanmehr, Iranerin

Trotzdem bekommt Nuschin Rawanmehr so oft es geht Nachricht von ihren Verwandten:

"Ja, die erzählen halt immer andere Sachen als das, was öffentlich berichtet wird. Meistens das, was vor deren Haustüren passiert: Sie erzählen, dass viele Leute verhaftet wurden, dass es sehr gefährlich ist rauszugehen, weil es keine Sicherheit gibt, weil da viele Schlägereien sind und man einfach chaotische Zustände vorfindet."

Nuschin Rawanmehr, Iranerin

Verständnis für die Proteste in der Heimat

Nuschin Rawanmehr, die auch Mitglied im Migrationsbeirat der Landeshauptstadt München ist, versteht die Menschen, die aufgebracht sind, ihre Rechte einfordern und sich gegen das System im Iran stellen.

"Meine Cousins sind relativ jung, die sind so siebenundzwanzig, fünfundzwanzig – sie haben studiert und haben jetzt halt auch diese Situation von Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit, und ich weiß von denen, dass sie auch rausgehen und auch mit ihren Freunden rausgehen. Ich weiß aber auch, dass Mütter mit ihren Kindern rausgehen und ältere Menschen – also es gehen alle Menschen raus, die unzufrieden sind mit der Regierung, und das sind fast alle."

Nuschin Rawanmehr, Iranerin

Den Iran bezeichnet Nuschin Rawanmehr als Willkürstaat, der nichts von Rechtsstaatlichkeit hält. Rawanmehr hofft für ihr Heimatland auf einen baldigen Regierungsumsturz – und damit ist sie nicht allein.


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Michael D., Donnerstag, 04.Januar, 13:37 Uhr

10. Wir Deutschen haben ganz andere Sorgen!

Wen interessiert das? Glauben Sie, Ex-Iraner lesen Ihren Blog oder schauen Öffentlich-Rechtliches? Die meisten Migranten lassen doch von früh bis spät nachts ihre "Heimatsender" dudeln. Man schaue doch bloß auf diese Deutschtürken. Die nehmen hier jeden Vorteil mit, aber wählen Erdogan und bejubeln sein Macho-Regime, weil sie für immer Türken sind. Auf die Idee, zurück zu gehen, kommen die aber nicht. Weil die bei uns das Paradies gefunden haben. Ebenso ist es bei Afrikanern und Iranern. Die protestieren hier dazu noch frech für jeden Quas in den Herkunftsländern. Für uns wird es immer schlechter, während sich die Ausländer immer mehr heraus nehmen.

Wolfgang, Mittwoch, 03.Januar, 15:17 Uhr

9. Auch unausweichlich eine Folge der Überbevölkerung!

Iran hat seit 1960 seine Bevölkerungszahl von 22Mio auf jetzt 81Mio erhöht.

Das ist deutlich mehr als dort die Landwirtschaft ernähren kann, und die Überschüsse aus Ölexporten lassen sich auch nicht in dem Maße steigern. Neue Felder müssen immer aufweniger erschlossen werden, die Vonallein-Sprudelquellen dürften schon alle erloschen sein.

Der Ölpreisanstieg von 1990 bis etwa 2005 brachte dort steigenden Wohlstand, große Teile des Volkes gewöhnten sich daran im Glauben das muß immer so weiter gehen mit mehr, mehr und mehr. Und das noch bei steigender Bevölkerungszahl.

Viele junge gut Gebildete der 2.Aufstiegsgeneration merken jetzt so gut wie ihren Eltern wird es ihnen künftig nicht gehen.

Die alternative Industriestaat und Export liegt unter heftigen Konkurenzkampf, einerseits high-tech Produzenten wie Deutschlands Maschinenbau, Israls Militärtechnik oder Südkoreas Elektronik, andernseits brutales Lohndumping wie BanglaDesh mit den Textilproduzenten.

  • Antwort von Maria A., Donnerstag, 04.Januar, 13:46 Uhr

    Natürlich ist der Hauptgrund Übervölkerung. Daraus gebiert immer Kampf um das Überleben, weil so viele Jugendliche einfach keine Chancen bekommen können, was zu lernen, geschweige denn, eine Beschäftigung zu finden! Unsere Politiker lamentieren herum, weil zu wenig Kinder geboren würden. Ich erinnere mich gut an Gespräche mit der Uromi, die erzählte, dass sie daheim 13(!) Kinder waren, aber bei ihrem Onkel waren es 16. Davon waren zwar zwei verstorben, aber es herrschte bitterste Armut. Man schaue auf die Geschichte Europas zurück: "Der Verdingbub" - ein Film, den sich blauäugig argumentierende Gutmenschen ansehen müssten. Die einfach nicht glauben, dass vorwiegend kinderreiche Familien über Jahre hinweg flächenweit Not und Elend auslösen. Dazu auch Gewalttätigkeit, weil nur der Stärkere überlebt.
    Damit zu prahlen, dass der Iran ein "junges" Land sei, wie letztens beim ZDF, wäre fast zum Lachen, wenn es nicht für das Volk dort so traurig wäre...

  • Antwort von Wolfgang, Donnerstag, 04.Januar, 13:56 Uhr

    Und früher gab es in Europa zur Kompensation von den teils wie genannt 13 Kindern massiven sozialen Druck:

    Mit wenigen Ausnahmen, in den Regionen war die Armut dann besonders bitter, gab es Varianten des Erbhofrechtes, nur EINER erbte den Hof und konnte eine Familie gründen. Ein Mädchen hatte die statistische Chance einzuheiraten. Für alle anderen galt Knecht, Magd, Kloster oder Armee als Möglichkeit, ohne Familiengründung.

    Und massiver sozialer Druck hielt die Anzahl unehelicher Kinder klein.

Rosl, Mittwoch, 03.Januar, 12:55 Uhr

8. Wie in Deutschland

"Exil-Iraner besorgt über Politik in ihrer Heimat" -- auch Deutsche sind besorgt über die Politik in ihrer Heimat, näherer Erläuterungen sind hier gewiß nicht nötig.
"Vermischung von Politik und Religion" -- wie bei uns, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Gemeinnützigkeitsstatus der Kirchen aufgehoben wird.

Dürfen wir nun auch irgendwohin flüchten und Sozialhilfe kassieren?

  • Antwort von Wolf, Mittwoch, 03.Januar, 17:02 Uhr

    Klar,Trumpel nimmt euch mit offenen Armen.....weiße Rassisten unter sich.

  • Antwort von Schaf, Mittwoch, 03.Januar, 17:47 Uhr

    @Wolf
    Habe Mich gefreut das die Wölfe in Deutschland ausgerottet wurden, - leider werden diese Viecher wieder angesiedelt.

  • Antwort von Otto Normalo, Donnerstag, 04.Januar, 13:52 Uhr

    Vielleicht sollten wir darauf hoffen, dass im Ausland lebende Deutsche dort ebenfalls mit unseren Fahnen vor den Konsulaten herum stehen, um auf Missstände in unserem Staat hinzuweisen! Wenn das so deutlich wahrgenommen wird, aber ansonsten nicht. Denn seit zwei, drei Jahren herrscht hier große Politverdrossenheit, aber die Regierung macht ja unbeirrt weiter, wie vorher. Merkel hat es sogar öffentlich zugegeben, ihren Kurs nicht ändern zu wollen. Also, was gehen uns da die Probleme der oder der Iraner an?
    Ich habe auf die Landkarte geschaut und fest gestellt, dass der Iran noch dort ist, wo er immer war. Obwohl unsere Medien und Politniks so tun, als wäre ein Nachbarvolk betroffen. Und wir befürchten müssen, es kommen bald noch Scharen an Iranern an, um sich hier anzusiedeln...

Dieter, Mittwoch, 03.Januar, 11:08 Uhr

7. Iran Teil 1

So und nun ist guter Rat teuer. Kein Wunder, dass in Deutschland das Aufbegehren der iranischen Bevölkerung eher verdruckst zur Kenntnis genommen wird. Demonstranten, die für originär europäische und westliche Werte kämpfen, sollten nicht mit Rückendeckung aus Europa oder gar Deutschland rechnen. Es ist ein Trauerspiel und die logische Fortsetzung insbesondere der verlogenen deutschen Iran-Politik. Der damalige Außenminister Sigmar Gabriel war nicht zufällig der erste hohe westliche Politiker, der 2015 nach der Atom-Einigung nach Teheran reiste. Er nannte das Regime sogleich „alte Freunde“. Jetzt lassen Gabriels alte Freunde auf’s eigene Volk schießen.
M.f.G.
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Dieter, Mittwoch, 03.Januar, 11:08 Uhr

6. Iran Teil 2

Deshalb aus aktuellem Anlass hier noch einmal Donald Trumps Worte vom 19. Dezember 2017:
„Die iranische Regierung maskiert eine korrupte Diktatur mit dem falschen Deckmantel einer Demokratie. Sie hat ein reiches Land mit einer reichen Geschichte und Kultur in einen wirtschaftlich erschöpften Schurkenstaat verwandelt, dessen Hauptexportgüter Gewalt, Blutvergießen und Chaos sind. Die am längsten leidenden Opfer der iranischen Führer sind die Menschen ihrer eigene Bevölkerung.
M.f.G.

  • Antwort von Truderinger, Mittwoch, 03.Januar, 12:58 Uhr

    Es geht doch nichts über ein deeskalierende, demokratische Rhetorik. Scharfmacher bejubeln Scharfmacher!

  • Antwort von Wolf, Mittwoch, 03.Januar, 17:05 Uhr

    Also ich glaube Trumpel spricht da über Amerika im Jahr zwei seit Trump. Passt alles!