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Import von Stahl und Aluminium EU will US-Strafzölle nicht hinnehmen

Die EU werde sich gegen US-Strafzölle entschieden zur Wehr setzen, kündigte Kommissionschef Juncker an. Die Liste mit Zöllen für US-Produkte liegt bereits parat. Droht nun ein Handelskrieg?

Von: Karin Bensch

Stand: 02.03.2018

Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission. Foto: Visar Kryeziu/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Visar Kryeziu

Die EU will sich gegen die geplanten Strafzölle wehren. US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, Einfuhrzölle von 25 Prozent auf Stahl und von zehn Prozent auf Aluminium aus der Europäischen Union zu erheben. Damit will Trump die schwächelnde heimische Industrie schützen und ihr zu neuem Wachstum verhelfen - also seine "America First"-Politik beim Welthandel durchziehen.

Die EU reagierte schnell und deutlich: "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden", teilte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit.

"Protektionismus hoch drei"

Auch im Europaparlament wird Widerstand laut. Das sei eine ganz klare Abschottungspolitik, kritisiert Bernd Lange, SPD-Politiker und Vorsitzender des Handelsausschusses. "Die Verhängung von Zöllen auf Stahl und Aluminium durch den amerikanischen Präsidenten ist Protektionismus hoch drei, Nationalismus hoch drei und untergräbt das internationale Handelsrecht."

Sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Europäische Union sind Mitglieder der Welthandelsorganisation (WTO), die ihren Sitz in Genf hat. Die Amerikaner müssten sich an die Regeln der WTO halten, fordert der CDU-Europaabgeordnete Daniel Caspary, der Mitglied im Ausschuss für Internationalen Handel ist. "Die verstoßen ganz klar gegen das Recht der Welthandelsorganisation WTO und ich finde es gut, dass die Europäische Kommission schon angekündigt hat, hier angemessen dagegen vorzugehen", sagt Caspary.

Liste mit Zöllen für US-Produkte liegt parat

Die EU-Kommission kündigte an, in den kommenden Tagen konkrete Vorschläge zu machen. Sie hat bereits eine Liste mit US-Produkten, die mit zusätzlichen Zöllen belegt werden könnten, in der Schublade liegen. Darunter zum Beispiel: Bourbon-Whiskey, Harley-Davidson-Motorräder, aber auch aus den USA nach Europa importierte Kartoffeln und Tomaten. "Wir brauchen Gegenreaktionen und zwar möglichst schnell", fordert der SPD-Europaabgeordnete Lange. Auch auf amerikanische Produkte sollten entsprechend Zölle gesetzt werden. Zudem fordert er ein Klageverfahren bei der WTO.

Sorge um Arbeitsplätze auf beiden Seiten

Hintergrund des Streits um Strafzölle ist die weltweite Überproduktion von Stahl und Aluminium. Allein die Stahlproduktion ist seit dem Jahr 2000 um 127 Prozent gestiegen, die Nachfrage wächst aber langsamer. Vor allem China produziert Stahl zu Billigpreisen und schafft mehr Überkapazität am Weltmarkt als die Vereinigten Staaten verbrauchen.

Sich gegen Dumping zu wehren, sei in Ordnung, sagt der Europapolitiker Caspary. "Aber dass die Amerikaner ihre ineffiziente Stahlindustrie auch gegen Produkte aus Europa schützen, ist illegal und schießt über das Ziel hinaus."

Viele Stahlwerke und Aluminiumhütten in den USA sind wegen der Billigkonkurrenz aus dem Ausland nicht ausgelastet. Zahlreiche Jobs gingen bereits verloren. Die US-Strafzölle auf europäische Waren sollen das nun ändern.

Sorge vor Handelskrieg

In der EU ist die Stahlindustrie eine wichtige Branche, an der viele Arbeitsplätze hängen. Jedes Jahr werden aus Europa Stahlprodukte im Wert von rund fünf Milliarden Euro exportiert. Interessen prallen aufeinander. Der Streit um die Strafzölle - er könnte der Auftakt zu einem Handelskrieg zwischen den USA und der Europäischen Union sein.


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Norbert Orlowski, Samstag, 03.März, 20:40 Uhr

6. Bourbon-Whiskey, Harley-Davidson-Motorräder, Kartoffeln, Tomaten . . .

Das klingt nicht besonders bedrohlich. Der passionierte europäische Bourbon-Liebhaber wird maulen - und dann den teurer gewordenen Schnaps vermutlich trotzdem kaufen. Andere kaufen eine andere Sorte.
Harley-Davidson macht in Europa angeblich 15 % seines Umsatzes. H-D-Bikes sind schon jetzt nicht billig, aber Kult. Für sie gilt das Gleiche wie für den Bourbon-Whiskey.
Wieviel Kartoffeln und Tomaten die USA nach Europa liefern, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Ob die USA mit zusätzlichen Zöllen auf diese Waren tatsächlich empfindlich beeinträchtigt werden? Zum jetzigen Zeitpunkt müssen Zweifel erlaubt sein. Wenn den EU-Funktionären ansonsten nichts einfällt, ahne ich, wer bei dem anscheinend beginnenden Handelskrieg den "Schwarzen Peter" haben wird.

Manfred, Freitag, 02.März, 16:17 Uhr

5. Wie Du mir so Ich Dir , oder Wie ?

Es Entscheidet die Wirtschaft die Politiker sind durch die Lobbyverbände nur noch Handpuppen .

Peter, Freitag, 02.März, 14:19 Uhr

4.

Die werden eine Nebelkerze zünden und mit Wattebällchen werfen.

winfried, Freitag, 02.März, 13:32 Uhr

3. Juncker: "Die EU werde sich gegen US-Strafzölle entschieden zur Wehr setzen"

Klingt für mich ähnlich "furchterregend" wie die Statements zum Brexit, also "pfeifen im Wald".
In einem Fall haben die USA eine negative EU-Handelsbilanz und im Fall "Brexit" ist GB EU-Nettozahler.
Ich vergleiche das immer mit einem Kreditvertrag bei dem der Kreditnehmer dem Kreditgeber mitteilt, ich verändere die Vertragsbedingen(USA-Zölle) oder leiste keine Zahlungen(GB --> EU) mehr.

Hans, Freitag, 02.März, 11:18 Uhr

2. Zölle auf Kartoffeln und Tomaten

Kann mir bitte jemand erklären, warum wir Kartoffeln und Tomaten aus den USA importieren müssen?

  • Antwort von winfried, Freitag, 02.März, 14:26 Uhr

    @Hans ... >>Kann mir bitte jemand erklären, warum wir Kartoffeln und Tomaten aus den USA importieren müssen?<<
    Politik und Wirtschaft haben dafür eine Erklärung --- > !!! Globalisierung !!! (ein von-Gott-gewolltes Naturereignis ?)
    Etwas "kleiner", also regionaler das Phänomen ---> bayr. Milchprodukte in Schleswig-Holstein, und umgekehrt.

  • Antwort von Uwe, Freitag, 02.März, 14:39 Uhr

    Wir kaufen da, wo billig. Wobei mit Tomaten wohl eher Ketchup gemeint ist. "Heinz" ist halt der Beste ;-)

  • Antwort von Brauch ich nicht, Freitag, 02.März, 15:48 Uhr

    Versteh ich auch nicht!
    Ich will überhaupt keine Kartoffeln und Tomaten oder sonstwas aus USA!
    Ich will ordenltiche Qulität aus Deutschland. Ordentliche Preise für die dt. Bauern, nicht die Agrarindustriellen!
    Whisky wird doch mittlerweile in D auch hergestellt.

    Wegen ein paar Mopeds so ein Aufstand!

    Deutschland oder die EU sollen bitte nicht so tun, als würden sie nicht auch nach der Aussage leben "Ich/wie zuerst"! Wir scheren uns doch auch nicht mit unseren Exporten darum ob irgendwo Existenzen zugrunde gehen!

  • Antwort von Manfred, Freitag, 02.März, 16:13 Uhr

    @Uwe
    BILLIG ist der Maßstab derjenigen die ALLES haben wollen und sich am Ende selber wegsparen anstatt sich das zu leisten was man sich eben leisten kann . Und wenn ,,HEINZ’’ - Ketchup der beste sein soll dann leben Sie in der Kulinarischen Steinzeit . Das würde bei mir gerade mal zur Marmelade reichen .