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Hersteller und Anwender in Garching Erdgas-Lkw als Chance für grüne Logistik

Dieselfahrverbote drohen augeweitet zu werden, da ist alles gut, was der Luftreinhaltung dient. Grüne Logistik mit Erdgasfahrzeugen könnte im Güterverkehr helfen. Das sind die Ergebnisse eines Forums in Garching mit Herstellern und Anwendern.

Von: Anton Rauch

Stand: 21.05.2018

Auf dem "Forum Grüne Logistik" in Garching ist deutlich geworden: Es gibt inzwischen Erdgas- und Hybrid-Lkw auch bei den großen Herstellern. Scania, Renault und Iveco Magirus haben die leisen und schadstoffarmen Lkw im Angebot.

Josef Seybold von der IHK in München und Oberbayern hält Erdgas als Brückentechnologie im Lkw- und Nutzfahrzeugbereich für wichtig, wenn es um die Verringerung von Stickoxiden und CO2 geht: "Wir müssen die Schritte gehen, die machbar sind. Wir können nicht sagen, wir rüsten die großen Lkw sofort alle mit Elektromobilität aus."

Dazu seien weder die Batterien auf dem Markt, noch ginge es von der Reichweite her, erklärt Seybold. Und auch die Kosten sorgten dafür, dass E-Lkw im Güterfernverkehr nicht wirtschaftlich seien im Moment. "Von daher kann Erdgas in den nächsten  Jahren eine ganz wichtige Brückentechnologie werden", so Seybold.

Doch damit Erdgas in Deutschland weiter als sauberer Treibstofft eine Chance hat, bräuchten gerade Spediteure Rechtssicherheit, betont Seybold. Das betrifft die deutlich günstigere Mineralölsteuer, die auch langfristig auf dem niedrigen Niveau bleiben müsse. Auch eine Mautbefreiung für emissionsarme Gas-Lkw wäre richtig, so der IHK-Vertreter.

Renaissance für Erdgas als Treibstoff in Bayern?

Im schwäbischen Nördlingen ist eine Tankstelle für das tiefgekühlte LNG-Gas vor der Eröffnung. Damit schaffen Gas-Lkw Reichweiten von 1.500 bis 1.600 Kilometer und werden so interessant für den Fernlastverkehr. Da zeigt auch die Probefahrt in einem 50-Tonner.

"Wir sitzen hier in einem Iveco Natural Power. Dieser Lkw hat 456 PS und er fährt mit LNG, also auf -141 Grad °C verflüssigtes tiefgekühltes Erdgas", erklärt Testfahrer Johannes Ebermeier von Iveco-Magirus aus Ulm.

Geräusch- und emissionsarm

Auf der Testfahrt durch das Industriegebiet von Garching bei München kurvt der 40-Tonner-Erdgas-Laster sanft durch die Straßen. Er ist deutlich leiser als ein "Diesel-Brummi". Er ist fast eine Art "Summi."

Zurück auf dem Hof des Biogroßhandels Bodan in Garching stehen noch mehr Diesel- und Hybrid-Lkw an diesem Nachmittag. Es gibt sie inzwischen auch bei den großen Herstellern. Scania, Iveco Magirus und Renault haben die leisen und schadstoffarmen Lkw im Angebot.

Richard Hilger von Scania Deutschland meint, dass es aufwärts gehen muss mit dem Erdgas-Lkw, auch wenn er praktische Nachteile hat gegenüber dem Diesel: "Beim Standard-Diesel kann ich überall tanken, habe nahezu unbegrenzte Reichweite bis zu 3.000 Kilometern. Das geht beim CNG- oder LNG-Diesel nicht. Dazu kommt, er ist teurer in der Anschaffung."

CNG ist das mit hohem Druck in Gastanks eingefüllte Erdgas. Während CNG im Busbetrieb ÖPNV- oder Müllsammelfahrzeuge antreibt, wird LNG im Lkw-Segment eine interessante Lösung für das immer wichtiger werdende Stickoxidproblem.

Größere Reichweiten durch tiefkaltes flüssiges LNG-Erdgas

Das flüssige LNG hat eine besonders hohe Energiedichte. Es ermöglicht Reichweiten von 1.500 bis 1.600 Kilometer, das kommt in die Nähe von Diesel - unterschreitet aber die Schadstoffgrenzwerte der aktuellen Euro-VI Abgasnorm deutlich. Diese Vorteile hat auch das Verkehrsministerium erkannt und fördert Unternehmen in der Anschaffung von LNG-Lkw.

Bleibt das Problem mit den fehlenden Tankstellen. Vor kurzem eröffnete die erste LNG-Tankstelle in Berlin, im schwäbischen Nördlingen hat eine den Probebetrieb aufgenommen. Der Anteil von Kunden, die Interesse an Erdgastechnik haben, sagt Richard Hilger ist steigend, auch wenn er momentan in Deutschland noch selten gekauft wird, räumt der SCANIA-Vertreter ein. In Frankreich, in Italien und in Spanien liefen die Erdgas-Lkw dagegen schon sehr häufig. Hier gebe es auch viele Tankstellen. Auch in den Niederlanden spiele Erdgas eine große Rolle – gerade auch im Schwerlastverkehr.

Der Bio-Großhandel in Garching verwendet Erdgas-Lkw – für einen regionalen Betrieb genügen die Reichweiten mit dem CNG-Gas. Klaus Huthner von der Bio-Genossenschaft Tagwerk schaffte vor drei Wochen einen kleineren 15-Tonner mit Gas an. Der hat zwar eine Reichweit von weniger als 300 Kilometern, aber das reicht zum Ausfahren von Obst und Gemüse in München locker.

Claus Huther, Geschäftsführer der bayerischen Bio-Genossenschaft Tagwerk im Interview mit BR-Reporter Anton Rauch

Hier geht es vor allem und die Zuverlässigkeit, erklärt Geschäftsführer Dieter Hallerbach: "Es sind einfach frische Lebensmittel, die am Morgen in den Geschäften sein müssen. Wenn sie nicht in den Geschäften sind, können sie auch nicht verkauft werden und es entsteht ein großer Schaden."

Mit der Verlässlichkeit seiner umweltfreundlichen Flotte ist er sehr zufrieden. Einzelne Fahrzeuge seien bereits über 100.000 Kilometer unterwegs gewesen - ohne größere Ausfälle als die koventionellen Lkw.

Den Bio-Händlern passt der umweltfreundliche Gas-Lkw natürlich ins Geschäftskonzept. "Seit drei Wochen ist unser neuer 15-Tonner im Einsatz", freut sich Claus Huthner. "Wir liefern regionale Bio-Lebensmitel im Raum München. Da sind wir mit dem Erdgas-Lkw gut aufgestellt. Das Gas ist ein Biogas aus Reststoffverwertung. Wir sind vollständig aus dem Erdölbereich ausgestiegen."

Die deutsche "Erdgas-Angst" ist irrational aber hartnäckig

Dass Erdgas-Lkw in Deutschland noch nicht verbreiteter sind, liegt auch an einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber der Technologie, sagt der Fachjournalist Johannes Reichel vom HUSS-Verlag: "Die Deutschen haben Erdgas-Angst. Es ist dieses: Da kann was explodieren!"

Das sei völlig irrational. "Diese Hochdrucktanks sind völlig crash- und flammsicher. Da gerät eher ein Diesel oder Benzintank in Flammen, als ein Erdgastank", versichert Reichel.

Die Experten hoffen darauf, dass der Umschwung in Richtung Erdgas jetzt wirklich an Fahrt gewinnt. "Wir haben in Deutschland ein Netz von ungefähr 900 CNG-Tankstellen", so Mario Männlein vom Lkw-Hersteller IVECO.

Umweltfreundliche LKW verschiedener Hersteller auf dem Firmenhof in Garching

CNG ist ein komprimiertes Erdgas entsprechend mit Druck von 200 bar und es hat in den letzten Jahren schon eine hohe Akzeptanz im Taxigewerbe. In Frankreich ist es auch als Lkw-Kraftstoff angesehen und die Infrastruktur wird dort gepusht.

Erdgas ist Diesel bei Stickoxid, Kohlendioxid, Ruß und Lärm überlegen

In Westeuropa gibt es für das tiefkalte LNG schon 250 Tankstellen. Da ist in Deutschland noch viel Luft nach oben. Sie könnte genutzt werden für bessere Luft in den Städten. Denn gerade bei der Ersparnis beim Ausstoß von Stickoxid und beim Ruß ist Erdgas konkurrenzlos günstig.

Auch mit Strom kann das Gas hergestellt werden, so fände überschüssige Wind oder Sonnenenergie eine Nutzung. Das Gas aus Biogas-Anlagen kann gereinigt werden und als Treibstoff dienen.

Erdgas-LKW eine Hoffnung für die Innenstädte

Gerade für die Innenstädte steckt in der Grünen Logistik viel Potential – das hat das Forum in Garching bei München in dieser Woche klar aufgezeigt.


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SchorschHh, Montag, 21.Mai, 10:58 Uhr

9. Profit first

Es wird immer die Technik vermarktet, bei der der größte Profit rausschaut. Die Umwelt ist Piepenhagen. Frei nach Trump: "Profit first" - Good morning, Germoney

Optic, Montag, 21.Mai, 10:50 Uhr

8. Grüne Logistik=elektromobilität Schiene

Statt die schon lange gut funktionierende Elektromobilität auf der Schiene deutlich auszubauen und auszuweiten beschäftigen sich die Scheinexperten mit einem obsoleten Erdgasantrieb. Dafür gibt das Verlehrsministerium vermutlich hohe Fördergelder.

T3-fan, Montag, 21.Mai, 10:47 Uhr

7. Warum nicht gleich Wasserstoff?

Wieder typisch M-Deutschland! Da hat Prof Arlt an der FAU die Carbazoltechnik als ungefährliche Speichermöglichkeit für - im Gegensatz zu Erdgas(Methan ist wesentlich schlimmer als CO2!)- umweltfreundlichen Wasserstoff entwickelt und die Õl/Gasfreunde blockieren sie!
Die nötige Logistik (Tanks für das "verbrauchte" Carbozol) wäre wesentlich einfacher zu bekommen als die Tiefkühltanks,Carbazol/H2 passt in jeden Dieseltank ,Gasmotoren könnten als Brückentechnologie für die zukünftige Brennstoffzellentechnologie dienen .
Für die Hausbeheizung per Brennstoffzelle gibts sowas schon!

Krischan, Montag, 21.Mai, 10:30 Uhr

6. CPLNGPLCGNP

Nur mal so zur Klarstellung, bei den vielen Abkürzungen hier:
LPG - LiquidPetroleumGas
CNG - CompressedNaturalGas
LNG - LiquifiedNaturalGas
Ersteres kennt man ggf. vom Camping. Flüssig ab 8 bar Druck. Bei Fahrzeugen i.d.R ein Mix aus Propan + Butan. Nebenproduckt bei der Erdölförderung.
Zweites hat man ggf. zu Hause, sprich Erdgas oder auch Methan. Wird flüssig unter hohem Druck (ca. 200 bar) oder bei sehr tiefen Temperaturen (dann LNG).
Typisch Deutsch bei diesem Thema: Die große Angst vorm Gas. Aber, die Sache ist in jeder Hinsicht höchst interessant.

Politi, Montag, 21.Mai, 09:19 Uhr

5. Peinlich rückständiges Bayern/Deutschland

Erdgas LKW sind besser als Diesel und die Hersteller müssen fast nichts investieren, weil der Motor schon produziert wird!

Nur in die Zukunft weist das nicht, im Gegenteil, das soll die Technologie des 18. Jahrhunderts, den Verbrennungsmotor zementieren und die Gewinne bei den Herstellern festschreiben!

Der Umstieg auf Wasserstoff als einzige co2 freie und abgasfrei Technologie wird ausgebremst Und auf lange Sicht unmöglich gemacht!

Nein, wir brauchen Wasserstoff Tankstellen und wasserstoffelektrische Antriebe in den Bussen und LKW. Kann man alles kaufen, in Polen, Niederlanden und Asien.
Oder den Anschluß nicht verlieren und in Deutschland die Entwicklungsprojekte aus den 90ern aus der Schublade ziehen und zu produzieren! Nur damit haben wir Zukunft und haben wir keinenLärm mehr! Und nicht zuletzt sind Arbeitsplätze in Zukunftstechnoligien sicher - im Gegensatz zu Verbrennungsmotoren.