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Frostige Temperaturen Die extreme Kälte und ihre Folgen

Bayern erlebt derzeit die bislang kältesten Temperaturen dieses Winters. Bis auf minus 20 Grad sinken sie, im Hochgebirge sogar noch darunter. Im Bahnverkehr kam es dadurch zu Behinderungen, auch in der Schifffahrt gibt es Einschränkungen.

Von: Erich Wartusch

Stand: 26.02.2018

Eiszapfen an einem Baum am Walchensee | Bild: pa/dpa/Andreas Gebert

Minus 17,5 Grad waren es in Reit im Winkl, selbst im vergleichsweise warmen Kitzingen waren die Temperaturen mit minus 9 Grad fast zweistellig. Für die Nacht auf Dienstag rechnet der Deutsche Wetterdienst zum Beispiel in Oberstdorf sogar mit minus 20 Grad. Im Hochgebirge könnte es noch eisiger werden: Auf der Zugspitze wurden in der Nacht und auch tagsüber minus 27,5 Grad gemessen.

Eisbrecher auf Flüssen

Einschränkungen gibt es beispielsweise in der Schifffahrt. Auf dem Main-Donau-Kanal sind zwar bereits Eisbrecher sicherheitshalber unterwegs. Nachts zwischen 22.00 und 6.00 Uhr können aber die Schleusen nicht mehr betrieben werden. Für die Eisstoßer, die immer wieder das Eis von den Schleusenwänden entfernen, damit keine gefrorenen Brocken auf die Schiffe fallen, ist diese Arbeit nachts zu gefährlich.

Behinderungen im Bahnverkehr

Auch im Bahnverkehr kam es zu einigen Behinderungen durch Weichen- und Signalstörungen, die größtenteils der Kälte geschuldet waren. Ein Kurzschluss vor dem Bahnhof München-Pasing aber, der den Zug- und S-Bahn-Verkehr im Münchener Westen lahmlegte, hatte aber nach Auskunft der Bahn nichts mit dem Wetter zu tun. Weil wegen festgefrorener Feststellbremsen Züge zu spät ausrückten und außerdem auch Weichen auf oberirdischen Abschnitten nicht funktionierten, gab es auch bei der U-Bahn Zugausfälle und Verspätungen.

Nicht alle Eisdecken sind stabil

Trotz der erheblichen Kälte sind auch die Eisdecken auf Seen und Weihern noch nicht überall so stabil, dass man sie ungefährdet betreten kann, warnen die Wasserwachten. Unangenehm ist der starke Frost für Autobesitzer: eingefrorene Dieselfilter oder Handbremsen, schlappmachende Batterien bedeuten mehr Arbeit für Abschleppdienste:

"Es kommt natürlich auf die Fahrleistung an, wie viel ein Auto bewegt wird. Wird es nur im Stadtverkehr eingesetzt, dann wird die Batterie entladen und nicht mehr ganz voll - und wenn dann die Kälte dazukommt, dann ist Ende. Gerade für die neueren Autos mit viel Elektronik gilt es, da geht es umso schneller."

Martin Riegler betreibt eine Autowerkstatt mit Abschleppdienst in Weiden

Mehr Arbeit für Heizungstechniker

Heizungs- und Sanitärtechniker rechnen dagegen erst in den nächsten Tagen mit mehr Arbeit, wenn es über einen längeren Zeitraum hinweg richtig kalt war und die Leitungen wieder auftauen.

Kältebus für Obdachlose

In einigen bayerischen Städten beginnen nun auch Ehrenamtliche verstärkt, sich um Obdachlose zu kümmern: In Augsburg fährt beispielsweise das Kältemobil, verteilt Decken, warme Getränke und Kleidung. Auch in München ist abends der sogenannte Wärmebus im Einsatz, um diejenigen zu versorgen, die nicht über Nacht in die festen Einrichtungen gehen.

Wer sich länger draußen aufhält, sollte in jedem Fall auf Erfrierungen achten, sagt Dr. Frithjof Wagner, leitender Notarzt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

"Erfrierungen merkt man am ehesten an den Fingerspitzen, an der Zehen, an der Nase, an den Ohren. Wenn es so zu bitzeln beginnt, dann sollte man sie unbedingt warmreiben, raus aus der Kälte, damit keine lokale Erfrierungen auftreten. Vor allem an der Nase sind diese sehr unangenehm."

Dr. Frithjof Wagner, Notarzt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen


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