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28. März ist Ehrentag des Unkrauts Ein Hoch auf die Unkräuter!

Natürlich muss noch Platz sein für die Möhren und die Radieschen. Da muss der fleißige Gärtner schon hacken und manchmal auch Unkraut jäten. Hacken ist überhaupt wichtig im Garten. Aber sonst sind die sogenannten Unkräuter kein Problem. Lernt man sie erst mal kennen, weiß man auch, dass fast alle entweder Wildgemüse sind oder tolle Heilpflanzen.

Von: Ursula Klement, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 25.03.2018

Während sich viele Gartenbücher lieber dem Thema Unkraut-Vernichtung widmen, singt einer ein Loblied auf die Unkräuter in seinem Garten. Der Ethnobotaniker und Kulturanthropologe Wolf-Dieter Storl sagt, das Ziel eines Gärtners solle sogar sein, möglichst viele verschiedene Unkräuter im Garten zu haben. Denn davon profitieren der Boden und die Tiere. Hat man dagegen nur eine Art Unkraut, sei das kein gutes Zeichen, so Storl, dann sind der Acker oder der Garten nicht im Gleichgewicht.

Fabelhafte Unkräuter

Wolf-Dieter Storl auf dem Buchcover "Die 'Unkräuter' in meinem Garten - 21 Pflanzenpersönlichhkeiten erkennen und nutzen" (Gräfe & Unzer)

Je mehr verschiedene Unkräuter sich im Garten ansiedeln, desto besser also aus ökologischer Sicht. Unkräuter sind auch eine wertvolle Nahrung für Bodenmikroorganismen und Regenwürmer. Lässt der unerschrockene Gärtner die Unkräuter sogar blühen, können sich die Bienen und andere Insekten daran laben, ebenso wie die kleinen Helferlein der Gärtner, die Schwebfliegen. Derart gestärkt machen sie den Blattläusen den Garaus. Einige Unkräuter wurzeln sehr tief und erschließen dadurch überhaupt erst den Untergrund für die Kulturpflanzen. Die weitreichenden Wurzeln des Löwenzahns zum Beispiel holen Stickstoff und andere Nährstoffe aus tiefen Bodenschichten nach oben und bewahren sie davor, ins Grundwasser ausgewaschen zu werden. Die Vogelmiere wiederum bedeckt den Boden und schützt ihn so vor Austrocknung und Erosion.

Tomaten waren einst ein Unkraut

Die Grenzen zwischen Unkraut und Nutz- beziehungsweise Zierpflanzen sind fließend. Aus Klettenlabkraut lässt sich ein Deo herstellen. Vogelmiere schmeckt im Kräuterquark nach Zuckermais. Aus Giersch kann man Spinat machen, aus Gundermann Bier. Dieses Bier war bei den Engländern so beliebt, dass Heinrich der Achte im 16. Jahrhundert ein Reinheitsgebot erließ, damit ja kein Hopfen in das gute Gundermannbier kam.

Tomaten waren in Amerika übrigens ursprünglich ein Unkraut, der Roggen in der Steinzeit auch noch, Linsen und Erbsen ebenso. Andererseits war der Fadenehrenpreis, der heute als Unkraut gilt, bis in die 1930er Jahre eine Zierpflanze, die man vor allem auf Gräber gesetzt hat.

Für oder gegen alles ist ein Kraut gewachsen

In der Vergangenheit nahmen Unkräuter im Alltag der Menschen eine wichtige Rolle ein. Die Blüte des Jakobskreuzkrauts kündigte die Getreideernte an. Um die Stämme von Obstbäumen legte man Kornradenkränze, damit die Früchte nicht vorzeitig abfielen. Gebärende Frauen bekamen bis ins Mittelalter hinein Breitwegerichblätter in die Hand, damit die Geburt gut verlief. Und ein Hemd aus Brennnesselfasern sollte tapfere Ritter vor bösen Geistern schützen.

Ehrentag des Unkrauts

Zu Ehren des Unkrauts gibt es seit 2003 sogar einen "Ehrentag des Unkrauts". Er ist auch unter seinem englischen Namen Weed Appreciation Day bekannt und findet jährlich am 28. März statt.


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