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DSGVO Vereine beklagen Bürokratie durch EU-Datenschutz

Auch für Vereine gelten die neuen Datenschutzregeln, welche die EU ab 25. Mai vorschreibt. Was auf dem Papier sinnvoll klingt, geht bei Vereinen oft an der Realität vorbei und überfordert ehrenamtliche Helfer.

Von: Florian Regensburger

Stand: 06.05.2018

Datenschutz im Verein | Bild: BR

Beim Hockeyclub Rot Weiß München arbeiten Trainer, Betreuer und Vorstandschaft fast alle ehrenamtlich - ohne sie ginge hier nichts. Schon jetzt investieren sie viel Zeit und Engagement in ihren Verein. Jetzt muss dieser Verein auch noch die Vorgaben der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) umsetzen.

Mitgliederverwaltung wird schwieriger

Ordner mit Mitgliederdaten dürfen bald nicht mehr einfach im Vereinsheim herumliegen.

Zum Beispiel muss ein geeigneter Platz für die Mitglieder-Akten gefunden werden. Ordner dürfen in Zukunft nicht mehr einfach im Vereinsheim herumstehen, sondern müssen vor dem Zugriff Unbefugter geschützt sein, etwa in einem abschließbaren Schrank. Wer zum Beispiel USB-Sticks oder andere Datenträger nutzt, um Mitgliederdaten zu speichern, muss die Informationen in Zukunft verschlüsseln. Auch die Mitgliederverwaltung auf dem heimischen PC kann zum Fallstrick werden, wenn dieser zum Beispiel nicht ausreichend mittels Firewall oder einer anderen Software gegen Angriffe aus dem Internet abgesichert ist.

Information über die Weitergabe an den Verband

Mitgliederinformationen wie Name, Adresse oder das Alter dürfen ab dem 25. Mai ebenfalls nicht mehr ohne Weiteres an einen übergeordneten Verband weiter- oder in einer Pressemitteilung bekanntgegeben werden. Der Verein muss alle Mitglieder genau darüber informieren, welche Daten über sie wie lange und zu welchem Zweck gespeichert sind und sie eine entsprechende Einverständniserklärung unterschreiben lassen - so wie auch Unternehmen das bei ihren Kunden machen müssen.

"Schwierig für uns, weiterhin so zu arbeiten"

Sabine Kaiser vom Hockeyclub Rot Weiß München

"Wir sind kein großer Verein, deswegen lebt das natürlich alles vom Miteinander. Eigentlich kennt man sich, aber natürlich gibt man auch mal eine Nummer weiter, damit Mitglieder sich direkt kontaktieren können, weil zum Beispiel irgendwo etwas repariert werden muss oder weil irgendwer ein Werkzeug hat, das man gerade braucht", sagt Sabine Kaiser, die beim Hockeyclub Rot Weiß München die Mitgliederverwaltung organisiert.

Seien solche kleinen Infos auf dem kurzen Dienstweg künftig nicht mehr möglich, werde es "schwierig für uns, weiterhin so zu arbeiten und dass das Vereinsleben so am Laufen bleibt."


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Leonhard Liegsalz, Sonntag, 06.Mai, 19:35 Uhr

6. DSGVO

Es ist in den letzten Jahren schon immer schwieriger geworden, ehrenamtliche Funktionäre zu gewinnen. Für nichts immer mehr Verantwortung übernehmen und haften. Und nebenbei das Gemeinwesen am Leben erhalten! Sollen die Prüfer nur kommen und beanstanden. Kein Vorstand und der Verein ist aufgelöst. Ziel erreicht?

steamtrain, Sonntag, 06.Mai, 16:30 Uhr

5. überreguliert

Bei fast jeder Behörde oder Ämtern bekommt man Name und Adresse einer Person ggf. gegen Gebühr aber in einem kleinen Verein dürfen die Mitglieder nichts von einander wissen. Wer soll oder will so einen Verein auch ausspionieren und warum eigentlich? Was kann man da schon erfahren was man nicht ohne Probleme aus den öffentlichen oder sozialen Medien erfahren kann. Einzig Bankverbindungen wären ggf. von Interesse aber da gibt es sicherlich hunderte andere Möglichkeiten für Gauner rentable Daten zu bekommen.

HinterTürkisch, Sonntag, 06.Mai, 15:52 Uhr

4. ganz allgemein

Ein "Wareneingangs-/Warenausgangserfassungssystem" ist angeblich für jedes (Klein-/Mittel)Unternehmen Pflicht. Warum dann nicht auch ein solches für erhobene persönliche Daten einrichten? Dass dabei zwingend auf zumindest gewisse NICHTKOMMERZIALISIERUNG gepocht werden muss, ist wesentlicher als das Ungetüm abzulehnen. Grundsätzlich und GANZ ALLGEMEIN aber wird immer öfter gesagt, dass u. U. schon seit zwei Jahren ein- und damit vorhersehbar ist (so lange schon sind offenbar grobe Grundzüge des Vorhabens schon öffentlich zugänglich), was da eingesetzt werden soll: "Vogel-Strauss-Taktik" bzw. "Aufschieberitis" ist damit auch hier gescheitert... Tut was!

Miiich, Sonntag, 06.Mai, 08:17 Uhr

3. Ist es wirklich die EU-Vorabe oder die 150%ige deutsche Ausführungsverordnung ?

In der Vergangenheit hat sich mesistens gezeigt, dass es deusche Ausführungsgesetze oder Verordnungen waren, die EU-Vorschriften durch zusätzliche Auflagen erst nahezu unausführbar machten. Die kleinen Metzger können ein Lied dacon singen.

  • Antwort von Schorsch, Sonntag, 06.Mai, 08:55 Uhr

    Im Gegensatz zur Vorgänger-Richtlinie, die einer Umsetzung in nationales Recht bedurfte, handelt es sich nun um eine Verordnung, die unmittelbar in jedem Mitgliedstaat gilt. Leider ziehen sich unsere EU-Parlementarier immer wieder mit dem Hinweis aus der Affäre, dass nur die übertriebene kleinkarierte Umsetzung in Deutschland das Problem sei. Im vorliegenden Fall ist dies sicher nicht zutreffend. Also bitte nicht auf diese populistischen einfachen Erklärungen hereinfallen.

Schorsch, Sonntag, 06.Mai, 08:10 Uhr

2. EU-Datenschutzgrundverordnung - überflüssige Bürokratie aus Brüssel?

Es wird hier wieder einmal der Eindruck erweckt, die EU habe ein weiteres Mal ein riesiges unzumutbares Bürokratiemonster geschaffen. Liebe Leute, es handelt sich hier um eine Verordnung des Rates und des Europäischen Parlaments!. Das heißt ganz konkret, dass die Mitgliedstaaten und die Abgeordneten des Europäischen Parlaments die Verordnung beschlossen haben. Aber es ist offenbar opportun, bei unbequemen Sachverhalten den schwarzen Peter immer an die EU weiterzureichen. Es wäre doch einmal interessant zu wissen, wie Deutschland im Rat gestimmt hat und vor allem auch, wie die deutschen und bayerischen EU-Abgeordneten abgestimmt haben.

  • Antwort von Bernhard, Sonntag, 06.Mai, 09:16 Uhr

    Da gebe ich Ihnen zu 100 % recht.
    Niemand erfährt, was so die Gewählten wirklich tun und wie sie sich bei den Abstimmungen verhalten.