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Medien Die „Krawall-Barbie“ der Bild-Zeitung beschäftigt den Presserat

Die Titelgeschichte der Bild-Zeitung „Polizei sucht diese Krawall-Barbie“ vom Dienstag hat Kritik hervorgerufen. Beim Deutschen Presserat sind bis jetzt fünf Beschwerden eingegangen. Das Blatt hatte unter anderem eine junge blonde Frau mit bauchfreiem Top gezeigt, die während des G20-Gipfels im Juli in Hamburg randaliert haben soll.

Stand: 19.12.2017

Bildzeitungsschild | Bild: picture-alliance/dpa/Wolfram Steinberg

Wegen der „Bild“-Titelgeschichte mit der Schlagzeile „Polizei sucht diese Krawall-Barbie“ und polizeilichen G20-Fahndungsfotos haben den Deutschen Presserat bis zum Dienstagnachmittag fünf Beschwerden erreicht. „Wir werden die Beschwerden aufgrund des Pressekodex prüfen und zeitnah entscheiden, ob wir ein Beschwerdeverfahren einleiten“, teilte Sonja Volkmann-Schluck vom Presserat dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit.

Krawall-Barbie ist weiblich, jung und blond

Als „Krawall-Barbie“ bezeichnete die Bild-Zeitung am eine junge blonde Frau mit bauchfreiem Top, die während des G20-Gipfels im Juli in Hamburg randaliert haben soll. Zudem veröffentlichte die „Bild“-Zeitung weitere ausgewählte G20-Fahndungsfotos der Polizei. Damit suchen die Behörden laut Bild nach mutmaßlichen Straftätern. Die Personen sollen sich an Plünderungen und Randalen beteiligt haben. Bereits zuvor hatte die Sonderkommission „Schwarzer Block“ der Polizei Hamburg über hundert Fotos von mutmaßlichen Straftätern veröffentlicht.

Medienanwalt sieht erhebliche Prangerwirkung

Auch die Münchner Abendzeitung veröffentlichte in ihrem Online-Angebot am Montag einige Fotos. Der Berliner Presseanwalt David Geßner sieht durch die Veröffentlichung von G20-Fahndungsfotos in den Medien eine mögliche „erhebliche Prangerwirkung“ für die abgebildeten Personen. „Die Presse muss sich am öffentlichen Fahndungsaufruf der Polizei nicht bedingungslos beteiligen“, sagte Geßner der epd. Zwar treffe der G20-Gipfel in Hamburg auf ein breites öffentliches Interesse. „Doch ob man Fotos von mutmaßlichen Straftätern abbildet, unterliegt immer einer sorgfältigen Abwägung zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen auf der einen Seite und der Pressefreiheit sowie dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit auf der anderen Seite.“

Öffentliches Interesse steht gegen Schutzwürdigkeit des Einzelnen

Zur aktuellen Bild-Berichterstattung sagt Medienanwalt Geßner: „Aus presseethischer Perspektiv ist das Vorgehen der Bild-Zeitung grenzwertig. Zudem wird der Pressekodex leider immer wieder mit Füßen getreten.“ In der Richtlinie 8.1. des Pressekodex ist die Kriminalberichterstattung festgelegt. Darin heißt es: „An der Information über Straftaten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren besteht ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit.“ Und weiter: „Die Presse veröffentlicht dabei Namen, Fotos und andere Angaben, durch die Verdächtige oder Täter identifizierbar werden könnten, nur dann, wenn das berechtigte Interesse der Öffentlichkeit im Einzelfall die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegt.


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