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Wohnungsmangel in Bayern Die Jagd nach Wohnraum und die Bodenpreise

Wohnen macht immer mehr Menschen in Ballungszentren arm. Auch abseits vom freien Markt herrscht Not. Im Nürnberger Wohnungsamt sind derzeit 8.500 Wohnungssuchende vorgemerkt. 2017 konnten aber nur 1.100 Wohnungen vermittelt werden. Das frustriert auch die Mitarbeiter.

Von: Bettina Weiz und Susanne Betz

Stand: 20.05.2018

Wolfgang Hess, ein Hüne, der sich so schnell aus der Ruhe bringen lässt, sitzt hinter Bergen von Aktenordnern und zwei Bildschirmen und verwaltet den Mangel.

Wolfgang Hess

Wer von Wolfgang Hess eine Wohnung vermittelt bekommen will, muss nachweisen, dass er als Einzelner höchstens 14.000 Euro im Jahr verdient, als Paar 22.000 Euro plus 5.000 pro Kind.

Das Nürnberger Wohnungsamt verwaltete den Mangel 

Thaya Kannan

Thaya Kannan hat schon oft im Nürnberger Wohnungsamt vorgesprochen und wartet seit über anderthalb Jahren. Die kleine Frau mit der großen Brille ist mit ihrem Mann vor zwanzig Jahren aus Sri Lanka nach Deutschland geflüchtet. Er schiebt Schichten in einer Druckerei, sie arbeitet in einem Schnellrestaurant. Für sich und ihre beiden Kinder suchen sie eine größere Bleibe. Über die Hälfte der vorgemerkten Suchenden sind dagegen Singles.

Kleine und besonders große Wohnungen sind gesucht

Wolfgang Hess bräuchte für seine Kunden deshalb vor allem große Vierzimmer-Wohnungen und kleine Zwei-Zimmer-Wohnungen. Das Wohnungsamt hat schon Programme aufgelegt, damit ältere Leute, deren Kinder aus dem Haus sind, sich verkleinern. Aber herausgekommen ist dabei wenig.  

Platz zum Bauen ist in München rar geworden

Neubauten der GWG in München Ramersdorf

Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft GWG soll in ganz München in den nächsten fünf Jahren 4.000 preiswerte  Wohnungen bauen. Das ist kein leichtes Unterfangen, weil zum einen die Bauwirtschaft ausgebucht ist. Zum zweiten fehlen Bauplätze. Und die Bauplätze, die es gibt, werden immer teurer. In München-Ramersdorf hat die GWG alte Blocks abreißen lassen, um Platz für etwas mehr neue zu schaffen. Die Blocks, die gerade entstehen, reichen nur bis zur der dritten Etage.

Die Nachbarschaft wollte keine höhere Bebauung

Bettina Rubow, die erste Vorsitzende der "Schutzgemeinschaft Ramersdorf"

Die GWG hätte, wie die Geschäftsführerin Gerda Peter betont, gern höher gebaut, um noch viel mehr Wohnraum zu schaffen.

Schließlich steht gegenüber schon ein siebengeschossiges Gebäude. Aber die Nachbarschaft hatte Bedenken. Es gab Bürgerversammlungen, Workshops und viel Aufregung. Bettina Rubow, die erste Vorsitzende der „Schutzgemeinschaft Ramersdorf“ argumentierte, dass man keine hässlichen Hochhäuser wollte und Beton nicht in die Gegend passe.

 


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Kommentare

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Gretchen, Sonntag, 20.Mai, 15:08 Uhr

15. Ziel erreicht?

Mich stört es wenig, dass Wonungen knapp sind und immer teuerer werden. Damit kann ich leben.

Was mir auf die Nerven geht, ist diese maßlose Verlogenheit der Politik und der Medien.

Die Politik setzt auf Wachstum. Sie will, dass Wohnungen knapp bleiben und die Preise steigen. Fallende Preise werden immer verhindert. Dafür kniet sich die Politik mächtig rein. Man stelle sich nur mal vor, ein Haus wird für 900.000 € gekauft und zum Großtei Bankfinanziert, und es wäre plötzlich nur noch die Hälfte wert. Das darf nicht sein.
Die Politik setzt auf Bevölkerungswachstum - um jeden Preis. Rendite für Investoren, das ist der einzige Maßstab. Ob die Bürger sich dabei wohlfühlen, ist gleichgültig. Irgend eine Begründung singt uns der Chor aus Politik und Medien schon vor, um jede Maßnahme moralisch zu begründen, die in Wirklichkeit nur dem Profit weniger dient.

Die Verteuerung von Grund und Boden und Wohnraum ist politisch gewollt und dieses Ziel hat die Politik erreicht.

  • Antwort von Hallo, Sonntag, 20.Mai, 17:16 Uhr

    Haha! Genau so ist es!
    Zuwanderung ist nicht das Problem, wie das viele hier hinstellen.
    Zuwanderung ist die Lösung um die Wohnungspreise oben zu halten.

    Die Verlogenheit ist echt das nervigste inzwischen...

Andreas, Sonntag, 20.Mai, 12:44 Uhr

14.

Schuld an der Wohnungsnot (und allem anderen sowieso): die Flüchtlinge. Ich kann es nicht mehr hören!

Natürlich verschärfen sie die Lage. Aber es gibt genug andere Gründe. Die wichtigsten: die anhaltende Landflucht Richtung Wirtschaftszentren wegen Infrastrukturproblemen und das jahrzehntelange Nichtstun des Staates beim (besonders sozialen) Wohnungsbau. Dazu niedrige Zinsen, Bodenspekulation (vgl Hans-Jochen Vogels Überlegungen zu einer Bodenrechtsreform), verpfuschte Mietpreisbremse, Ausweisung auch von staatlichen/städtischen Flächen zu oft an Meistbietende, Baubürokratie und überzogene Standards, viele Singles und gestiegener pro-Kopf-Wohnraumbedarf etcetc. ... Aber warum komplex denken, wenn's auch einfach geht, gel?

Na so was, Sonntag, 20.Mai, 12:32 Uhr

13.

Solange der ungebremste Zuzug nach Deutschland anhält wird das Problem nicht zu lösen sein, egal wie viel und wie hoch man auch baut.

  • Antwort von Denken ? zuviel verlangt ?, Sonntag, 20.Mai, 12:58 Uhr

    Das Problem gibt es seit langem ! Wieder nur der " ungebremste Zuzug".
    Ist es so schwer, sich der ganzen Thematik anzunehmen ?
    Schlimm !

  • Antwort von Na so was, Sonntag, 20.Mai, 14:09 Uhr

    Denken? zuviel verlangt?
    Ich wollte lediglich darauf hinweisen das alles was gebaut wird so gut wie vergeben ist. Ich wohne am Rande des Bayerischen Waldes wo man sich vor Jahren die passende Wohnung noch aussuchen konnte. Inzwischen ist auch hier,aus welchen Gründen auch immer, der Wohnungsmarkt so ziemlich leergefegt. lch möchte nicht spekulieren warum. Nur so viel, vielleicht würde der Rat den Sie mir gaben auch Ihnen weiterhelfen.

Münchnerin, Sonntag, 20.Mai, 12:16 Uhr

12. München Nachverdichtung

Ich kann Menschen verstehen, die in ihren Vierteln keine zusätzlichen
Hochhäuser wollen. München ist meiner Meinung nach auch " dicht ".
Immer mehr Wohnungen erzeugen auch mehr Verkehr. Die Straßen sind doch auch zu.
Wenn ich mir die neuen Wohnquartiere in Freiham und Daglfing anschaue und
die bereits jetzt verstopften Straßen; S-Bahnen die jetzt schon überfüllt sind und
eine fehlende U-Bahn.
Ja wie kommen z.B. in Freiham 25.000 Menschen zu ihrem Arbeitsplatz, von Daglfing
das gleiche Problem .So kann es jedenfalls nicht mehr weitergehen.
Der stark vernachlässigte soziale Wohnungsbau kann nicht mehr aufgeholt werden.
Die Firmen müssen weg von den Großstädten. Eine andere Möglichkeut sehe ich nicht.

  • Antwort von Seppl , Sonntag, 20.Mai, 13:29 Uhr

    Ist Ihnen eigentlich bewußt, dass München 350.000 zusätzliche Einwohner bekommen wird? Die Zahl bezieht sich auf den Zeitraum von 2015 bis 2035. Sie können das auf den Seiten der Stadt nachlesen und auch, woher sie kommen werden. Viel Spaß mit zehn mal Neuperlach!

  • Antwort von Senior, Sonntag, 20.Mai, 15:21 Uhr

    Liebe Münchnerin,
    Sie haben es richtig erkannt! Die Firmen müssen mehr in die Pflicht genommen werden: Arbeit zu den Menschen, und nicht die Menschen zur Arbeit bringen. Das gilt nicht nur in Bayern und Deutschland, sondern auch in der EU!

  • Antwort von Seppl, Sonntag, 20.Mai, 15:30 Uhr

    Sehen Sie sich mald den Demografiebericht der Stadt München im Internet an. Die Stadt wird weiter wachsen. 2035 sind +299.684 zusätzliche Einwohner (Basis: 2015) prognostiziert. Ihre Bedenken teilt man im Rathaus wohl eher nicht.

  • Antwort von Münchnerin, Sonntag, 20.Mai, 16:21 Uhr

    @ Seppl
    Das ist mir bewußt, den Demografiebericht kenne ich, aber ich sehe keine
    Möglichkeit und Raum für soviel Wachstum.
    Bloß ich werde nicht gefragt. Ich habe ja beschrieben, was es jetzt schon
    für Probleme gibt. Auch wenn wir jetzt in die Höhe bauen müssen die Menschen
    eine Möglichkeit haben, von A nach B zu kommen. Aber wie ?
    Die Landflucht hält an, weil die Menschen keine Arbeit haben und Ärzte, Geschäfte fehlen.
    Da kann ich nur dem Senior zustimmen, bringt die Arbeit zu den Menschen, nehmt die Firmen
    in die Pflicht.

Frank Cebulla, Sonntag, 20.Mai, 11:46 Uhr

11. Von der M.. politik so gewollt in D

Vor 2015 war das in den Medien kein Thema, denn fürs deutsche Altklientel wurde nichts gemacht.
Nach 2015 müssen Frau Merkels Willkommensgäste untergebracht werden, das hat sie denen ja versprochen und der Aufschrei ist da der Medien.
Wenn man dann mal die Zahlen sich ansieht wer das bezahlen soll, dann kommt man ins Grübeln, wie das gehen soll.
Allein für die Merkelgäste sind bei 1 000 000 notwendigen Wohnungen mal eben mindestens 300 000 000 000€ notwendig (fast BRD-Haushalt 2018).
Dazu kommen die deutschen Altfälle in ähnlicher Höhe.
Man sieht also Zahlen Daten Fakten und es wird deutliche das Frau Merkel einen "heissen Tanz" um Wohnungen in D verantwortet.

  • Antwort von billiger Populismus, Sonntag, 20.Mai, 12:55 Uhr

    Wieder nur auf die Flüchtlinge reduziert ?
    Wie wäre es, sich mit dem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen ?
    So ist es nur billiger Populismus.

  • Antwort von Frank Cebulla, Sonntag, 20.Mai, 13:29 Uhr

    Natürlich kann man seitenlange Abfassungen schreiben und alles in einem "ernsthaften" merkelfreundlichen Licht darstellen.
    Nur wer das Komplexe kurz und knapp beschreiben kann und dazu zählen nun mal Zahlen, Daten, Fakten und kein "Populismusgeschrei" gegen ZDF, der ist auch fähig Lösungen zu beschreiben und auch durchzusetzen (z.B. in der freien Wirtschaft). Dazu zählt leider die aktuelle Politik in Berlin und München nicht.
    Solange die Medien, NGOs, linke/grüne Politik, GM immer noch in "Merkelkategorien" denken, solange werden keine Lösungen dem Bürger/Leser gegenüber gebraucht/gebracht. Jedes Jahr kommen mindestens 200000 neue M-Gäste nach D und dann/nun?
    Weiter so ist die Devise bis zum bitteren Ende in D wenn es nach dem Populismusgeschrei der Linken in B und M geht.

  • Antwort von Gute Fee, Sonntag, 20.Mai, 15:07 Uhr

    @12.55 Uhr
    Sie haben offenbar eine schöne Wohnung, möglichst geerbt, dann lässt es sich gut großzügig sein.