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BR24Live: Zwischenbilanz - Was bringt die Corona-Warn-App?

100 Tage nach dem Start der Corona-Warn-App will die Bundesregierung nun eine Zwischenbilanz ziehen. Nicht ganz einfach, denn die App liefert kaum Daten darüber, wie gut sie funktioniert.

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"Diese App ist kein Allheilmittel", sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am 16. Juni, dem Tag, an dem Deutschland seine offizielle Corona-Warn-App an den Start bringt. Dennoch, da ist sich der CDU-Politiker an diesem Tag sicher: "Sie ist ein wichtiges, weiteres Werkzeug bei der Eindämmung der Pandemie."

Noch deutlich stolzer zeigte sich Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) bei der offiziellen Vorstellung der Warn-App im Juni: "Dies ist nicht die erste Corona-App weltweit, die vorgestellt wird, aber ich bin ziemlich überzeugt, es ist die beste."

Zwischenbilanz: Wie gut funktioniert die App?

100 Tage später will die Bundesregierung nun Zwischenbilanz ziehen. Denn was sie ihren Bürgerinnen und Bürgern im Sommer vorgestellt hat, ist zwar ein Produkt mit einem wichtigen Ziel, nämlich Corona-Infektionsketten schnell zu durchbrechen.

Aber billig war die App nun mal auch nicht. Mehr als 60 Millionen Euro kostet die App, wenn man ihre Entwicklung, die Wartung, Pflege und den Betrieb in diesem und im kommenden Jahr sowie die Kosten für die Werbung zusammenrechnet.

18,2 Millionen Downloads

Eine der naheliegenden Fragen nun für eine erste Bilanz: Wie viele Menschen haben die App überhaupt heruntergeladen? Die Antwort: 18,2 Millionen. So viele Downloads wurden bis Mitte September erfasst. Diese Zahl entspricht rund einem Fünftel der Gesamtbevölkerung Deutschlands.

Das Problem: Die Zahl der Downloads sagt erst einmal noch nichts darüber aus, wie viele Menschen die App auch tatsächlich nutzen. Sie gibt keinen Aufschluss darüber, wie viele Nutzerinnen und Nutzer die Ermittlung von Risikobegegnungen dauerhaft über die Bluetooth-Verbindung aktiviert haben. Auch lässt sich aus der Zahl der Downloads nicht ablesen, wie viele Nutzerinnen und Nutzer ihr positives Testergebnis in der App teilen, damit die wiederum Warnungen an andere verschicken kann.

14 bis 15 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer

Das Robert Koch-Institut, Herausgeber der App, muss sich demzufolge mit Annäherungen begnügen. Laut einem Sprecher gehen die Entwickler der App von derzeit etwa 14 bis 15 Millionen aktiven Nutzerinnen und Nutzern aus.

Darüber hinaus wird es mit Zahlen, selbst mit Schätzungen, schnell schwierig. Schließlich arbeitet die App so, dass Daten ausschließlich bei ihren Nutzerinnen und Nutzern, also auf dem Smartphone verarbeitet werden, und nur dort. "Dezentraler Ansatz" nennt sich das Prinzip – und genau dafür hatten Datenschützer die App von vornherein gelobt: Sie sei eben keine Datenkrake, kein Überwachungsinstrument des Staates, das die Menschen im Land abschreckt.

Das Robert Koch-Institut teilt deshalb nur trocken mit: "Es gibt keine Daten dazu, wie viele Menschen mit Hilfe der Corona-Warn-App über eine mögliche Risiko-Begegnung informiert wurden."

RKI: Ein "Baustein" in der Pandemiebekämpfung

Aber: Aus Sicht des Robert Koch-Instituts funktioniert die App "gut", darauf deuteten alle vorhandenen Daten hin. Allerdings komme es bei der Bekämpfung der Pandemie darauf an, "eine Vielzahl verschiedener Maßnahmen sinnhaft miteinander zu verknüpfen", sagt ein RKI-Sprecher. "Keine Maßnahme ist für sich allein genommen ausreichend." Die App, sie sei also einer von mehreren "Bausteinen", um zu verhindern, dass sich das Virus ausbreitet.

Es läuft nicht immer alles rund

Immer wieder macht die App seit ihrem Start mit Kinderkrankheiten auf sich aufmerksam. Nutzerinnen und Nutzer berichten von Fehlermeldungen auf ihrem Bildschirm. Probleme tauchen auch auf, wenn es um die Aktualisierung der Daten geht, die im Hintergrund permanent weiterlaufen soll, auch, wenn die App nicht geöffnet ist.

Außerdem kam es auf einigen Geräten teils zu irreführenden Risiko-Berechnungen. Die Folgen sind Reparaturen und Updates. Aber auch verunsicherte Nutzerinnen und Nutzer.

Viele Bürgerinnen und Bürger sind skeptisch

Anfang September veröffentlichte die TU München die Ergebnisse einer Studie, die im Auftrag des Vereins Initiative D21 durchgeführt wurde. Eine der Erkenntnisse: Viele Menschen sind nicht vom Nutzen der Corona-Warn-App überzeugt. Gut die Hälfte der Befragten gibt an, dass die App am Pandemiegeschehen nichts ändern werde.

Anbindung der Labore verbessert sich

Immer mehr (aber eben noch nicht alle) Corona-Testlabore sind technisch so ausgestattet, dass Meldeketten komplett digitale stattfinden können. Das bedeutet auch, dass Labore Testergebnisse schnell und direkt an die App übermitteln können. So entsteht kein Zeitverzug, der etwa beim Verschicken der Testergebnisse per Post entsteht.

Lauterbach: "Goldene Zeit der App" kommt noch

Gesundheitspolitiker mehrerer Parteien, darunter Karl Lauterbach von der SPD, fordern schon lange eine kontinuierliche Weiterentwicklung der App, abgesehen von reinen Fehlerbehebungen. Lauterbach hält die App an sich aber für unterschätzt: "Ich glaube, dass die goldene Zeit der App jetzt in den nächsten Monaten erst kommt", sagt er mit Blick auf den Herbst. Im Fall wohl deutlich steigender Infektionszahlen werde die App ein "Segen" sein.

Vernetzung nationaler Apps

Bislang macht jedes Land sein eigenes Ding in Sachen Warn-App. Das soll sich ändern. Denn die nationalen Apps sollen zumindest miteinander kommunizieren und Daten austauschen können, so will es die EU-Kommission. Einfach wird das nicht, weil die Apps zum Teil auf ganz unterschiedlichen Software-Grundgerüsten aufbauen.

Dennoch hat nun ein erster Testlauf begonnen, um zumindest einen Teil der nationalen Apps in der EU zu verbinden, unter anderem mit den Anwendungen aus Deutschland, Tschechien, Dänemark und Italien. Vielleicht werden also bald Nutzerinnen und Nutzer der deutschen App auch vor Risikobegegnungen gewarnt, die sich im Ausland ereignen.

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