| BR24

 
 

Bild

Theresa May
© REUTERS / POOL

Autoren

tagesschau.de
© REUTERS / POOL

Theresa May

Die EU bereitet sich laut einem Medienbericht auf eine Verschiebung des Austritts Großbritanniens vor. Das berichtet der "Guardian" unter Berufung auf hohe EU-Beamte. Demnach halte es Brüssel für unwahrscheinlich, dass der Austritt zum 29. März stattfindet. Grund sei der starke heimische Widerstand gegen das Brexit-Abkommen, dem sich Premierministerin Theresa May gegenüber sehe.

May glaubt bei Niederlage an Brexit-Stopp

Am Dienstag soll das Unterhaus über das Brexit-Abkommen abstimmen. Vieles deutet nach Auffassung von Beobachtern auf eine Niederlage von May hin. Die Folge könnte ein ungeregelter Brexit sein.

Offenbar hat May für den Fall einer Niederlage aber eine andere Option im Kopf: Laut einem Redemanuskript für einen Auftritt vor Fabrikarbeitern in Stoke-on-Trent hält sie den Stopp des EU-Austritt für wahrscheinlicher als ein britisches Ausscheiden ohne Deal.

In ihrer Rede in der Hochburg der Brexit-Unterstützer werde sie laut Manuskript an ihre Pflicht erinnern, das Ergebnis des Referendums umzusetzen. Wenn dies nicht geschehe, werde das Vertrauen in Politiker katastrophal geschädigt. Daher sollten die Abgeordneten die Folgen ihres Handelns bezüglich der Folgen für die Demokratie berücksichtigen.

EU-Parlamentarier werben für Verbleib

Derweil werben mehr als 100 Abgeordnete des Europäischen Parlaments in einem offenen Brief für einen Verbleib der Briten in der EU. "Wir bitten darum, im Interesse der nächsten Generation den Austritt zu überdenken", zitieren die Zeitungen der Funke Mediengruppe aus einem Entwurf des Schreibens, das demnach Anfang der Woche in Großbritannien veröffentlicht werden soll.

Sollte Großbritannien entscheiden, den Austrittsantrag zurückzuziehen, würden die EU-Abgeordneten das unterstützen:

"Jede britische Entscheidung, in der EU zu bleiben, würde von uns sehr begrüßt und wir würden mit Ihnen zusammenarbeiten, um die Europäische Union zu reformieren und zu verbessern." Offener Brief von EU-Abgeordneten

Warnung der deutschen Wirtschaft

Seit Wochen warnen deutsche Wirtschaftsvertreter vor einem ungeregelten Brexit. "In Deutschland hängen ungefähr 750.000 Arbeitsplätze vom Handel mit Großbritannien ab. Ohne Deal würden zusätzlich Millionen an Zollanmeldungen und Milliarden an Zöllen fällig", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, den Funke-Zeitungen. Zudem würden Produktionsabläufe und Lieferketten unterbrochen.

Großbritannien müsse Vorkehrungen für einen chaotischen Brexit treffen, forderte Schweitzer. Die No-Deal-Vorkehrungen der EU zum Beispiel bei Flugverbindungen oder bei Lizenzen im Güterkraftverkehr seien sinnvoll.