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Zwei Bahnplätze pro Person: Wirbel um Dienstreise-Deal | BR24

© dpa-Bildfunk/Martin Schutt

Fast leeres Abteil in einem ICE

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    Zwei Bahnplätze pro Person: Wirbel um Dienstreise-Deal

    Ein Platz besetzt – zwei Plätze bezahlt. Das Bundesinnenministerium erlaubt seinen Mitarbeitern, bei Dienstreisen mit Bahn oder Flugzeug, zwei Fahrkarten zu kaufen, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Diese Regelung stößt vielerorts auf Kritik.

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    Es ist eine "Kann-Regelung", die das Bundesinnenministerium an die obersten Bundesbehörden geschickt hat: Die Mitarbeiter können bei zwingend erforderlichen Dienstreisen in der Bahn zusätzlich einen freien Nachbarsitz und im Flugzeug zusätzlich einen freien Mittelplatz buchen, damit ein größerer Abstand zu den Mitreisenden gewährleistet ist. Außerdem wurde die Möglichkeit zur Nutzung von Mietwagen erweitert. Aber gibt damit das Ministerium nicht zu, dass Reisen in öffentlichen Verkehrsmitteln zu Corona-Zeiten gefährlicher ist als bekannt?

    Anderes Ministerium – andere Regelung

    Das Bundesverkehrsministerium hingegen bucht für seine Mitarbeiter auf Dienstreisen keinen zweiten, leeren Sitzplatz zum Infektionsschutz. Das hat ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage des BR mitgeteilt. Vereinzelte Anfragen seiner Beschäftigten hat das CSU-geführte Ministerium mit der Begründung abgewiesen, dass Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln kein erhöhtes Infektionsrisiko darstellen. Es verweist auch auf mehrere wissenschaftliche Studien, die es zu diesem Thema gibt.

    Reservierungspflicht wird es nicht geben

    Die Deutsche Bahn hat bereits vor einigen Monaten klar gesagt, dass es keine Reservierungspflicht – wie von einigen Politikern gefordert - geben wird. Das Unternehmen verweist darauf, dass die durchschnittliche Auslastung seiner Fernzüge bei 20 bis 25 Prozent liege. Wenn man die verfügbaren und die freizulassenden Plätze markieren würde, müssten Fahrgäste, die in einen zur mehr als die Hälfte gefüllten Zug einsteigen wollten, draußen bleiben, was vermutlich großen Ärger verursachen würde. Stattdessen sei nach Angaben der Bahn das Reservierungssystem so eingestellt, dass immer ein Fensterplatz reserviert wird und der Platz daneben automatisch freibleibe. Und das Zugpersonal solle auch darauf achten, dass die Fahrgäste im Zug gleichmäßig verteilt werden.

    Kritik vom Fahrgastverband

    Dass diese gleichmäßige Verteilung eben nicht wie geplant klappe, liegt nach Meinung von Lukas Iffländer vom Fahrgastverband Pro Bahn daran, dass das Reservierungssystem veraltet sei: "Wir erleben häufig, dass einzelne Abteile ausreserviert sind, während im nächsten Abteil keiner sitzt. Es ist schon länger bekannt, dass das Reservierungssystem der Deutschen Bahn in weiten Teilen aus den 80er Jahren stammt."

    Tipps für Fahrgäste

    Der Fahrgastverband rät, bereits bei der Reservierung auf den grafischen Sitzplan im Internet zu schauen. Dort kann man feststellen, welche Plätze schon belegt sind und auch selbst seinen Sitzplatz auswählen. Gibt es diese Möglichkeit nicht, dann sei es sinnvoll, im Zweifelsfall nicht auf einen reservierten Platz zu beharren, sondern sich einen anderen in einem weniger stark ausgelasteten Wagen zu suchen, so Iffländer.

    Regionalzüge, die von vielen Pendlern genutzt werden, sind in der Regel am Morgen und am späten Nachmittagen gut gefüllt. Hier lautet die Empfehlung: Wenn möglich, zu anderen Zeiten reisen, Gleitzeit oder sogar Homeoffice nutzen.

    Eigentor des Ministeriums

    Die vom Bundesinnenministerium geförderte Möglichkeit, zwei Fahrkarten mit Sitzplätzen nebeneinander in einem Zug zu kaufen, ist übrigens relativ zwecklos.

    In den Beförderungsbedingungen der Deutschen Bahn heißt es: der Anspruch auf einen Sitzplatz erlischt 15 Minuten nach Abfahrt, wenn der Platz nicht eingenommen wird. Das gilt ausdrücklich nicht nur für Reservierungen, sondern auch Fahrkarten.

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