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Zuwanderung: Weniger Bürokratie - mehr Fachkräfte | BR24

© dpa-Bildfunk/Ingo Wagner

Junge Frau beim Schweißen

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    Zuwanderung: Weniger Bürokratie - mehr Fachkräfte

    Deutschland braucht Zuwanderung aus dem Nicht-EU-Ausland. Wie die konkret gelingen soll - darüber wird morgen im Kanzleramt beraten. Offenbar soll besonders in Brasilien, Indien und Vietnam geworben werden.

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    Vor dem Fachkräftegipfel im Kanzleramt am Montag hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier den Abbau bürokratischer Hürden bei der Anwerbung gut ausgebildeter Zuwanderer gefordert. Die Visa-Verfahren und das Anerkennen von Berufsschulabschlüssen müssten viel schneller durchgeführt werden als bisher, sagte der CDU-Politiker dem "Tagesspiegel".

    "Deutschland hat ein Interesse daran, im Wettbewerb um die fähigsten Köpfe, um die fleißigsten Handwerker, um die besten Arbeitnehmer vorne mit dabei zu sein", sagte Altmaier. Pilotprojekte werde es etwa mit Brasilien, Indien und Vietnam geben. Es gehe angesichts der demografischen Entwicklung auch darum, das hohe Niveau der sozialen Absicherung in Deutschland zu erhalten.

    Man müsse sich um die Länder kümmern, in denen es sehr viele junge Menschen gebe, der Ausbildungsstand sehr hoch sei und das Interesse an einer Berufstätigkeit in Deutschland vorhanden seien, sagte der Minister. Natürlich könnten auch aus allen anderen Ländern Fachkräfte kommen und sich um Arbeit bewerben, sofern sie genügend Deutschkenntnisse und die fachlichen Qualifikationen hätten und außerdem ihren Lebensunterhalt in den ersten Monaten bestreiten könnten.

    Spahn fordert klare Kriterien

    Gesundheitsminister Jens Spahn sprach sich für klare Kriterien und eine zielgenaue Auswahl ausländischer Fachkräfte aus. Deutschlands alternde Gesellschaft brauche mehr medizinisches Personal, als sie ausbilden könne, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Zuwanderer, die zum Arbeiten kämen, müssten aber auch zu Deutschland passen. Sie müssten motiviert, gut qualifiziert und bereit sein, die hiesigen Werte zu leben. Strukturen, um ausländische Pflegekräfte deutlich schneller nach Deutschland bringen zu können, seien in Arbeit, sagte der Minister.

    Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, forderte im Zuge des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes zielgenaue Bemühungen um ausländische Fachkräfte. "Je gezielter wir Berufsgruppen benennen, in denen Mangel herrscht, und Regionen auswählen, in denen wir die Suche nach Fachkräften besonders intensiv verfolgen, desto erfolgreicher wird das Gesetz", sagte die CDU-Politikerin den Funke-Zeitungen.

    Sie warnte zugleich davor, "Fehler der Vergangenheit" zu wiederholen. "Es war falsch, die sogenannten Gastarbeiter der 1950er- und 1960er-Jahre nicht systematisch zu integrieren", sagte die CDU-Politikerin den Funke-Zeitungen. Unternehmen, Verbände und Kommunen müssten die Integration der ausländischen Fachkräfte in allen Lebensbereichen fördern. Es gehe um mehr als Arbeitskräfte. "Was dem türkischen Bergmann der ersten Gastarbeitergeneration gefehlt hat, muss die philippinische Pflegerin von heute bekommen."

    Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte

    Bei dem Treffen im Bundeskanzleramt kommen Spitzenvertreter von Wirtschaft, Gewerkschaften und Regierung zusammen, um darüber zu diskutieren, wie das Fachkräfteeinwanderungsgesetz am besten in die Praxis umgesetzt werden kann. Für Montagabend ist die Unterzeichnung einer Absichtserklärung geplant. Das Gesetz tritt am 1. März 2020 in Kraft und soll Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland ebnen.

    Nach Angaben des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) heißt es in einem Entwurf der Absichtserklärung, dass Deutschland international "in starkem Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte" stehe. Um die Möglichkeiten des Gesetzes voll auszuschöpfen, bedürfe es "noch weiterer konkreter Schritte der praktischen Umsetzung".

    Angestrebt wird demnach unter anderem "zusätzliches Personal in den Visastellen und der Aufbau einer zentralen Arbeitseinheit zur Unterstützung der Visumbearbeitung aus dem Inland." Zudem sollten die Deutsch-Kurse an den Goethe-Instituten ausgebaut werden. Die Wirtschaft solle geeignete Fachkräfte bei den Kosten für die sprachliche Qualifizierung im Herkunftsland unterstützen.