BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Zum Vatertag: Die Zwickmühle des modernen Vaters | BR24

© BR24

Morgen ist Vatertag und damit der richtige Moment, um ein schiefes Bild in unserer Gesellschaft gerade zu rücken: Wir treffen einen Vater, der Elternteilzeit genommen hat und mit seinem Sohn fleißig auf den Spielplatz geht.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Zum Vatertag: Die Zwickmühle des modernen Vaters

Viele Väter würden sich gerne mehr in die Kindererziehung einbringen - oft scheitert dies aber in der Praxis. Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander, auch weil nur wenige Väter in Teilzeit gehen. Wie gelingt die moderne Vaterrolle?

Per Mail sharen

Der Vater in der Krabbelgruppe. Die Mutter beim Job. Diese Rollenaufteilung ist immer noch keine Selbstverständlichkeit. Oft ist es doch so: Der Vater ist der Hauptverdiener, die Mutter in Teilzeit aktiv. Sie kümmert sich um Haushalt und Kinder. Nach Ansicht des Bamberger Väterforschers Harald Rost würden sich zwar viele Väter gern mehr in die Kindererziehung einbringen, dies scheitere dann aber oft in der Praxis.

Vater mit Kind: Komische Blicke auf dem Spielplatz

Papa Florian Röckl schneidet für seinen dreijährigen Sohn einen Apfel. Gleich wollen die zwei auf den Spielplatz gehen. Dort wird der 47-Jährige auf verwunderte Mütter und Omas treffen. Ein Vater mit seinem Kind auf dem Spielplatz? Das ist offenbar immer noch ein ungewohnter Anblick. Manchmal fühlt sich der Münchner diskriminiert, wenn ihn Mütter aus Gesprächen auf der Bank ausschließen.

Bewusste Entscheidung: Vater in Teilzeit, Mutter arbeitet Vollzeit

Der Münchner kümmert sich seit mehr als drei Jahren um seinen Adoptivsohn Ben. Er war mit ihm in der Krabbelgruppe, beim Babyschwimmen und hat die Eingewöhnung im Kindergarten übernommen. Anfangs hat der selbstständige Betriebswirt ein Jahr Elternzeit genommen, danach ist er in Teilzeit gegangen. Seine Frau, Lehrerin an einer Grundschule, arbeitet Vollzeit.

Das Ehepaar hat sich bewusst für diese Rollenverteilung entschieden. "Ich bin kein Karrieremensch. Ich lebe, um zu leben und es fühlt sich gut an, wie es ist", sagt der 47-Jährige. Anfangs war es für Florian Röckl eine Umstellung, zu Hause zu bleiben, den Haushalt zu erledigen. Aber er genießt es, viel Zeit mit seinem Sohn zu verbringen. Familie und Freunde haben die etwas andere Konstellation der Familie Röckl positiv aufgenommen.

In Bayern gehen 5,3 Prozent der Väter in Teilzeit, knapp 80 Prozent der Mütter

Noch immer ist die klassische Rollenverteilung weit verbreitet. Dass der Vater überwiegend die Kindererziehung übernimmt, ist nach wie vor ungewöhnlich. "Viele Männer würden sich gerne mehr in die Betreuung und Erziehung der Kinder einbringen, die Praxis sieht aber anders aus", sagt Vaterforscher Harald Rost vom Staatsinstitut für Familienforschung an der Uni Bamberg.

Wunsch und Wirklichkeit klaffen immer noch auseinander. Seit den 1990er-Jahren beschäftigt sich der Wissenschaftler mit der Rolle des Vaters in unserer Gesellschaft. In Bayern gehen lediglich 5,3 Prozent der Väter in Teilzeit. Bei den Müttern sind es laut Landesamt für Statistik 79 Prozent. Mittlerweile nehmen zwar knapp die Hälfte der Väter Elternzeit, doch meistens nur für maximal zwei Monate, kritisiert der Familienforscher.

Rahmenbedingungen und eigener Wille fehlen

Männer haben laut Rost oft Angst vor einem beruflichen Karriereknick und vor dem Ansehen in der Gesellschaft. Auch ist es meistens finanziell nicht tragbar für die Familie, wenn der Vater in Teilzeit geht. Dazu kommt, dass die Mutter nach der Geburt eine stärkere Bindung zum Kind hat. Sie möchte zu Hause bleiben, zumindest die erste Zeit.

"Es muss sich in den Köpfen etwas ändern. Die gesellschaftliche Akzeptanz muss sich ändern, damit Väter auf Spielplätzen mehr eingebunden werden", fordert der Bamberger Wissenschaftler. Rost schlägt deshalb vor, dass Mutter und Vater gleichermaßen in Teilzeit gehen. Unter der Voraussetzung, dass der Arbeitgeber mitmacht und die Kinder gut betreut sind.

Dass sich die Rolle des Vaters langsam wandelt, hofft auch Florian Röckl. Er glaubt, dass es zwei Gründe hat, warum noch immer so wenige Väter in Teilzeit gehen: Die eigene Entscheidung und die Rahmenbedingungen. Diese müssten stimmen, der Arbeitgeber müsse mitspielen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!