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Zum Tod von Ex-VW-Chef Piëch: "Sein Leben war das Auto" | BR24

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Audi-Vorstandsmitglied Ferdinand Piëch im Jahr 1982 neben einem Audi.

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Zum Tod von Ex-VW-Chef Piëch: "Sein Leben war das Auto"

Der ehemalige VW-Chef Ferdinand Piëch ist tot. Er starb im Alter von 82 Jahren in Rosenheim. Autoexperten und VW-Mitarbeiter würdigen sein Lebenswerk. Doch neben viel Lob sind auch kritische Töne zu hören.

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Volkswagen hat den verstorbenen früheren Konzernchef Ferdinand Piech als großen Visionär gewürdigt. Der langjährige Firmenpatriarch habe Automobilgeschichte geschrieben – als leidenschaftlicher Manager, genialer Ingenieur und als visionärer Unternehmer, erklärte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch am Dienstag in Wolfsburg.

Der Porsche-Enkel habe seit den 1960er Jahren die Entwicklung des Automobils, der Industrie und vor allem von Volkswagen zu einem globalen Mobilitätskonzern maßgeblich gestaltet und geprägt. "Unser Unternehmen und seine Menschen haben Professor Piech unendlich viel zu verdanken." An mehreren Werken, darunter am Stammsitz in Wolfsburg und in Dresden, wurden die Fahnen auf Halbmast gesetzt.

VW-Konzernchef Herbert Diess hob hervor, dass Piech Volkswagen zu einem weltumspannenden Konzern aufgebaut habe. "Ferdinand Piëch war mutig, unternehmerisch konsequent und technisch brillant."

VW-Betriebsratschef über Piëch: "Wir waren nicht immer einer Meinung"

Zuvor hatte bereits VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh Piëch als "großen Manager und Ingenieur" gewürdigt: "Volkswagen stünde ohne Ferdinand Piëch nicht da, wo wir jetzt stehen. Dafür schulden wir ihm unseren Dank und unsere Anerkennung."

"Wir als Betriebsräte waren nicht immer in allen Fragen einer Meinung mit unserem früheren Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratsvorsitzenden“, so der Betriebsratschef weiter. "Aber wir blicken mit Respekt und Achtung auf sein großes Lebenswerk. Denn mit seiner Liebe zum Produkt, seiner strategischen Weitsicht und seinem feinen Gespür für die Weiterentwicklung unserer Marken hat Ferdinand Piëch die Erfolgsgeschichte unseres Konzerns entscheidend geprägt."

Verkehrsexperte Dudenhöffer: "Sein Leben war das Auto"

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer etwa hat die Bedeutung des verstorbenen Managers Ferdinand Piëch für die Automobilbranche hervorgehoben. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk sagte der Ökonom und Verkehrswissenschaftler: "Ohne Piëch würde die Autowelt heute anders aussehen. (...) Sein Leben war das Auto und er hat auch sehr Großes in der Autowelt geschaffen."

Als ein Beispiel für die erfolgreiche Arbeit des Auto-Visionärs nannte Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft, unter anderem die sogenannte "Plattformstrategie", die Piëch bei VW eingeführt hat. Dabei bedienen sich Autohersteller beim Bau verschiedener Modelle aus einer Art Baukasten – das Innere verschiedener Modelle ist also teilweise identisch. Piëch habe "VW aus einer sehr schwierigen Lage in die Zukunft geführt", so Dudenhöffer. Der Automobilexperte verwies aber auch auf die schwierige Seite des verstorbenen Managers: "Er hat sehr strategisch agiert, ihm waren Menschen aber relativ wenig wert oder gar nichts wert."

Audi-Werke setzen Flaggen auf Halbmast

Als Zeichen der Trauer ließ der Audi-Vorstand in allen Werken weltweit die Beflaggung auf Halbmast setzen. Piëch gehörte der Marke mit den vier Ringen mehr als zwanzig Jahre an, zuletzt von 1988 bis Ende 1992 knapp fünf Jahre als Vorstandsvorsitzender.

"Wir werden das Andenken an Ferdinand Piëch hochhalten – an einen Mann, der in einzigartiger Weise Genialität mit Leidenschaft und Beharrlichkeit vereinte. (...) Er hat Audi zur Premiummarke entwickelt." Bram Schot, Vorstandsvorsitzender Audi AG, Ingolstadt

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Unternehmens, Peter Mosch, würdigte den Verstorbenen als einen "Vordenker der Automobilindustrie". Als Unternehmer habe Piëch das technisch Mögliche und wirtschaftlich Sinnvolle mit sozialer Verantwortung verbunden.

Ehrenbürger von Ingolstadt

Schon ab 1972 hatte Ferdinand Piëch in Ingolstadt gearbeitet, und zwar als Hauptabteilungsleiter für Sonderaufgaben in der technischen Entwicklung, seit 1975 als Vorstand für Technik und ab 1983 als stellvertretender Audi-Chef. Piëch trug zahlreiche Ehrentitel, seit 2001 auch den eines Ehrenbürgers von Ingolstadt.

Ferdinand Piëch starb am Sonntag in Rosenheim

Der 82-Jährige Piëch war am Sonntagabend "plötzlich und unerwartet verstorben", teilte Piëchs Ehefrau Ursula in einer offiziellen Erklärung mit. Offenbar war Piëch bei einem gemeinsamen Restaurantbesuch in Aschau zunächst kollabiert und kurz darauf im Rosenheimer Klinikum verstorben.

In der Erklärung, die Ursula Piëch über einen Anwalt der Familie verbreiten ließ, hieß es weiter: "Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer." Er sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen. Piëch hinterlasse eine große Familie mit 13 Kindern und mehr als doppelt so vielen Enkelkindern.

Piëchs Macht schien zeitweilig unbegrenzt

Der in Wien geborene Piëch stand viele Jahre mitten im Machtzentrum des VW-Konzerns. Der frühere Audi-Chef war von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und führte danach lange Zeit den Aufsichtsrat - als maßgeblicher Protagonist der Familien Porsche und Piëch, der VW-Großaktionäre. Seine Macht schien zeitweilig unbegrenzt, 2012 hievte er sogar seine Frau Ursula in den VW-Aufsichtsrat. Piëch galt als mächtiger Strippenzieher und Königsmacher hinter den Kulissen.

Der detailverliebte Autonarr lenkte das immer größer werdende VW-Imperium schließlich zusammen mit dem damaligen Konzernchef Martin Winterkorn. Doch 2015 kam es zum Bruch, nachdem Piëch seinem Ziehsohn, dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn, öffentlich das Vertrauen entzog.

Beispieloser Machtkampf zwischen Piëch und Winterkorn

Es folgte ein beispielloser Machtkampf zwischen Piëch und Winterkorn, den Aufsichtsratschef Piëch schließlich verlor. Am 25. April 2015 legte er sein Amt und alle weiteren Aufsichtsratstätigkeiten im Konzern nieder. Schon bald darauf musste jedoch auch Winterkorn zurücktreten, im Zusammenhang mit dem Bekanntwerden des Diesel-Skandals. Im Mai 2019 erhob dann die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage gegen den ehemaligen VW-Chef Winterkorn. Die Behörde sieht im Handeln Winterkorns im "Dieselskandal" einen besonders schweren Fall des Betrugs.

2017 verkaufte Piëch ein milliardenschweres Aktienpaket und trennte sich von einem Großteil seiner Anteile an der VW-Dachgesellschaft Porsche SE. Die Anteile gingen an Verwandte.

Der Skandal um manipulierte Fahrzeuge kostete VW Milliarden. 2018 wurde Müller als Konzernchef von VW-Markenchef Herbert Diess abgelöst. Diess kündigte in der Folge einen grundlegenden Umbau des Konzerns an - hin zu mehr Elektroautos. Grund dafür sind auch schärfere Klimavorgaben der EU.

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"Ohne Piëch würde die Autowelt heute anders aussehen", sagt Verkehrsexperte Ferdinand Dudenhöffer im Bayern 2-Interview.

© Nach dem Tod von Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch würdigt sein Biograph Wolfgang Fürweger dessen Verdienste für den Autokonzern. Ein Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

Nach dem Tod von Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch würdigt sein Biograph Wolfgang Fürweger dessen Verdienste für den Autokonzern. Ein Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.