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Zukunftskonferenz "Synodaler Weg" – Woelki weiter in der Kritik | BR24

© Klaus Hofmeister/ARD

Der Auftakt der Zukunftskonferenz wurde begleitet von den Vertuschungsvorwürfen von Kölns Kardinal Woelki. Er nahm dazu Stellung.

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Zukunftskonferenz "Synodaler Weg" – Woelki weiter in der Kritik

Vertuschung oder Transparenz in der Katholischen Kirche? Das B5-Thema des Tages mit dem Auftakt der Zukunftskonferenz, in der Missbrauchsopfer, Laienvertreter und Bischöfe zu Wort kamen. Auch der in der Kritik stehende Kölner Kardinal Woelki.

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Von
  • Michael Küster

Die Mühlen mahlen weiter langsam in der Katholischen Kirche. Aber immerhin: Sie mahlen. Beim gestrigen Auftakt einer zweitägigen Online-Zukunftskonferenz wollte der "Synodale Weg" eigentlich weiter mit Konzepten und Lösungen vorankommen.

Woelki hält erstes Gutachten weiter unter Verschluss

Dass das - zumindest am ersten Tag - nicht so einfach werden würde, stand jedoch schon vorher fest. Denn mit Spannung wurde der Auftritt von Kardinal Rainer Maria Woelki erwartet. Der Kölner Erzbischof sieht sich Vertuschungsvorwürfen im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen ausgesetzt. Er selbst ist daran nicht ganz unbeteiligt - hatte Woelki doch ein bereits bestehendes Gutachten unter Verschluss gehalten und kurzerhand selbst ein neues in Auftrag gegeben. Dazu sagte er gestern in der Online-Schalte den 230 Bischöfen und Laienvertretern: "Ich bin mir schmerzlich bewusst, dass Vertrauen verloren gegangen ist. Es tut mir wirklich leid! Es sind Fehler passiert, für die ich letztendlich auch die Verantwortung trage." Gleichzeitig betonte er, sein Wort zu halten und konkrete Namen zu nennen, sobald das zweite Gutachten vorläge.

Kritik an Woelkis Blockade-Verhalten äußerste auch Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz: "Wenn Verantwortliche - also Bischöfe oder auch andere - Fehler bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen gemacht haben, dann müssen dafür die Konsequenzen getragen werden. Im ungünstigsten Fall kann das auch ein Rücktritt bedeuten"

"Der Zölibat ist ein Risikofaktor für Missbrauch." BR-Kirchenredakteur Tilmann Kleinjung

Eine von vier Arbeitsgruppen beschäftigt sich im Synodalen Weg mit dem Zölibat - also der sexuellen Enthaltsamkeit der irdischen Würdenträger. Eine bereits existierende Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz zeigt, dass der priesterliche Zölibat Missbrauch begünstige. Hoffnungen, den Zölibat zu lockern, wurden vor zwei Jahren bei einer Synode in Rom jedoch enttäuscht. Der hiesige Arbeitskreis regt eine Lockerung und Überlegungen zu verschiedenen Lebensformen weiter an - es liegt derzeit aber keine beschlussfähige Vorlage vor.

Rom bleibt hart: Keine Frauen im Katholischen Priesteramt

Eine - vorwiegend in Mitteleuropa - geführte Diskussion ist seit Jahren schon die Rolle der Frau in der Katholischen Kirche - und diese auch aufzuwerten. Aber hier bleibt Papst Franziskus hart: Auch künftig werde es keine weiblichen Priester geben. Dieser Umstand ruft schon lange großen Protest hervor, wie Maria 2.0. Diese Bewegung fordert eine Öffnung und damit mehr Zugang für Frauen in Katholischen Ämtern. Die Erfolgsaussichten sind - wegen der klaren Haltung in Rom - sehr gering. Spielräume gebe es da derzeit keine, so BR-Vatikanexperte Tilmann Kleinjung im B5-Thema des Tages.

© B5 aktuell

BR-Kirchenredakteur Tilmann Kleinjung im B5-Thema des Tages im Gespräch mit Moderatorin Katja Strippel

Bewegende Momente gab es gestern auch. Mehrere Missbrauchsopfer schilderten, wie schwer das Leben - auch Jahrzehnte nach einem erlittenem Missbrauch - für die Betroffenen sei.

"Jeder von uns blutet jeden Tag auf unterschiedlichste Art." Kai Moritz, Missbrauchsopfer und Sprecher des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz

Die Katholische Kirche also auf dem Weg, ihre Missbrauchsvergangenheit aufzuarbeiten. Möglichst transparent. Dass überhaupt mittlerweile versucht wird, verkrustete Strukturen aufzubrechen, dazu hat auch Kai Moritz beigetragen. Er ist selbst Missbrauchsopfer und nun Sprecher des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz und Berater des Synodalen Weges: "Die Betroffenen von sexuellen Missbrauchs sind Überlebenskünstler. Jeder von uns blutet jeden Tag auf unterschiedliche Art und Weise."

Das Präsidium des Synodalen Weges fordert verbindliche Verfahren für alle Bischöfe und eine Pflicht, zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs beizutragen. Dabei könne auch ein Rücktritt kein Tabu sein, so Karin Kortmann, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken: "Es muss selbstverständlich sein, dass sich die Verantwortlichen an den rechtlichen, kirchenrechtlichen, moralischen und geistlichen Ansprüchen messen lassen, die mit ihren Ämtern verbunden sind."

© Arne Dedert/picture alliance/dpa

Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz

Vertrauen zurückgewinnen

Der Synodale Weg ist die Konsequenz aus dem Öffentlichwerden des jahrzehntelangen Missbrauchsskandals. Auf dem Synodalen Weg wollen die deutschen katholischen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland beraten. Eines der wichtigsten Ziele ist dabei, nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Auch dass Betroffene bei der Bewältigung der vielleicht größten Krise der Katholischen Kirche nicht schon früher mit einbezogen wurden, ist bei den vergangenen Treffen immer wieder kritisiert worden.

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