BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Zukunftsangst und Richtungsstreit in der Agrarpolitik | BR24

© picture-alliance/Frederic Kern/Geisler-Fotopress

Bauern machen ihrem Unmut über deutsche Agrarpolitik auch in Berlin Luft

13
Per Mail sharen

    Zukunftsangst und Richtungsstreit in der Agrarpolitik

    Die Demos für eine andere Agrarpolitik in Berlin gehen weiter - heute in der Öko-Variante. Das Bündnis "Wir haben es satt" erwartet zehntausende Teilnehmer. Sie wollen für artgerechte Tierhaltung, Artenvielfalt und Klimaschutz demonstrieren.

    13
    Per Mail sharen

    Riesendemo in Nürnberg und auch ins Zentrum Berlins kamen schon am Freitag Bauern mit etwa 400 Traktoren. Aufgerufen hatte wieder die Initiative "Land schafft Verbindung" (LSV), die sich als unabhängige "junge Basisbewegung" von Landwirten sieht.

    Was die gerade umtreibt, steht auf Plakaten auf ihren Landmaschinen: "Mit uns statt gegen uns" und bezogen auf die Straßenblockade "Sorry. Aber sonst werden wir nicht gehört". Der Protest richtete sich gegen die geplante Verschärfung der Düngeverordnung, gegen die Wahrnehmung, nur die Landwirtschaft sei schuld am Insektensterben, gegen die Begrenzung des Insektizideinsatzes, der für Ertragseinbußen sorgen könnte.

    Zehnte Auflage von "Wir haben es satt"

    Das passt nur bedingt zusammen mit dem, was sich das Bündnis "Wir haben es satt" auf die Fahnen schreibt. Heute ruft es zum zehnten Mal zur Demo in Berlin auf. Sie ist gegenüber "Land schafft Verbindung", das sich erst Ende vergangenen Jahres zusammenfand, schon eine alte Institution. Letztes Jahr kamen 170 Traktoren und 35.000 Teilnehmer. Zu Beginn der größten Landwirtschaftsmesse "Grüne Woche" protestiert das Bündnis von Landwirten und einem breiten Spektrum an zivilgesellschaftlichen Verbänden gegen die Agrarindustrie, gegen das Insektensterben, für eine ökologische Agrarwende und Klimaschutz.

    Es knirscht beim Annähern

    "Ökologische und konventionelle Landwirtschaft ist für uns kein Widerspruch", sagt Christian Rollmann von "Wir haben es satt". Im Bündnis sei auch beides vertreten. Man müsse wegkommen von den "einfachen Lösungen". Die sind für Rollmann, "einfach Pestizid aufs Feld zu kippen". Man stehe miteinander in Kontakt, ein Vertreter von "Wir haben es satt" habe sogar auf der Kundgebung von "Land schafft Verbindung" sprechen dürfen. Allerdings habe "Land schafft Verbindung" sich als "Gegendemo" zu "Wir haben es satt" bezeichnet. Rollmann sagt: "Das hat uns irritiert." Es offenbart die Gegensätze.

    Höfesterben: 2,5 Prozent weniger Betriebe im Jahr

    Gemeinsame Positionen gibt es trotzdem: Zum Beispiel die Forderung, das Freihandelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten zu stoppen. Oder die Position der Landwirte gegenüber dem Handel zu stärken. Auch das Höfesterben beschäftigt beide. Die Zahlen des Agrarberichts sind deutlich: 1968 gab es 1,2 Millionen landwirtschaftliche Betriebe, im Jahr 2018 waren es 266.700.

    Gefühlslage: Zutiefst verunsichert

    "Viele Landwirte geben auf", sagt Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und selbst Landwirt, am Freitag bei der Vorstellung des Agrarberichts 2019 im Bundestag. Wenn sie sich das noch leisten könnten, und nicht zu hoch verschuldet seien. Die Gefühlslage der Bauern fasst Ostendorf so zusammen: die Landwirte "fühlen sich von der Gesellschaft nicht verstanden, stehen vor großen Herausforderungen, sind zutiefst verunsichert".

    Die schlechte Stimmung müsse ernst genommen werden, sonst würden Landwirte an den rechten Rand verloren, so Ostendorf. Allerdings sei auch klar: Ohne Umbau der Landwirtschaft werde es nicht gehen.