Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Zukunft von TV-Nachrichten in Zeiten der Digitalisierung | BR24

© BR

Die BR-Rundschau hat diese Woche ihr 40. Jubiläum gefeiert. In Zeiten der Digitalisierung wirken TV-Nachrichten manchmal wie etwas aus einer vergangenen Zeit. Aber Nachrichten sind wichtiger denn je. Ein Gespräch mit der Leiterin der Rundschau.

13
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Zukunft von TV-Nachrichten in Zeiten der Digitalisierung

Die BR-Rundschau hat diese Woche ihr 40. Jubiläum gefeiert. In Zeiten der Digitalisierung wirken TV-Nachrichten manchmal wie etwas aus einer vergangenen Zeit. Aber Nachrichten sind wichtiger denn je. Ein Gespräch mit der Leiterin der Rundschau.

13
Per Mail sharen
Teilen

Anja Miller leitet die Rundschau des BR Fernsehens.

Die Rundschau - man könnte sagen ein Dino in der großen Fernsehwelt. Gleich eine leicht ketzerische Frage zum Anfang: Schauen junge Leute überhaupt die Rundschau bzw. wer ist denn Ihr Publikum?

Miller: Die Rundschau ist tatsächlich eine Traditionsmarke. Wir haben aber ein sehr treues, anspruchsvolles und auch sehr gut informiertes Publikum, das eigentlich genauso wie die Sendung sehr fest in Bayern verankert ist - zwischen Tradition und Moderne, Stadt und Land. Allerdings ist im linearen Fernsehen der Durchschnitt tatsächlich älter als 38. Aber wir verbreiten unsere Inhalte ja auch über die digitale Marke BR24. Da sind wir sehr viel jünger.

Die Tagesschau in der ARD schauen Millionen, auch die Rundschau im BR Fernsehen hat mit 15 Prozent Marktanteil eine sehr gute Quote. Aber die jungen Zuschauer sind nicht gerade das Stammpublikum. Die informieren sich dann doch lieber über Youtube oder Instagram. Wie geht man damit um als Nachrichten-Macher? Wie erreicht man denn die überhaupt?

Miller: Wir machen gerade die sehr erfreuliche Erfahrung, dass Beiträge aus Abendschau und Rundschau sehr, sehr gut auf Youtube laufen. Da erreichen wir ein jüngeres Publikum. Eigentlich mit den gleichen Inhalten. Und das freut uns wirklich sehr, denn viele Nutzer wollen offenbar gut recherchierte und erzählte Geschichten, seriöse Nachrichten - aber nicht unbedingt im Fernsehen. Für Instagram hingegen braucht man eine andere Ansprache. Da haben wir die News -WG erfunden, die bei den 18- bis 24-Jährigen wirklich sehr gut ankommt und auch Nachrichten liefert. Also, ich bin zuversichtlich: Nachrichten sind weiterhin gefragt, man muss nur mehr darüber nachdenken wie und wo.

Bei Instagram läuft die News-WG. Wie ist es überhaupt, auf Twitter, Instagram, den sozialen Medien, als Nachrichten-Medium unterwegs zu sein? Da muss man sich ein bisschen was einfallen lassen?

Miller: Genau. Wir haben deswegen auch als BR beschlossen, alles unter der Marke BR24 zu sammeln, denn das Feld ist schon sehr umkämpft, und da viele Marken zu führen ist schwierig. Deswegen sind die aktuellen Formate bei BR24 gebündelt. Auch die Inhalte von B5 aktuell, von der Rundschau und der Abendschau.

Jetzt würde ein alter Nachrichtenmacher wahrscheinlich sagen: Nachrichten sind doch eigentlich immer Nachrichten. Wie reagiert man auf die Digitalisierung? Was hat sich fürs Nachrichtenmachen und auch fürs Präsentieren eigentlich verändert?

Miller: Die Digitalisierung hat die Branche wirklich enorm auf den Kopf gestellt, weil jeder ja tatsächlich überall irgendeinen Input bekommt oder selber Output produziert.

Ich denke, unsere Stärke ist, dass wir mit unserem Nachrichten-Hintergrund einordnen: Wir vertiefen, analysieren, verifizieren die Bilder und haben auch immer mehr unserer Reporter vor Ort. Der BR baut ja auch sein Regionalnetz aus. Wir haben Recherche-Abteilungen (BR Recherche), Datenjournalismus (BR Data). Und dann machen wir aus den Inhalten je nachdem Videos, Texte, Grafiken, Storys. Die Menschen kriegen einfach von uns ihre Nachrichten dort, wo sie sie hören und sehen wollen. Das heißt aber tatsächlich, man muss sehr viel schneller, besser und zielgruppengerechter arbeiten. Früher haben sich die Menschen zu einer bestimmten Uhrzeit vor dem Fernseher versammelt und auf uns gewartet. Das ist eben nicht mehr so.

Man kann ja mittlerweile Nachrichten von wirklich überall herbekommen: Online, Fernsehen, Radio, Social Media. Also muss man sich als Medienhaus insgesamt und auch als Nachrichten-Anbieter anders aufstellen, dass das Ganze funktioniert und dass man da nicht wieder überholt wird von der ganzen Entwicklung?

Miller: Wir schließen da Medien-Partnerschaften auch mit anderen Medien. Wir bauen BR24 als vertrauenswürdige und auch spannende digitale Nachrichten-Marke auf. Aber dafür muss man tatsächlich ein Medienhaus ganz schön auf den Kopf stellen. Das Lineare haben wir alle gelernt, da sind wir sehr gut drin. Aber um alles umzubauen, ohne das Lineare zu sehr zu beschädigen, muss man ganz schön arbeiten.

Letztendlich muss man anfangen - was wir auch getan haben - die Sachen von den Themen her zu denken. Was ist das Thema, das die Leute interessiert? Und dann überlegen wir: Wie werden wir das formatgerecht umsetzen? Man muss also sehr viel genauer wissen, wie die Lebensgewohnheiten der Leute sind, wie die Mediennutzung der Menschen ist. Und das ist im Prinzip das, was alle gleich umtreibt, und das ist auch der Kern unseres ganzen Veränderungsprozesses.

Schauen wir noch mal in die Zukunft: Haben da TV-Nachrichten klassisch linear um 18.30 Uhr oder 20 Uhr, wie die Tagesschau, überhaupt noch einen Platz?

Ja, ich glaube schon noch eine ganze Weile. Das Fernsehen ist nicht tot - immer noch nicht. Wir haben auch ein sehr zugewandtes Publikum im BR und gerade auch in der Rundschau, für das wir sehr gerne auch weitere 40 Jahre arbeiten wollen.

© BR

Rundschau-Studio