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"Zuhause in der Geburtskirche" – Restaurator in Bethlehem | BR24

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Noch vor sechs Jahren galt die Geburtskirche in Bethlehem, eine der heiligsten Stätten der Christenheit, als gefährdetes Welterbe. Seitdem wurde sie aufwändig restauriert. Dem Restaurator Christian Piacenti ist sie in der Zeit zum Zuhause geworden.

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"Zuhause in der Geburtskirche" – Restaurator in Bethlehem

Noch vor sechs Jahren galt die Geburtskirche in Bethlehem, eine der heiligsten Stätten der Christenheit, als gefährdetes Welterbe. Seitdem wurde sie aufwendig restauriert. Dem Restaurator Christian Piacenti ist sie in der Zeit zum Zuhause geworden.

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Es ist später Vormittag in der Geburtskirche. Pilgergruppen gehen, sich leise unterhaltend, durch das Hauptschiff des Gotteshauses. Sie staunen über die bunten Mosaike an Wänden und am Boden, bewundern die leuchtenden Malereien auf den Säulen. Christian Piacenti steht etwas abseits. Er weiß noch wie die Kirche vor sechs Jahren aussah. Damals als der italienische Restaurator Piacenti zum ersten Mal seinen neuen Arbeitsplatz sah. Sein Blick geht hinauf zum hölzernen Dachstuhl.

"Ich arbeite an Steinen, Malereien, an allem, aber spezialisiert bin ich auf Holz. Von unten sah es gut aus, aber wenn man aus der Nähe drauf schaute oder es anfasste, sah man die Schäden. Es war nicht komplett kaputt, aber brauchte eine Reparatur. Der Zustand war sehr schlecht. Der Abschnitt von hier bis zum Altar hatte sich um einen halben Meter abgesenkt und drohte einzubrechen." Christian Piacenti

Geburtskirche war "bedrohtes Kulturerbe"

Ein dunkles Loch war die Geburtskirche damals. Die Mosaike an den Wänden und die Malereien an den Säulen waren kaum noch zu erkennen. Räucherkerzen hatten über hunderte von Jahren ihren Teil zum Zustand der Kirche beigetragen. Einer der heiligsten Orte des Christentums stand auf der Unesco-Liste für bedrohtes Kulturerbe. Vorsichtig schabt ein Restaurateur über große schwarze Bodenfliesen, nur wenige Meter vom Altar im orthodoxen Teil der Kirche entfernt.

"Gerade werden die schwarzen Bodenfliesen restauriert, die wir, anders als die weißen, nicht bewegen können. Das würden sie nicht überstehen. Die weißen haben wir rausgenommen, restauriert, gesäubert und zurückgelegt. Das hier machen wir nun direkt vor Ort.“ Christian Piacenti

Die Arbeiten sind aufwendig. Zehn bis 15 Fliesen schaffen wir pro Woche, erzählt Piacenti. Er hat schon in vielen Kirchen gearbeitet, aber diese hier, hat es ihm besonders angetan. Dies hier sei etwas anderes. "Für uns die wichtigste Kirche", sagt Piacenti. Man kenne die Kirche auf der ganzen Welt. Für den Restaurator sei sie zum Zuhause geworden. "Wenn man hier so lange arbeitet, kommt man morgens herein und es fühlt sich warm an – wie zu Hause."

Wärmebildkamera findet verschwundenes Wandmosaik

Ein besonderer Moment war die Entdeckung eines Wandmosaiks, das vorher völlig verschwunden war – des sogenannten siebten Engels. "Wir haben ihn mit einer Wärmebildkamera gefunden", erzählt Christian Piacenti.

"Wir fingen an, tiefer zu kratzen und so legten wir ihn frei. Er war unter dem Putz. Das hat ihn geschützt. Überliefert ist, dass es zehn Engel sein sollten, aber wir konnten nicht sicher sein. Denn man sieht ja nun, dass drei fehlen. Die sind wohl weggeflogen." Christian Piacenti

Renovierung kostet 15 Millionen Euro

15 Millionen Euro hat die Renovierung der Geburtskirche bisher nach offiziellen palästinensischen Angaben gekostet. Wenn Bethlehem im kommenden März offiziell arabische Kulturhauptstadt 2020 wird, sollen die Arbeiten beendet sein. Christian Piacenti aber hat mittlerweile einen guten Grund da zu bleiben. Er hat in Bethlehem seine Liebe gefunden.

"Und ich dachte mir, wieso nicht. Wenn ich hier arbeite, kann ich hier auch eine Familie haben. Ich habe vor fünf Jahren geheiratet und mittlerweile auch einen Sohn. Sein Name ist Matteo. Uns geht es gut." Christian Piacenti

Nächstes Projekt in Bethlehem steht schon fest

Und er kann vielleicht auch noch sehr lange in Bethlehem arbeiten. Nach der Geburtskirche soll nun die Grotte unter dem Gotteshaus restauriert werden. Christian Piacenti wird also eventuell an der Stelle arbeiten, an der Jesus zur Welt gekommen sein soll.

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Hauptschiff der Geburtskirche

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Erneuerung der Bodenfliesen

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Taufbecken, das bei den Arbeiten gefunden wurde

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Christian Piacenti