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Bildrechte: Katharina Pfadenhauer/BR

Die Wasserwacht an einem zugefrorenen See

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Zugefrorene Seen: Vorsicht auf dem Eis

Der Frost lässt die Seen in Bayern wieder zufrieren. Heute waren die Wintersportler wieder auf dem Eis. Aber Vorsicht: auch wenn die Eisdecke sicher aussieht - wie dick das Eis wirklich ist, kann man auf den ersten Blick nicht einschätzen.

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Von
  • Katharina Pfadenhauer

In Augsburg ist eine vierköpfige Familie auf einem zugefrorenen See eingebrochen, in Erlangen ein achtjähriges Mädchen und in München ein Mann und sein Kind. Sie alle blieben unverletzt, aber die Meldungen aus den letzten Wochen zeigen: Man sollte erst aufs Eis gehen, wenn die Fläche offiziell freigegeben ist. Vorher lieber noch etwas warten - und Schlittschuhe putzen.

Wie dick das Eis wirklich ist, kann man auf den ersten Blick gar nicht sehen, sagt Robert Klingel von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG): "Bevor es nicht zumindest einige Tage richtig kalt war, ist das Eis nicht tragfähig und dann ist das Gefrierverhalten auch immer von Gewässer zu Gewässer unterschiedlich."

Mindestens 15 Zentimeter Eisdicke für Tragfähigkeit nötig

Besonders gefährlich ist es an dunklen, nassen Stellen, am bewachsenen Ufer, wenn es matschig aussieht sowie an Stellen, wo die Sonne lange hin scheint, auf fließenden Gewässern und an Zu- und Abflüssen. Tragfähig ist das Eis, wenn es über mehrere Tage richtig kalt war und das Eis zudem mindestens 15 Zentimeter dick ist. Außerdem hält eine Eisschicht länger, wenn sie im Schatten oder unter einer Schneedecke liegt.

"Man sollte auch wissen, dass eine Eisfläche unterschiedliche Stärken haben kann", sagt Robert Klingel von der DLRG. Er empfiehlt, ein Loch ins Eis zu schlagen und so die Eisstärke zu überprüfen. Außerdem sollte man nie alleine aufs Eis gehen und am besten vorher bei den Behörden nachfragen, wie sie das Eis einschätzen. Wenn das Eis zu weich wird, sollte man runter von der Eisfläche, aber nicht hektisch, sondern vorsichtig und langsam.

Wenn das Eis bricht: Flach hinlegen

Wenn es dafür zu spät ist und das Eis bereits zu brechen droht, rät Klingel, sich flach auf die Eisfläche zu legen: "Gewicht verteilen, dass man nicht punktuell das Eis zu sehr belastet." Wer bereits eingebrochen ist, sollte versuchen, sich zurück auf Eis zu ziehen oder, wenn das nicht klappt, sich mit Ellbogen und den Fäusten zum Ufer durchkämpfen. "Und sich bemerkbar machen, so schnell wie möglich, so laut wie möglich", sagt Klingel.

Denn das eiskalte Wasser verursacht schneidende Schmerzen und raubt dem Körper Muskelkraft. Einem Verunfallten bleiben nur wenige Minuten Zeit, sich selbst zu retten. Für Helfer gilt: Erst einmal den Notruf absetzen, dann versuchen, dem Verunfallten einen langen Gegenstand zu reichen. "Das kann ein Ast sein, ein Gürtel, eine Leiter oder Hundeleine, ein Seil, oder man knotet mehrere Jacken zu einem Seil."

Beim Rettungsversuch langsam zum Eisloch kriechen und sich vorsichtig und flach auf das Eis legen. "Bitte niemals dem Verunfallten die Hand reichen", mahnt Klingel, "die Leute sind so verzweifelt, dass sie einen im Zweifel mit ins Wasser reinziehen."

Erste Hilfe für Unterkühlte: Nicht zu viel bewegen

Menschen, die längere Zeit im Wasser lagen, sollte man nicht zu sehr bewegen, da der Körper stark unterkühlt ist. Wenn das kalte Blut zurück in den Blutkreislauf fließt, kann es zur Ohnmacht, zu einem Kreislaufkollaps oder im schlimmsten Fall zu einem Herzstillstand kommen. "Bitte immer die Leute ruhig halten und langsam wieder aufwärmen", sagt DLRG-Mitglied Klingel.

So verlockend zugefrorene Gewässer auch sind: Wer sich darauf begibt, handelt auf eigene Gefahr. Und grundsätzlich gilt: Ein Knistern oder Knacken der Eisschicht ist der letzte Hinweis dafür, dass das Eis womöglich nachgibt.

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