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Zu wenig Fläche für Naturwälder in Deutschland | BR24

© picture alliance / Prisma

Ein Buchenwald in Deutschland - und kein Naturwald

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    Zu wenig Fläche für Naturwälder in Deutschland

    Gerade mal 2,8 Prozent der Wälder in Deutschland dürfen sich bisher natürlich entwickeln. Damit wird die Bundesregierung ihre selbst gesteckten Ziele verfehlen, bis 2020 fünf Prozent des Waldes nicht mehr forstwirtschaftlich zu nutzen.

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    Die Bundesregierung wird wahrscheinlich ihr Ziel verfehlen, bis 2020 fünf Prozent der Waldfläche in Deutschland für eine natürliche Entwicklung zu sichern. Das geht aus einer Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet. Demnach werde der Natur derzeit auf 2,8 Prozent der bundesweiten Waldfläche "freier Lauf" gelassen, was in etwa 3240 Quadratkilometern entspreche.

    "In Deutschland braucht es mehr Platz für Natur ohne Nutzung", sagte Steffi Lemke, naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen der Zeitung. Solche Flächen seien wichtig für Arten- und Klimaschutz.

    Mehr Urwälder für Deutschland

    2007 hatte die Bundesregierung die "Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt" beschlossen. Eines der Ziele lautete, dass der Anteil der Naturwälder bis 2020 fünf Prozent umfassen soll. Im Jahr 2013 wurden die ersten Ergebnisse präsentiert. Damals waren 1,9 Prozent der deutschen Waldfläche, mit einer schwachen Prognose für nach 2020 von drei Prozent, rechtlich gesichert.

    Bayern hat viele Wälder, aber nur wenige Naturwälder

    "Viele bayerische Wälder sind Plantagen von dünnen Nadelbäumen für die intensive Forstwirtschaft", schreibt Greenpeace Bayern. Naturwälder seien dagegen Wälder mit Bäumen, die alt werden dürfen, heimischen Laubbäumen, Totholz als Lebensraum für viele andere Lebewesen und wertvollem Humusboden.

    "Nur 1,26 Prozent der Waldfläche in Bayern dürfen sich dauerhaft natürlich entwickeln", heißt es bei Greenpeace weiter. Ein Gesamtkonzept für holznutzungsfreie Waldgebiete sei bisher am Widerstand von Großprivatwaldbesitzern und Spitzen der staatlichen Forstverwaltungen gescheitert.

    "Armutszeugnis" für Deutschland

    Die Naturschutzorganisation Nabu kritisierte bereits Anfang April die zu geringe Fläche an Naturwäldern in Deutschland.

    "Es ist ein Armutszeugnis, dass Deutschland es nicht hinbekommt, dieses zentrale Naturschutzziel umzusetzen." Olaf Tschimpk,Nabu-Präsident

    Zwei Prozent Wildnisgebiete

    Neben dem sogenannten Fünf-Prozent-Ziel "Wälder mit natürlicher Waldentwicklung" gibt es in der Biodiversitäts-Strategie auch das Ziel, zwei Prozent der Landesfläche als Wildnisgebiete auszuweisen. Die beiden Ziele unterscheiden sich vor allem in der Mindestflächengröße. Während die "Urwälder von morgen" mindestens 0,3 Hektar groß sein müssen, um in die Bilanz aufgenommen zu werden, müssen Wildnisgebiete größer als 1000 Hektar sein. Große Waldgebiete tragen damit zu beiden Zielen bei, kleine dagegen nur zum Fünf-Prozent-Ziel.