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Zölibats-Debatte: Papst enttäuscht Hoffnung auf Reform | BR24

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Papst gegen Lockerung beim Zölibat

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Zölibats-Debatte: Papst enttäuscht Hoffnung auf Reform

Mit dem heute veröffentlichten Schreiben hat Papst Franziskus all die Katholiken enttäuscht, die auf eine Lockerung des Zölibats gehofft hatten. Im Herbst hatte die Amazonas-Synode empfohlen, verheiratete Priester in Ausnahmen zu erlauben.

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Das Schreiben zur Synode, bei der sich im Herbst 2019 Kardinäle und Bischöfe aus dem Amazonasgebiet in Rom eingefunden hatten, war mit Spannung erwartet worden. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit (128 Synodale) sprach sich damals dafür aus, sogenannte "viri probati", also verheiratete Männer, aufgrund des Priestermangels in Ausnahmen zur Priesterweihe zuzulassen. Denn die pastorale Situation im Amazonas ist prekär. Manche Gemeinden schaffen es nicht, zumindest einmal im Jahr Messe zu feiern.

Frauendiakonat und Zölibat - die Begriffe werden nicht genannt

Diese Erwartungen dämpft Papst Franziskus schon in den Vorbemerkungen zu seinem Schreiben: Er wolle einen Reflexionsrahmen bieten, um einigen großen Anliegen Amazoniens "Gestalt zu geben", heißt es dort. Es gehe um eine Orientierungshilfe für "eine harmonische, schöpferische und fruchtbare Rezeption des ganzen synodalen Weges". Er habe nicht vor, das Schlussdokument der Synode zu ersetzen; stattdessen lädt er dazu ein, "es ganz zu lesen". Das Wort Zölibat fällt in seinem Schreiben kein einziges Mal, auch vom Diakonat der Frau ist keine Rede.

Vier Visionen

In vier Kapiteln beschreibt das Kirchenoberhaupt seine Visionen für die Zukunft des Amazonasgebiets und zwar nicht nur kirchlicherseits. Es geht um das soziale und kulturelle Zusammenleben, auch um das ökologische Gleichgewicht und welchen Beitrag die katholische Kirche dazu leisten könnte.

Den strittigen Themen Zölibat und Diakonat der Frau widmet sich Franziskus im vierten Kapitel. Vorab wirbt er für Toleranz und Offenheit im Umgang mit den Glaubenspraktiken im Amazonasgebiet. Religiöse Ausdrucksformen, "die sich spontan aus dem Leben der Völker ergeben", sollten nicht als Aberglaube oder Heidentum bezeichnet werden. Konkrete Entscheidungen, wie das kirchliche Leben vor Ort aufrechterhalten werden könne, trifft er nicht.

Papst: Nur geweihte Priester können Eucharistie feiern

Zwar müsse der kirchliche Dienst so gestaltet werden, "dass er einer größeren Häufigkeit der Eucharistiefeier dient". Laien könnten "das Wort verkünden, unterrichten, ihre Gemeinschaften organisieren, einige Sakramente feiern, verschiedene Ausdrucksformen für die Volksfrömmigkeit entwickeln und die vielfältigen Gaben, die der Geist über sie ausgießt, entfalten". Die Eucharistie könne aber nur ein geweihter Priester feiern. Er ermutige deshalb alle Bischöfe, für Priesterberufungen zu beten und den Nachwuchs dazu zu bewegen, "sich für das Amazonasgebiet zu entscheiden".

Über die Rolle der Frauen spricht Papst Franziskus am Ende des vierten Kapitels. "In Amazonien gibt es Gemeinschaften, die lange Zeit hindurch sich gehalten und den Glauben weitergegeben haben, ohne dass dort – manchmal jahrzehntelang – ein Priester vorbeigekommen wäre." Das sei starken und engagierten Frauen zu verdanken, die dort tauften, Katechesen hielten oder den Menschen das Beten beibrachten. Das Zeugnis dieser Frauen habe die Synodenteilnehmer im Herbst beeindruckt. Franziskus leitet daraus dennoch keine Weihemöglichkeit für Frauen ab.

Papst: Frauen zu weihen, würde ihren geleisteten Beitrag schmälern

Denn das Kirchenverständnis dürfte nicht "auf funktionale Strukturen" reduziert werden, schreibt Franziskus unter Punkt 100. Das könnte zu der Annahme führen, "dass den Frauen nur dann ein Status in der Kirche und eine größere Beteiligung eingeräumt würden, wenn sie zu den heiligen Weihen zugelassen würden". Das würde zu einer "Begrenzung der Perspektive" führen, schlussfolgert das katholische Kirchenoberhaupt: Eine "Klerikalisierung der Frauen" würde den Wert dessen, was die Frauen bereits in der Vergangenheit gegeben hätten, schmälern und "auf subtile Weise zu einer Verarmung ihres unverzichtbaren Beitrags führen".

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