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Zölibat-Streit: Benedikt XVI. will nicht Co-Autor sein | BR24

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Auf dem Titel des Buchs ist Benedikt mit Kurienkardinal Sarah abgebildet. Beide sind als Autoren genannt - was nun für Streit sorgt.

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Zölibat-Streit: Benedikt XVI. will nicht Co-Autor sein

Nach der Aufregung um Zitate von Benedikt XVI. aus einem Buch zum Zölibat geht der emeritierte Papst auf Distanz. Laut seinem Privatsekretär will Benedikt nicht mehr als Co-Autor genannt werden und auch nicht auf dem Cover erscheinen.

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Die Äußerungen des emeritierten Papstes Benedikt zum Zölibat sorgen im Vatikan weiter für helle Aufregung. Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein erklärte nun mehreren Medien, dass Benedikt nicht als Co-Autor eines entsprechenden Buches auftreten wollte. Er habe den Herausgeber, Kurienkardinal Robert Sarah, aufgefordert, dieser möge beim Verlag die Entfernung von Namen und Bild Benedikts XVI. vom Bucheinband veranlassen. Auch solle die Unterschrift Benedikts XVI. unter Einführung und Schlussfolgerungen in dem Buch "Des profondeurs de nos coeurs" (Aus den Tiefen unserer Herzen) gestrichen werden, weil er diese nicht mitverfasst habe.

Gänswein: "100 Prozent Benedikt" im Hauptteil

Der Beitrag mit dem Namen des emeritierten Papstes im Hauptteil sei allerdings "100 Prozent Benedikt", so Gänswein. Das Buch soll am Mittwoch in Frankreich sowie im Februar auch in USA und Deutschland erscheinen. Den Text über das Priestertum habe der emeritierte Papst im Sommer 2019 geschrieben, so Gänswein. Diesen habe Benedikt XVI. Sarah auf dessen Bitten zur freien Verfügung gegeben.

Er habe auch gewusst, dass der Text in einem Buch erscheinen solle. Benedikt XVI. sei aber nicht über die tatsächliche Form und Aufmachung des geplanten Buches informiert gewesen, so Gänswein. Dem widerspricht eine Mitteilung von Sarah auf Twitter. Am 19. November habe er dem emeritierten Papst ein komplettes Manuskript inklusive Buchcover vorgelegt. 25. November habe ihm der Benedikt seine Zufriedenheit mit den Texten übermittelt, sie könnten in dieser Form veröffentlicht werden.

Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein hatte zudem moniert, die Frage der Rechte an dem Text, der von Benedikt XVI. stammt, sei nicht geklärt. So hätte der Emeritus als Co-Autor einen Vertrag mit dem Verlag Fayard schließen müssen, den es aber nicht gebe. "Es handelte sich um ein Missverständnis, ohne dabei die guten Absichten von Kardinal Sarah in Zweifel zu ziehen", so Gänswein.

Debatte um Zölibat wird zu Debatte um Neben-Papst

Die Vorabveröffentlichung von Auszügen in der Zeitung "Le Figaro" am Montag sorgt für eine Debatte, der frühere Papst falle damit dem Amtsinhaber Franziskus in den Rücken. Begründet wird dieser Gegensatz mit dem von Franziskus angekündigten nachsynodalen Schreiben zur Amazonas-Synode. Deren Teilnehmer hatten sich zum Abschluss mehrheitlich für eine begrenzte ausnahmsweise Lockerung des Zölibats ausgesprochen, um gegebenenfalls Ständige Diakone zu Priestern weihen zu können. Franziskus selbst hat aber mehrfach betont, dass er für keinen freiwilligen Zölibat sei. Ausnahmen könne es allenfalls in sehr entlegenen Gebieten bei pastoraler Notwendigkeit geben.

Zuvor hatte Kardinal Robert Sarah auf Twitter Manipulationsvorwürfe zurückgewiesen. Benedikt habe gewusst, dass ihr Projekt die Form eines Buches annehmen würde, schrieb der erzkonservative Geistliche auf dem Kurznachrichtendienst. Es seien viele Entwürfe ausgetauscht worden, um Korrekturen vorzunehmen. Zuvor hatte er bereits Fotos von drei Briefen Benedikts 2019 getwittert, die deutlich machen sollten, dass der frühere Papst ihm den Text zur Verfügung stellte und freigab.