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Zitterpartie in Großbritannien: Das Duell Johnson gegen Corbyn | BR24

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Der Ausgang der Wahl im vereinigten Königreich wird mit Spannung erwartet. Für viele Briten ist es eine Schicksalswahl, in der Frage des Brexits ist die Bevölkerung gespalten. Vor allem jüngere Wähler sind mehrheitlich dagegen.

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Zitterpartie in Großbritannien: Das Duell Johnson gegen Corbyn

Spannung bis zuletzt: Sollte Premierminister Boris Johnson bei der heutigen Parlamentswahl eine Mehrheit verfehlen, stünde auch der Brexit auf der Kippe. Zuletzt war der Vorsprung Johnsons geschrumpft.

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Mehr als drei Jahre nach dem Brexit-Referendum wählen die Briten wieder ein neues Parlament. Es ist bereits die dritte Wahl in weniger als fünf Jahren.

Der Ausgang der Abstimmung im Vereinigten Königreich wird mit Spannung erwartet. Für viele Briten ist es eine Schicksalswahl, in der Frage des Brexits ist die Bevölkerung gespalten. Vor allem jüngere Wähler sind mehrheitlich dagegen. So haben sich diesmal weitaus mehr Jungwähler als bei der Parlamentswahl 2017 für die Wahl registrieren lassen. Von Ihnen erhofft sich Labour-Chef Jeremy Corbyn einen zusätzlichen Schub, um die absolute Mehrheit für den bisherigen Amtsinhaber zu verhindern. Derzeit führt Johnson eine Minderheitsregierung an.

Vorsprung der Konservativen ging zurück

Der Vorsprung der Konservativen vor Labour hatte sich laut Umfragen zuletzt verringert. Genaue Voraussagen sind jedoch auf Grund des britischen Mehrheitswahlrechts schwer zu treffen, da es in vielen Wahlkreisen ein Kopf-an-Kopf-Rennen gibt. Nur wenige Stimmen Vorsprung können reichen, um ins Parlament einzuziehen.

Premier Johnson hat den Briten versprochen, im Falle eines Wahlsiegs seinen mit der EU ausgehandelten Brexit-Deal wieder ins Parlament einzubringen und die jahrelange Hängepartie zu beenden. Nach seinem Willen soll Großbritannien die Europäische Union dann zum 31. Januar verlassen. Jeremy Corbyn von der Labour-Partei will hingegen nachverhandeln und einen weicheren Brexit erzielen. Über eine solche Vereinbarung soll dann, nach seinen Vorstellungen, in einem erneuten Referendum abgestimmt werden.

Wahllokale schließen um 23 Uhr

Die Wahllokale werden um 23 Uhr deutscher Zeit schließen. Unmittelbar danach werden erste Prognosen nach Wählerbefragungen erwartet.

In London berichteten Wähler von ungewöhnlich langen Schlangen vor mehreren Wahllokalen. In Bermondsey and Old Southwark sagte ein 27-Jähriger: "Für viele ist es eben die Wahl unseres Lebens." Andere waren sehr besorgt: "Ich finde, man kann die Wahl zwischen Boris Johnson und Jeremy Corbyn mit der Abstimmung damals in den USA über Donald Trump und Hillary Clinton vergleichen: Beide sind Teufel", sagte ein Brite, der in der Nähe des Londoner Parlaments arbeitet.

Aufruf zum taktischen Wählen bei der Parlamentswahl

Die größte Oppositionspartei Labour konnte zuletzt in Umfragen deutlich zulegen. Vor allem in Mittel- und Nordengland liefern sich die Konservativen und die Labour-Partei um Corbyn ein enges Rennen. Brexit-Gegner hatten hier zum taktischen Wählen gegen konservative Kandidaten aufgerufen.

Das Mehrheitswahlrecht in Großbritannien kennt nur Direktmandate. Ins Parlament ziehen die Kandidaten mit den jeweils meisten Stimmen in einem der 650 Wahlkreise ein - egal wie knapp ihr Sieg war. Die Stimmen der unterlegenen Kandidaten verfallen. Das macht es sehr schwer, aus landesweiten Umfrageergebnissen auf die mögliche Sitzverteilung im Parlament zu schließen.

"Hung Parliament" ist möglich

Es ist nicht ausgeschlossen, dass es zu einem "Hung Parliament" kommt, einer Sitzverteilung, die keiner der beiden großen Parteien eine Regierungsbildung mit eigener Mehrheit ermöglicht. Dann wäre sogar eine Minderheitsregierung mit Corbyn als Premier denkbar.

Johnson und Corbyn sind bei den Wählern nicht besonders populär. Viele Briten stufen den Premierminister, der den Brexit zum 31. Januar durchziehen will, nicht als vertrauenswürdig ein. Corbyn, der vor allem auf soziale Themen wie Gesundheit und Bildung setzt, hat sich lange Zeit nicht klar zum Brexit positioniert.

Mit Material von dpa

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Mehr als drei Jahre nach dem Brexit-Referendum wählen die Briten wieder ein neues Parlament. Es ist bereits die dritte Wahl in weniger als fünf Jahren. Umfragen sahen den konservativen Premierminister Boris Johnson stets deutlich vorn.