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Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) bei einem gemeinsamen Wahlkampftermin im Mai 2017 in einem Bierzelt auf der Truderinger Festwoche.
© BR/Stefanie Wermter

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Björn Dake
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Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) bei einem gemeinsamen Wahlkampftermin im Mai 2017 in einem Bierzelt auf der Truderinger Festwoche.

Uwe Schummer findet Angela Merkel toll. "Sie hat auch in schwierigsten Zeiten ganz klar Kurs gehalten. Ich finde, das zeichnet Merkel aus, das zeichnet die Union aus und das soll auch weiter so sein."

Schummer sitzt für die CDU im Bundestag. Er vertritt die Arbeitnehmergruppe in der Unionsfraktion, ist Vorsitzender der Lebenshilfe in Nordrhein-Westfalen und war mal Büroleiter von Norbert Blüm. Schummer stammt vom Niederrhein. Er lacht viel und betont, wie wichtig ihm das Christliche sei in CDU und CSU.

"Union der Mitte" gegen "Werte-Union"

Der 60-Jährige unterstützt die in Bayern gegründete "Union der Mitte". Er findet, dass die konservativen Stimmen in der Union in den vergangenen Monaten zu laut waren und wirft ihnen vor, der AfD hinterherzulaufen.

Eine dieser Stimmen ist Alexander Mitsch. Er ist Vorsitzender der "Werte-Union". Die "Union der Mitte" sieht er kritisch. Er nennt sie "eine Gruppe von Linken in der Union". Sie verfolge eine "Art Wagenburg-Taktik um die derzeitige Parteiführung". Mitsch spricht von der "Parteiführung". Den Namen "Merkel" nennt er in unserem Gespräch kein einziges Mal.

Mitsch ist Beisitzer im CDU-Kreisvorstand Rhein-Neckar. Der 50-Jährige bezeichnet sich als wirtschaftsliberal und wertkonservativ. Lange hat er die Politik der Kanzlerin unterstützt. Dann kamen die Griechenland-Rettung, der Ausstieg aus der Kernkraft und vor drei Jahren die Flüchtlingskrise. "Masseneinwanderung" sagt Mitsch.

Angela Merkel soll abtreten

In einem Thesenpapier fordert die "Werte-Union", dass die CDU beim nächsten Parteitag eine neue Spitze wählt. Wörtlich heißt es außerdem: "Zur Vorbereitung auf die nächste Bundestagswahl ist eine geordnete Übergabe des Kanzleramts zu terminieren."

Mitsch betont, dass die "Werte-Union" mittlerweile in allen 16 Bundesländern vertreten ist. Allein der bayerische Landesverband habe bei Facebook mehr als 11.000 Anhänger. Der Diplom-Kaufmann wolle keine Spaltung der Union. Sollte die CSU aber bundesweit antreten, stünden 90 Prozent der Anhänger der "Werte-Union" bereit.

Mitsch hat das Gefühl, die Union werde seit Jahren aus dem Kanzleramt geführt. Nun sei es Zeit, wieder eigenständiger zu werden.

Abgeordnete vermissen Diskussionen

Die Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel findet, dass einige Themen momentan zur kurz kommen. Sie nennt die Innere Sicherheit, Islam und den Schutz der Bevölkerung. Sie wolle diskutieren: "Wo gehen wir hin, wo driften wir hin?" Die Düsseldorfer CDU-Politikerin ist Sprecherin des "Berliner Kreises". Dort organisieren sich vor allem aktuelle und ehemalige Bundestagsabgeordnete der Union. Zur ersten Reihe der Politik gehören sie nicht.

Pantel redet im Interview über rechtsfreie Räume, kriminelle Clans und Zwangsheiraten. Diese Probleme seien bekannt, würden aber zu wenig diskutiert. Die 57-Jährige vermisst eine Streitkultur. Sie sagt: "Die Parteispitze sollte zuhören. Hier gibt es nicht rechts oder links, richtig oder falsch. Jeder muss seine Position benennen dürfen und nicht diffamiert oder beschimpft werden."

Auf Parteichefin Merkel angesprochen, sagt Pantel, es gehe ihr nicht um Personen. Sie sei aber eine Freundin davon, dass alles eine begrenzte Zeit dauert und man die Nachfolge frühzeitig regelt.

Ungewöhnlicher Flügelstreit der Union

Bisher ist es der Union immer gelungen, die unterschiedlichen Strömungen zusammenzuhalten: Katholiken und Protestanten. Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Soziale, Liberale und Konservative. Der ungewöhnlich offen geführte Richtungsstreit jetzt könnte eine historische Wegmarke sein.

Noch haben die Parteispitzen in München und Berlin keine klare Strategie gefunden, wie sie mit den Flügelkämpfen umgehen. Unions-Fraktionschef Volker Kauder warnt vor einer Zirkelbildung. CSU-Generalsekretär Markus Blume will verhindern, dass das Konzept der Volkspartei erodiert. Die CDU-Spitze will nächsten Montag im Bundesvorstand beraten, wie es mit den unterschiedlichen Gruppen weiter gehen soll.

Beschimpfungen im Netz

Uwe Schummer sieht die Diskussion gelassen. Er nennt sie ein "Lebenselixier" und spricht von einer bunten, munter diskutierenden Union. So werde Demokratie lebendig.

Lebendig geht es vor allem im Netz zu. Anhänger der konservativen "Werte-Union" und der liberalen "Union der Mitte" werfen sich gegenseitig vor, die Union zu spalten. Es wirkt, als habe es den Asylkompromiss zwischen CDU und CSU nie gegeben.