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Trauerfeier in Hanau: "Anschlag auf unsere Freiheit" | BR24

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Zur Trauerfeier in Hanau sind auch Bundespräsident Steinmeier und Kanzlerin Merkel gekommen.

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Trauerfeier in Hanau: "Anschlag auf unsere Freiheit"

Bei der zentralen Trauerfeier für die Opfer von Hanau hat Frank-Walter Steinmeier die Gewalttat als "Anschlag auf unsere Freiheit" bezeichnet. Für den Bundespräsidenten ergibt sich daraus ein klarer Auftrag für Staat und Gesellschaft.

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Zwei Wochen nach den rassistischen Morden von Hanau sind in der hessischen Stadt am Abend knapp 700 geladene Gäste zu einer zentralen Trauerfeier zusammengekommen. Neben den Freunden und Angehörigen der zehn Todesopfer nahmen unter anderen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) an dem Gedenken teil.

Hanau plant Gedenkstätte für die Opfer

Der Anschlag wird nach den Worten von Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) für immer mit der Stadt verbunden sein: "Dies tut unendlich weh. Auch wenn dieser Schmerz nicht mit dem Leid der Opfer und dem Schmerz der Angehörigen zu vergleichen ist." Er kündigte eine Gedenkstätte für die Opfer an.

"Lasst uns bitte gemeinsam gegen Hass und Hetze vorgehen", sagte Kemal Kocal in seiner Rede. Er war ein Freund mehrerer Opfer und Betreiber des Kiosks, in dem vier Menschen getötet worden sind. Er richtete dabei seine Forderung explizit an diejenigen, "die oben am Hebel stehen".

"Ich verstehe nicht, wie so etwas passieren konnte in dieser Stadt. Was passiert ist, tut mir in der Seele weh." Kemal Kocak, Freund mehrerer Opfer

Steinmeier: "Demokratie aktiv verteidigen"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die gesamte Gesellschaft zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen. Bei der Trauerfeier forderte er den Staat auf, mehr dafür zu tun, dass alle Menschen in Deutschland sicher seien.

Er bezeichnete die Gewalttat als "Anschlag auf den gesellschaftlichen Frieden" in Deutschland. Außerdem lud er die Angehörigen der Opfer zu einem Treffen nach Berlin ein.

"Dieser Anschlag hat angeblichen Fremden gegolten, getroffen hat er Menschen." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Als Bundespräsident habe er eine klare Botschaft: Jeder Mensch, der in unserem gemeinsamen Land lebe, müsse in Sicherheit und Frieden leben können. Unser Staat habe die Pflicht, dieses Recht zu schützen. Dafür müsse er mehr tun - dafür müsse er alles tun.

"Demokratie lebt nicht, weil das Grundgesetz sie verordnet. Sie lebt und bleibt, wenn wir sie wollen und uns in ihr engagieren - gegen die, die sie in Frage stellen oder bekämpfen. Wir müssen sie aktiv verteidigen. Wir. Der Staat. Ich." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Bundespräsident sieht Hass im Netz mitverantwortlich

Das Verbrechen habe eine "Vorgeschichte", sagte Steinmeier. "Eine Vorgeschichte der Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen mit Migrationsgeschichte, von Muslimen, von angeblich Fremden. Eine Vorgeschichte geistiger Brandstiftung und Stimmungsmache. Eine Vorgeschichte des Hasses, der sich in den sogenannten sozialen Medien, aber längst nicht nur da, schonungslos über seine Opfer ergießt." In diesem Klima würden die Hetzer immer schamloser, agierten immer offener, versteckten sich nicht mehr.

Neun Opfer mit Migrationshintergrund

Bei den Schüssen in den zwei Shisha-Bars in Hanau sind am 19. Februar neun Menschen getötet worden. Sechs wurden verletzt, einer davon schwer. Einige Stunden nach der Gewalttat haben Spezialkräfte der Polizei die Leiche des mutmaßlichen Täters in seiner Wohnung gefunden. Neben ihm lag seine 72-jährige Mutter, ebenfalls tot.

Neun Tote, also alle außer der Mutter des Täters, hatten einen Migrationshintergrund. Fünf der Opfer hatten die türkische Staatsbürgerschaft. Auch vier der fünf Verletzten hatten ausländische Wurzeln.

© REUTERS / Kai Pfaffenbach

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterschreibt das Kondolenzbuch bei der Gedenkfeier für die Opfer des Anschlags von Hanau.

© REUTERS / Kai Pfaffenbach

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, begleitet von seiner Ehefrau Elke Büdenbender, unterschreibt das Kondolenzbuch.

© REUTERS / Kai Pfaffenbach

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU, 2.v.r), seine Frau Ursul (2.v.l), OB Claus Kaminsky (r), seine Frau (l), Bundeskanzlerin Merkel (CDU).