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Zeitumstellung wird wohl noch eine Zeit lang bleiben | BR24

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Ist es in Europa bald vorbei mit Sommerzeit und Winterzeit? Die Umsetzung der Forderung ist komplizierter als es auf den ersten Blick scheint.

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Zeitumstellung wird wohl noch eine Zeit lang bleiben

Heute war Zeitumstellung. Um drei Uhr in der Früh wurden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt, auf zwei Uhr. Trotz zahlreicher Kritik hierzulande wird ein Ende der Zeitumstellung in Europa im Jahr 2021 zunehmend unwahrscheinlich.

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Die Zeitumstellung gehört abgeschafft, meinte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Europaparlament im vergangenen Jahr. Damals lehnte er sich offensichtlich sehr weit aus dem Fenster, wie sich jetzt zeigt.

"Die Menschen wollen das, wir machen das!" EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker

Zeitumstellung vor allem Thema im deutschsprachigen Raum

Zuvor hatte Juncker eine Befragung im Internet durchgesetzt. Sehr eindeutiges Ergebnis: Die übergroße Mehrheit sprach sich gegen die Zeitumstellung zwei Mal im Jahr aus. Allerdings gab es auch einen kleinen Schönheitsfehler: Es hatten sich fast ausschließlich Deutsche an der Befragung beteiligt, ein paar Österreicher noch dazu und auch einige Luxemburger - in manch anderem Land dagegen konnten sich dagegen mehr als 99 Prozent der Bevölkerung nicht einmal aufraffen, mit ihrer Computermaus auf Zeitumstellung Ja oder Nein zu klicken.

"Nur im deutschsprachigen Raum gab es eine größere Diskussion, in allen anderen Ländern ist das mehr oder weniger akzeptiert." Früherer Europaabgeordneter Werner Langen (CDU)

Rund um das Mittelmeer beispielsweise beschäftigt die Zeitumstellung kaum jemanden. Aus Portugal kam schon die klare Ansage, am liebsten gar nichts ändern zu wollen. Griechenland hatte sich mal ähnlich geäußert.

Bei denen wiederum, die auf die Zeitumstellung gerne verzichten würden, gehen allerdings die Meinungen klar auseinander, wo es hingehen soll: Die einen wollen die ewige Sommerzeit, die anderen die ewige Winterzeit - die eigentliche Normalzeit. Und befasst man sich erst einmal tiefer damit, dann merkt man, dass diese Frage keine Frage des Geschmacks ist.

Zeitumstellung als europäischer Kompromiss

Aber von vorne: Die Mitteleuropäische Zeitzone orientiert sich seit Ende des 19. Jahrhunderts am 15. Längengrad, der unter anderem durch das sächsische Görlitz verläuft. Ginge man nur nach dem Sonnenstand, müssten die Beneluxstaaten, Frankreich und Spanien zur Westeuropäischen Zeit gehören, die in England und Portugal gilt.

Um aber möglichst viele Menschen mit der gleichen Uhrzeit zu haben, was beispielsweise den Binnenmarkt, aber auch das Reisen im Kern der EU viel einfacher macht, hat man die Mitteleuropäische Zeit eben künstlich ausgedehnt. Durch die Zeitumstellung werden die größten Abweichungen einigermaßen elegant ausgeglichen. Ein Beispiel: Würde überall künftig im ganzen Jahr die Sommerzeit gelten, würde es in der Bretagne und im Norden Spaniens im Dezember und Januar erst nach 10 Uhr am Vormittag hell. Andersherum hieße ewige Winterzeit für den Osten Polens und der Slowakei, dass dort im Juni schon mitten in der Nacht die Sonne aufgeht. Was auch nur die wenigsten wollen. Die Zeitumstellung ist quasi ein europäischer Kompromiss. Trotzdem bleiben die Berichte von Menschen, die gesundheitliche Probleme haben durch das Vor- und Zurückstellen zweimal im Jahr.

"Niemand würde die Zeitumstellung einführen, wenn sie nicht schon gelten würde. Man sollte also die Probleme, die bei der Abschaffung entstehen, jetzt nicht durch das Vergrößerungsglas sehen." Arzt und Europaabgeordneter Peter Liese

Offen, wie lange die Uhren noch umgestellt werden

Das Thema liegt auf jeden Fall bei den Verkehrsministern auf dem Tisch. Sie sind es, die im Institutionengefüge der EU zuständig sind und die Frage zuletzt erneut vertagt hatten, weil sich keine Lösung abzeichnet.

Das heißt: Das aktuelle Zurückstellen der Uhr wird nicht das letzte gewesen sein. Spätestens Ende März heißt es dann wieder: "Uhren eine Stunde vor!". Wie lange das zwei Mal im Jahr noch so geht, ist also noch völlig offen.