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Zeitschriftenkrise: Werbung und Veranstaltungen brechen weg | BR24

© BR/Sissi Pitzer

Für die Zeitschriftenverlage war die Lage im Geschäftsjahr 2019 schon ernst – doch in der Corona-Krise wird es dramatisch: Anzeigenrückgänge um bis zu 80 Prozent, viele Verkaufsstellen geschlossen, die meisten Verlage demnächst in Kurzarbeit

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Zeitschriftenkrise: Werbung und Veranstaltungen brechen weg

Für die Zeitschriftenverlage war die Lage im Geschäftsjahr 2019 schon ernst – doch in der Corona-Krise wird es dramatisch: Anzeigenrückgänge um bis zu 80 Prozent, viele Verkaufsstellen geschlossen, die meisten Verlage demnächst in Kurzarbeit

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Es ist paradox: Die Nachfrage ist da, doch das Geschäft geht den Bach runter. Die digitalen Zugriffe auf Medieninhalte steigen in der Krise, doch das bringt kaum zusätzliche Werbeerlöse. Menschen, die zu Hause bleiben müssen, greifen häufiger zu gedruckten Zeitschriften, vor allem die Bereiche Unterhaltung, TV-Programm sowie Angebote für Kinder und Jugendliche, Frauen und Mädchen legen zu.

Düster sieht es dagegen für Special-Interest-Blätter aus, beispielsweise über Outdoor-Hobbies, Sport oder Theater, ebenso für Stadtmagazine und Corporate Publikationen wie zum Beispiel das Lufthansa-Magazin. Manche Fachpublikationen, die sich an bestimmte Berufsgruppen richten und einen Teil ihres Umsatzes mit darauf abgestimmten Messen und Tagungen machen, wurden auf Null heruntergefahren. Auch bayerische Stadtmagazine und Kulturzeitschriften wie die "Muh" haben schwer zu kämpfen.

Insgesamt liegen seit Beginn des Lockdown die Anzeigeneinbußen der Zeitschriften zwischen 20 und 80 Prozent, so der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) bei seiner heutigen Online-Jahrespressekonferenz.

Offene Vertriebswege sind wichtig

Von den knapp 6.300 bundesweiten Verkaufsstellen sind zwar nur acht Prozent geschlossen – doch darunter sind besonders publikumsstarke wie Läden an Flughäfen, Bahnhöfen, Tankstellen und in Tourismuszentren. Am wichtigsten sind derzeit die Zeitschriftenständer im Lebensmittelhandel.

Von den über 7.000 Zeitschriftentiteln in Deutschland sind die meisten Fachtitel, die knapp 1.600 Publikumszeitschriften verkaufen im Jahr 1,5 Milliarden Exemplare. Davon werden 40 Prozent im Abo ausgeliefert. Die Zustellungskosten per Post sind ein heftiger Kritikpunkt des VDZ. Weitere Porto-Erhöhungen seien für die Verlage nicht zu stemmen, Presseerzeugnisse müssten zu bezahlbaren Kosten zum Publikum gelangen können.

VDZ-Vizepräsident Philipp Welte, Vorstand bei Burda Media, forderte einen runden Tisch mit Post und Bundesregierung. Die vom Parlament bereits beschlossene Förderung für die Zeitungszustellung in Höhe von 40 Millionen Euro müsse die Zeitschriften miteinbeziehen. "Gerade in der Krise zeigt sich: Wir sind mit unseren journalistischen Inhalten systemrelevant", so Welte.

Keine Glaskugel

Ein zuverlässiger Ausblick für das laufende Jahr, wie er normalerweise auf der jährlichen Pressekonferenz gegeben werde, sei derzeit nicht möglich, betonte Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer der VDZ. Man wisse nicht, wann und wie stark die Werbetreibenden zurückkämen, ob und wann wieder Veranstaltungen möglich seien und ob das Publikum die dann auch annehme.

Derzeit rechnet der VDZ aufs Jahr gesehen damit, dass im Durchschnitt ein Viertel der Werbeeinnahmen wegfallen und knapp die Hälfte des Veranstaltungsgeschäfts.

Bei einer aktuellen Trendumfrage des Verbandes gaben 80 Prozent der Verlage an, dass sie Kurzarbeit erwägen oder bereits eingeführt haben: Ein Drittel flächendeckend in allen Bereichen, die Hälfte lediglich in einzelnen, besonders betroffenen Abteilungen wie dem Veranstaltungsmanagement oder dem Anzeigenverkauf.

Insolvenzen wurden bisher noch nicht bekannt, sind angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung aber möglich, auch Übernahmen sind wahrscheinlicher geworden, vor allem bei kleineren, mittelständischen Verlagen. Das sei Teil einer beschleunigten Marktbereinigung, bedauerte VDZ-Präsident Rudolf Thiemann.