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"Inzidenz unter 10 weit weg": Debatte über Öffnungsplan | BR24

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Deutschland sehnt sich nach Lockerungen. Doch die wieder steigenden Infektionszahlen weisen in eine andere Richtung. Gesundheitsminister Spahn hält einen längerfristigen Öffnungsplan derzeit für unrealistisch: Eine Inzidenz von unter 10 sei weit weg.

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"Inzidenz unter 10 weit weg": Debatte über Öffnungsplan

Deutschland sehnt sich nach Lockerungen. Doch die wieder steigenden Infektionszahlen weisen in eine andere Richtung. Gesundheitsminister Spahn hält einen längerfristigen Öffnungsplan derzeit für unrealistisch: Eine Inzidenz von unter 10 sei weit weg.

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Von
  • Ulrich Trebbin

Die Menschen sind müde, der Lockdown dauert nun schon Monate. Geschäfte, Restaurants und Theater sind weiter zu, Schwimmbäder und Turnhallen ebenfalls. Immerhin startet am Montag der Präsenzunterricht für Grundschüler und der Betrieb der Kitas.

Corona-Zahlen steigen wieder

An ein Leben wie vor Corona ist aber vorläufig noch nicht zu denken. Denn die Zahlen gehen wieder hoch: Die deutschen Gesundheitsämter haben für den Samstag 7.676 Corona-Neuinfektionen gemeldet (1.562 mehr als vor einer Woche). Der R-Wert, der die Ansteckungsrate widerspiegelt, ist bundesweit wieder auf 1,07 geklettert und die Inzidenz pro 100.000 Einwohner auf 60,2.

Das Robert-Koch-Institut fürchtet schon seit Tagen, dass der Abwärtstrend der Corona-Zahlen beendet ist. Schuld daran ist wohl vor allem die "britische" Mutation des Coronavirus, die ansteckender ist als das ursprüngliche Virus und darum einen immer größeren Anteil an den Infektionen ausmacht. Dennoch gehen die Diskussionen über mögliche Lockerungen weiter.

Planung für Lockerungen schwierig

Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans bestand am Sonntag in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" auf einem "rechtssicheren" Stufenplan, der genau festlegt, wann welche Lockerungen bzw. Einschränkungen fällig sind. Bei der nächsten Bund-Länder-Schalte am 3. März könnte ein solcher Stufenplan beschlossen werden.

Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), hat denn auch eine "Perspektive für das Spektrum möglicher Öffnungen" angekündigt. Orientierungsmarken für Lockerungen sollen seiner Ansicht nach die Inzidenzwerte 35 und 50 sein und auch ein angestrebter R-Wert von "deutlich unter 1". Außerdem solle auch die sinkende Auslastung der Intensivmedizin eine Rolle spielen. Allerdings müsse man sich auch darauf gefasst machen, dass die Zügel bei steigenden Zahlen wieder angezogen werden müssten, so Müller.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält regional gestufte Lockerungen für praktikabler, da es gerade in Bayern sowohl Regionen mit sehr hohen Inzidenzen gibt als auch welche mit sehr niedrigen.

Spahn: Inzidenz von 10 ziemlich weit weg

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wies Forderungen nach einem zeitlich verbindlichen Plan für Lockerungen der Beschränkungen zurück. "Alle wünschen sich einen Drei- und Sechs-Monatsplan, aber das geht halt gerade nicht. Ich finde, wir dürfen da keine falschen Versprechungen machen", sagte der CDU-Politiker in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin".

Zunächst will er auch angesichts der zunehmenden Verbreitung von Virusmutationen abwarten, wie sich die Öffnung weiterer Schulen und Kitas an diesem Montag auswirkt. "Es macht Sinn, miteinander - das ist ja das Gespräch mit den Ländern - Stufen zu definieren, ab wann der nächste Schritt gegangen werden kann. Aber die Wahrheit ist: Eine Inzidenz von unter 10, die ist jedenfalls in den allermeisten Regionen in Deutschland gerade ziemlich weit weg", sagte Spahn.

Lauterbach: Die dritte Welle ist schon da

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach schrieb bei Twitter, dass die dritte Welle schon begonnen habe. Die Frage sei nur, "wie schnell und wie stark".

Aber es gebe auch Hoffnung: Jüngste Untersuchungen zur Wirkung von Impfstoffen zeigen, dass Geimpfte in Israel zu rund 99 Prozent keine schweren Krankheitsverläufe mehr haben und zu 90 Prozent das Virus auch nicht mehr weitergeben. Lauterbach nannte das auf Twitter einen Meilenstein: Denn, falls sich das bestätige, rücke die Herdenimmunität in erreichbare Nähe.

Wieler: Noch eine Zeit durchhalten

RKI-Präsident Lothar Wieler rief die Menschen am Wochenende zum Durchhalten auf: Falsche Versprechungen würden niemandem helfen. Es sei wohl so, "dass wir diese Maßnahmen, die wir kennen, dass wir die eine gewisse Zeit noch durchhalten müssen."

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Vor einem Jahr wurden in Italien erste Corona-Fälle bekannt. Seitdem traf die Pandemie das Land hart. Nun verneigen sich der Papst und der Staatspräsident an einem eigens geschaffenen Gedenktag vor den vielen gestorbenen Ärzten und Pflegekräften.