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Zehntausende in Frankreich erinnern an ermordeten Lehrer | BR24

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Die französische Polizei hat nach dem tödlichen Angriff auf einen Lehrer durch einen mutmaßlichen Islamisten eine elfte Person festgenommen. Der Angreifer wurde erschossen. In ganz Frankreich fanden viele Solidaritäts-Demos für das Opfer statt.

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Zehntausende in Frankreich erinnern an ermordeten Lehrer

Lauter Applaus für Samuel Paty - in Paris und vielen anderen französischen Städten haben sich Zehntausende Menschen mit dem getöteten Lehrer solidarisiert. Die Demonstranten betonten die Bedeutung der Meinungsfreiheit.

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In Frankreich haben Zehntausende Menschen des bei einem islamistischen Anschlag getöteten Geschichtslehrers Samuel Paty gedacht. Um 15.00 Uhr klatschten die Menschen auf dem Place de la République minutenlang, um an den 47-Jährigen zu erinnern.

Trotz der Corona-Pandemie herrschte auf dem Platz dichtes Gedränge. In der französischen Hauptstadt gilt die höchste Corona-Warnstufe, Versammlungen von mehr als 1.000 Menschen sind eigentlich verboten - die Kundgebung soll Medienberichten zufolge dennoch genehmigt worden sein.

"Ich bin hier, um die Meinungsfreiheit zu verteidigen, die Freiheit der Lehre", sagte die 61-jährige Muriel. Sie sei Lehrerin und Bürgerin. Sie hatte ein Schild mit den Worten "Je suis enseignant.e" (übersetzt: "Ich bin Lehrer/in") mitgebracht. Damit erinnerte sie wie viele andere an das Schlagwort "Je suis Charlie", das nach dem Terroranschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" vor fünf Jahren geprägt wurde. Die Zeitschrift hatte sich dem Demonstrationsaufruf angeschlossen.

"Nein zum totalitären Denken" stand auf anderen Schildern. Einige Menschen schwenkten die französische Flagge und stimmten die Nationalhymne an. Mehrere Teilnehmer trugen Plakate mit Mohammed-Karikaturen aus "Charlie Hebdo", die seit Jahren umstritten sind und von Islamisten angefeindet werden.

Premierminister und Pariser Bürgermeisterin dabei

"Ihr werdet uns nicht spalten", hob der französische Premierminister Jean Castex im Rahmen der Kundgebung in Paris hervor. Auch die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und die Präsidentin der Region Ile-de-France, Valérie Pécresse, nahmen teil.

Zu den Demonstrationen für Meinungsfreiheit hatten unter anderem Parteien, Verbände und Gewerkschaften in Paris und weiteren Städten aufgerufen.

Tausende in Lyon, Marseille und Nizza

Auch in zahlreichen anderen Städten des Landes versammelten sich Menschen. In Lyon wurden nach Behördenangaben etwa 6.000 Demonstranten gezählt, in Nizza gingen etwa 300 Menschen auf die Straße. Auch in Toulouse, Marseille und Bordeaux fanden Kundgebungen statt. Für Mittwoch ist eine nationale Gedenkfeier zu Ehren des Opfers angekündigt.

Paty war am Freitag in der Nähe seiner Schule im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine ermordet worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Geschichts- und Geografielehrer getötet wurde, weil er beim Thema Meinungs- und Glaubensfreiheit auch Karikaturen des Propheten Mohammed im Unterricht gezeigt hatte. Den Schülern muslimischen Glaubens soll er freigestellt haben, die Bilder anzusehen. Die Ermittler stufen die Tat als islamistisch motivierten Terroranschlag ein.

Der 18-jährige Angreifer wurde von der Polizei erschossen. Im Zusammenhang mit dem Anschlag wurden bis Sonntagmorgen elf Menschen in Polizeigewahrsam genommen. Zu den Festgenommenen zählen sowohl Menschen aus dem Umfeld des Täters als auch Personen, die Stimmung gegen den Lehrer gemacht haben.

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