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Tod von George Floyd: Massenproteste gegen Rassismus in den USA | BR24

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Nach erneut friedlich verlaufenen Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt in Washington hat US-Präsident Donald Trump den Rückzug der Nationalgarde aus der Hauptstadt angeordnet.

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Tod von George Floyd: Massenproteste gegen Rassismus in den USA

In den USA füllten sich die Straßen am 11. Tag in Folge nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd durch einen Polizisten. Der Regierungssitz von US-Präsident Trump wurde weiträumig abgesperrt, Hubschrauber überflogen die Menschenmenge.

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In der Hauptstadt Washington versammelten sich die Demonstranten am Kapitol und am Lincoln Memorial. Ein Magnet der Demonstrationen war eine erst am Freitag zum "Black Lives Matter"-Platz benannte Kreuzung vor dem Weißen Haus. Viele Menschen hielten Schilder mit Aufschriften hoch wie "Stoppt Rassismus jetzt." Auch in New York, Chicago, Los Angeles, Philadelphia und Atlanta kam es zu Kundgebungen.

Die Hauptstadt wird zum Zentrum der Proteste

In Washington richten sich die Demonstrationen vor allem gegen US-Präsident Donald Trump. Er hat Floyds Tod am 25. Mai mehrfach verurteilt und das Recht auf friedliche Proteste betont. Ihm wird jedoch vorgeworfen, sich nicht klar gegen Rassismus zu positionieren und kaum Verständnis zu zeigen für den Zorn über Diskriminierung und Ungerechtigkeit im Land.

Ganz anders der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden: Er sprach den Demonstranten seine Unterstützung aus und versprach ihnen, sich künftig für Polizeireformen und gegen Rassismus zu engagieren. Es brauche "längst fällige konkrete Maßnahmen", um dem "systematischen Rassismus" in den USA ein Ende zu bereiten, forderte Biden in einem Gastbeitrag in der "Los Angeles Times". George Floyd dürfe nicht nur einfach ein weiterer Hashtag werden, schrieb Biden auf Twitter. "Wir brauchen Gerechtigkeit und wir brauchen wirkliche Polizeireformen, um sicherzustellen, dass das nie wieder passiert."

Floyd wird zum Symbol

Der Afroamerikaner George Floyd war bei einer Festnahme in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota gestorben. Ein weißer Polizeibeamter hatte sein Knie fast neun Minuten lang in den Nacken des am Boden liegenden Floyd gedrückt - trotz aller Bitten des 46-Jährigen, ihn atmen zu lassen. Der Beamte und drei weitere beteiligte Polizisten wurden nach Bekanntwerden des Vorfalls entlassen. Sie wurden inzwischen festgenommen und angeklagt. Floyd war wegen des Verdachts, in einem Laden mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden.

In Raeford im Bundesstaat North Carolina - in der Nähe von Floyds Geburtsort Fayetteville - fand am Samstag eine Gedenkveranstaltung statt. Viele Menschen erwiesen dem in einem goldfarbenen Sarg aufgebahrten Floyd ihre letzte Ehre. Er soll am Dienstag im texanischen Houston beerdigt werden, wo er aufgewachsen war.

CNN produziert Sondersendung

Der Nachrichtensender CNN reagierte auf die massenhaften Proteste im Land mit einer Sesamstraße Sondersendung zum Thema Rassismus. "Nicht alle Straßen sind wie die Sesamstraße", sagte die Figur Louie, Vater von Elmo, in der am Samstagmorgen in den USA ausgestrahlten Sendung. "In der Sesamstraße lieben und respektieren wir uns alle." Im Anschluss beantworteten CNN-Moderatoren und Experten Fragen, die Kinder und Familien aus den ganzen USA zuvor per Video geschickt hatten.

Überall auf der Welt stehen Menschen auf

Inmitten der Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA sorgt im Nachbarland Kanada ein tödlicher Polizeieinsatz gegen eine Ureinwohnerin für Entrüstung. Die Ureinwohner-Organisation Congress of Aboriginal People (CPA) forderte am Samstag eine unabhängige Untersuchung zum Tod der 26-jährigen Chantel Moore, die am Donnerstag von einem Polizisten erschossen worden war. Ein Verwandter hatte die Polizei gerufen und sie gebeten, nach der jungen Frau zu schauen. Nach Angaben der Polizei bedrohte Moore den Beamten mit einem Messer. Nach Angaben der Familie feuerte der Polizist fünf Schüsse ab, um die junge Frau zu überwältigen. Untersucht werden müssten nun auch die "anhaltenden" Vorurteile und der Rassismus gegenüber Ureinwohnern in der kanadischen Polizei und Justiz.

Auch in Israel gibt es Proteste

Wenige Tage nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA wurde in der Jerusalemer Altstadt ein palästinensischer Autist erschossen. Die israelischen Grenzpolizisten hatten den 32-jährigen Ejad Hallak offenbar für einen Attentäter gehalten. Doch vieles deutet darauf hin, dass sie ohne Not zum äußersten Mittel griffen. In der Woche seit dem Tod von Hallak hat es in Israel bereits mehrere Demonstrationen gegeben, bei denen Gerechtigkeit für alle Bewohner des Landes gefordert wurde.

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