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Zehn Jahre rigider Sparkurs: Wie steht Griechenland heute da? | BR24

© Thomas Bormann/ARD

Am 3. Februar 2010 verordnete die EU-Kommission Griechenland einen rigiden Sparkurs und stellte den Haushalt der Griechen unter EU-Aufsicht. Sie sollten innerhalb von zwei Jahren ohne weitere Hilfskredite ihre Krise überwinden.

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Zehn Jahre rigider Sparkurs: Wie steht Griechenland heute da?

Am 3.2.2010 verordnete die EU Griechenland einen extremen Sparkurs und stellte den Haushalt des Landes unter EU-Aufsicht. Die Griechen sollten innerhalb von zwei Jahren aus eigener Kraft ihre Finanzkrise überwinden. Herrscht mittlerweile Normalität?

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"Renten kürzen, Löhne runter, Steuern rauf"; das war die Strafe für Griechenland im Februar 2010. Griechenland war damals Defizit-Sünder Nummer eins. Statt erlaubten drei Prozent Neuverschuldung waren es 15 Prozent. Und das kam erst raus, nachdem die Statistiken nicht mehr gefälscht waren. Die EU reagierte hart: Für jeden Euro, den die griechische Regierung fortan ausgeben wollte, musste sie in Brüssel um Erlaubnis bitten. Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou musste jeden Tag mit Durchhalteparolen sein Volk umerziehen: Zahlt endlich brav alle Steuern, nehmt Lohnkürzungen hin:

"Ich rufe alle auf, sich ihrer Pflicht gegenüber dem Land bewusst zu werden. Entweder ändern wir uns alle oder wir versinken alle. Und das zweite werde ich nicht erlauben." Giorgos Papandreou, griechischer Ministerpräsident

Wolfgang Schäuble als Aufpasser

Die griechische Regierung war im Februar 2010 nicht zu beneiden. Sie hatte eine schwierige Aufgabe zu erfüllen, sagte auch Wolfgang Schäuble, der damalige Bundesfinanzminister. Er agierte in der EU als oberster Aufpasser, dass die Griechen sich an die Sparpolitik halten.

"Dabei haben die Griechen Anspruch auf Unterstützung, aber das heißt nicht, dass wir Griechenland die notwendigen Maßnahmen ersparen können. Das kann niemand." Wolfgang Schäuble

Griechenland drohte die Staatspleite. War der Euro zur Pleite-Währung geworden? Scheitere er, scheitere Europa, so Bundeskanzlerin Angela Merkel damals. Die "Bild"-Zeitung formulierte die Schlagzeile: "Machen die Schummel-Griechen unseren Euro kaputt?"

Ausgeglichener Haushalt als Zweijahres-Rezept

Die EU jedenfalls wollte den Verfall des Euro verhindern: Das Rezept damals: Sparen. Schon 2012, also zwei Jahre später, sollte Griechenland einen ausgeglichenen Haushalt haben – und das Ganze aus eigener Kraft schaffen. Der frisch gebackene EU-Kommisions-Chef Hermann van Rompuy sagte dazu:

"Griechenland will keine finanzielle Unterstützung." Hermann van Rompuy, EU-Kommisions-Chef

Ja! Sie wollten’s allein schaffen. Aber wenige Wochen später war klar: Sie schaffen es nicht. Im April 2010 musste die EU doch ihre Kassen öffnen und Griechenland mit Milliardenkrediten vor der Pleite retten.Und jetzt – zehn Jahre später?: Die einen sagen: Griechenlands Wirtschaft wurde kaputtgespart, die anderen sagen: Griechenlands Wirtschaft hat sich gesund geschrumpft.

Steht Griechenland heute besser da?

Jedenfalls ist Griechenland wieder da. Noch sind Not und Armut groß, aber die Wirtschaft wächst. Hat Griechenland aus seinen Fehlern gelernt? Steht es jetzt besser da im globalen Wettbewerb? Der Athener Wirtschaftsprofessor Panagiotis Petrakis verzieht sein Gesicht:

"Ja, es ist besser geworden. Aber: im Vergleich zu unseren Wettbewerbern ist es nicht soviel besser geworden. Denn: Wir haben zwar ordentlich Bürokratie aubgebaut. Aber andere Länder haben noch mehr Bürokratie abgebaut." Panagiotis Petrakis, Professor für Wirtschaft

Jobs statt Beruf

Man muss also immer wieder und wieder Reformen umsetzen. Noch aber leidet eine ganze Generation junger Griechen unter der Krise. So wie Daphne. Sie ist studierte Museumspädagogin, findet aber keine Arbeit, muss sich mit Jobs durchschlagen. Auch heute noch:

"Ich träume davon, dass irgendwann mal 'Normalität' in Griechenland herrscht. Dass Du Arbeit hast und dafür auch gut bezahlt wirst - und dass Du nicht nur ständig Steuern zahlst, ohne etwas zurück zu bekommen. Ich hoffe, dass wenigstens meine Kinder diese 'Normalität' erleben werden." Daphne, Museumspädagogin

Eines ist für Daphnes Kinder allerdings gewiss: Sie werden noch mindestens bis ins Jahr 2060 all die Milliardenkredite zurückzahlen müssen. Die Krise, die vor zehn Jahren begann, lässt die Griechen noch lange nicht los.