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Zehn Jahre Missbrauchsskandal: Opfer fordert Anzeigepflicht | BR24

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Matthias Katsch machte den Missbrauch am Canisius-Kolleg in Berlin vor zehn Jahren öffentlich. Nun fordert er, dass sexueller Missbrauch bei der Staatsanwaltschaft immer angezeigt werden muss. Bislang ist dies nicht der Fall.

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Zehn Jahre Missbrauchsskandal: Opfer fordert Anzeigepflicht

Matthias Katsch machte den Missbrauch am Canisius-Kolleg in Berlin vor zehn Jahren öffentlich. Nun fordert er, dass sexueller Missbrauch immer bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werden muss. Bislang ist dies nicht der Fall.

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Matthias Katsch ist eines der Opfer, das den Missbrauch am Canisius-Kolleg der Jesuiten vor zehn Jahren öffentlich gemacht hatte. Er fordert nun, zehn Jahre nach der Veröffentlichung, dass der Gesetzgeber Konsequenzen ziehe.

Keine Anzeigepflicht zum Opferschutz

In Deutschland gibt es derzeit keine generelle Anzeigepflicht beim Verdacht auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen. Damit will der Gesetzgeber Rücksicht auf die Opfer nehmen. Denen soll es möglich sein, sich jemandem anzuvertrauen, ohne dass das automatisch zu einem Verfahren führt. Matthias Katsch wurde während seiner Schulzeit im Berliner Canisius-Kolleg in den 1970er Jahren von zwei Patres sexuelle Gewalt angetan. Heute ist er Sprecher der Opfervereinigung "Eckiger Tisch".

Katsch: Keine Privilegien für Bischöfe

Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk fordert Katsch eine Gesetzesänderung, nach der Menschen, die beruflich mit Tatverdächtigen zu tun haben, eine ihnen bekannt gewordene Tat zur Anzeige bringen müssen. Seiner Meinung nach gibt es keinen Grund, "warum ein Bischof das Privileg haben soll, selbst zu entscheiden, ob er einen Missbrauchstäter bei der Staatsanwaltschaft anzeigt oder nicht", so Katsch.

Bisher sei in Deutschland noch kein Bischof oder Ordensoberer strafrechtlich zur Verantwortung gezogen worden, wenn er Täter geschützt habe. Zehn Jahre, nachdem er seinen Fall beim Berliner Canisius-Kolleg angezeigt hat, sieht Katsch die katholische Kirche noch mitten in der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals: Bei der Prävention sei die Kirche inzwischen vorbildlich, beim Aufdecken von Verantwortlichen sieht er allerdings noch Nachholbedarf.

Bischofskonferenz plant unabhängige Aufarbeitung

Hier könnte es allerdings bald eine Entscheidung der Bischofskonferenz geben. Laut "Spiegel" plant die katholische Kirche alle Akten zum sexuellen Missbrauch von Kindern für externe Experten zu öffnen. Eine entsprechende Vereinbarung mit dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, liege der Bischofskonferenz zur Abstimmung vor.

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Matthias Katsch machte den Missbrauch am Canisius-Kolleg in Berlin vor zehn Jahren öffentlich. Nun fordert er im B5-Interview der Woche, dass sexueller Missbrauch bei der Staatsanwaltschaft immer angezeigt werden muss.