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Zankapfel Unterhalt: Mehr Zeit mit Papa, weniger Geld für Mama? | BR24

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Das Unterhaltsrecht wird reformiert mit dem Ziel, die Erziehungsleistung der Väter stärker zu berücksichtigen. Finanziell könnte das bedeuten: Mehr Zeit mit Papa, weniger Geld für Mama. Streit ist programmiert.

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Zankapfel Unterhalt: Mehr Zeit mit Papa, weniger Geld für Mama?

Das Unterhaltsrecht wird reformiert mit dem Ziel, die Erziehungsleistung der Väter stärker zu berücksichtigen. Finanziell könnte das bedeuten: Mehr Zeit mit Papa, weniger Geld für Mama. Streit ist programmiert.

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Die Bundesregierung will im kommenden Frühjahr einen Gesetzentwurf vorlegen, der das Unterhaltsrecht neu regelt. Ziel der Reform sei es, das Gesetz der "geänderten gesellschaftlichen Realität" anzupassen, heißt es in einer Stellungnahme des Bundesfamilienministeriums an den Bayerischen Rundfunk.

Hintergrund: Väter betreuen ihre Kinder inzwischen mehr als früher, was sich auch beim Kindesunterhalt finanziell widerspiegeln soll. Die Väterverbände fordern dies schon seit geraumer Zeit.

Reform: Betreuungsleistung von Vätern honorieren

Es geht um Väter wie Roderich Busch. Er hat seine Kinder, heute 16 und 18 Jahre alt, zeitweise fast ebenso viel betreut, wie seine Ex-Partnerin. Trotzdem zahlt er den vollen Unterhalt.

"Das ist vollkommen ungerecht. Ich zahle doppelt. Ich habe meine Kinderzimmer nach wie vor, die ich freihalte, die muss ich heizen, saubermachen. Wenn die Kinder da sind, muss ich Essen kaufen." Roderich Busch, Vater

Wechselmodell: Halb bei Mama, halb bei Papa

Väter, die sich engagieren und Unterhalt bezahlen, wünschen sich mehr gleichberechtigte Lösungen. Zum Beispiel das Wechselmodell, bei dem die Kinder zwischen Mutter und Vater hin und her wechseln. Beide Eltern betreuen, beide kommen für die Kosten auf. Unterhalt muss dann je nach Einkommen gar nicht mehr oder nur reduziert bezahlt werden.

Strittig ist bei der anstehenden Reform jedoch, inwieweit sich solche Betreuungslösungen auf den Unterhalt auswirken sollen. Denn schon jetzt reicht das Geld häufig nicht.

Wer kauft Schulzeug? Wer betreut das kranke Kind?

Dazu kommt, was Familiengerichte und der Bundesgerichtshof seit Jahren festhalten: Ein Wechselmodell liegt nicht vor, wenn sich letztlich doch die Mutter um die gesamte Logistik am Kind kümmert. Also einspringt, wenn das Kind krank ist, Kleidung und Schulzeug kauft, den Nachwuchs zum Musik- und Sportunterricht bringt und die Betreuungszeiten organisiert.

Helene Heine vom Verband Alleinerziehender Väter und Mütter sieht daher die geplante Reform kritisch.

"Eine beidseitige Barunterhaltspflicht, dass auch die Mütter bezahlen müssen, sehen wir nur als richtig an in einem paritätischen Wechselmodell. Alles andere - Verteilung 70/30 – da ist es in unseren Augen nicht zumutbar, dass die Mütter barunterhaltspflichtig werden." Helene Heine, Verband Alleinerziehender Väter und Mütter

Alleinerziehende: Die Hälfte der Ex-Partner zahlt nicht

Über 40 Prozent der Alleinerziehenden - zu 90 Prozent sind es die Mütter – gelten als arm beziehungsweise armutsgefährdet, stellt eine Bertelsmann-Studie von 2016 fest. Die Hälfte aller Unterhaltsberechtigten bekommt überhaupt keinen Kindesunterhalt vom Ex-Partner.

Tanja Kühnlein aus Prien am Chiemsee hat sich vor einem halben Jahr von ihrem Mann getrennt. Sie nahm ihre drei Kinder - sechs, neun und 15 Jahre - und zog aus. Seither streitet sie sich mit ihrem Ex-Partner um den Kindesunterhalt.

"Ich versuche, das Beste für die Kinder zu geben, was schwierig ist, weil ich im Schichtdienst arbeite mit Frühdienst, Spätdienst und auch Nachtschicht - momentan auch zwei Jobs habe. Da muss der Große mit 15 abends ran, auf die Kinder aufpassen." Tanja Kühnlein, Alleinerziehende

Drei Kinder, zwei Jobs, 2050 Euro netto

1600 Euro verdient die Heilpädagogin in ihrem Job in einer Behinderteneinrichtung für Jugendliche. Weil das Geld für sie und die drei Kinder nicht reicht, macht sie zusätzlich einen 450-Euro-Job: im Monat neun Nachtdienste in einer Wohngruppe für Erwachsene.

Tanja Kühnlein erzählt, ihr Ex-Partner verdiene in seinem Job 1600 Euro Netto und sei der Ansicht, sie habe ihn verlassen, warum solle er dann Unterhalt zahlen.

In Bayern treibt das Finanzamt den Unterhalt ein

Zahlt der Ex-Mann nicht, springt der Staat mit einem Unterhaltsvorschuss ein. Der Staat holt sich das Geld bei den säumigen Zahlern wieder. Das gelingt deutschlandweit aber nur in 13 Prozent aller Fälle – oft weil die Väter selbst nicht genügend verdienen.

Ausnahme Bayern: Im Freistaat beträgt die Rückholquote 20 Prozent. Hier treibt nicht das Jugendamt das Geld ein, sondern das Landesamt für Finanzen, erklärt die bayerische Familienministerin Kerstin Schreyer.

"Wir wollten, dass sich eine Behörde wirklich spezialisiert und die Mitarbeiter nichts Anderes machen, als rückholen. Wir müssen als Freistaat offensichtlich manchmal stark motivieren, damit die Zahlungsleistungen dann auch vollzogen werden." Kerstin Schreyer, bayerische Familienministerin

Alleinerziehende wünscht sich mehr väterliches Engagement

Tanja Kühnlein zieht gegen ihren Ex-Mann nun vor Gericht, weil er bisher keinen Unterhalt gezahlt hat. Auch er könnte – so wie sie – einen Zweitjob annehmen. Die alleinerziehende Mutter aber wäre schon froh, wenn der Ex die Kinder regelmäßig betreuen würde. Dann könnte sie wenigstens das Geld für den fehlenden Unterhalt verdienen.