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Zahl der Syphilis-Infektionen in Deutschland nimmt zu | BR24

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Ludwig van Beethoven, Friedrich Nietzsche oder Oscar Wilde - sie alle litten an Syphilis. Die Krankheit ist aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden, doch ein Bericht des Robert-Koch-Instituts zeigt: Die Zahl der Infizierten steigt.

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Zahl der Syphilis-Infektionen in Deutschland nimmt zu

Die Krankheit Syphilis ist aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden, doch ein Bericht des Robert-Koch-Instituts zeigt: Die Zahl der Infizierten steigt. Eine Rolle spielen Dating-Apps.

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Im Gegensatz zu HIV wird Syphilis oft als Problem vergangener Jahrhunderte abgestempelt. Jedoch zu Unrecht: Die Syphilis-Zahlen in Deutschland steigen wieder an. Knapp 7.500 Menschen erkrankten letztes Jahr an der Geschlechtskrankheit, vier Prozent mehr als im Vorjahr 2016. Im Vergleich zur Jahrtausendwende hat sich die Zahl beinahe verzehnfacht.

Es seien vor allem "junge, sexuell aktive Patienten und Patientinnen", sagt Peter Seiringer, Arzt an der Klinik für Dermatologie am Biederstein in München. Er erklärt, dass es sich zum Großteil um männliche Patienten handelt.

Großstädte besonders betroffen

Seiringers Erfahrungen spiegeln sich im aktuellen Syphilis-Bericht des Robert-Koch-Instituts wider. Dieser zeigt auch, dass gerade in Großstädten wie Berlin, Köln oder München die Zahl der Syphilis-Neuerkrankungen dramatisch ansteigt. Doch woran liegt das? Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für sexuell übertragbare Infektionen, Professor Norbert Brockmeyer, glaubt, dass Online-Dating hier einen wesentlichen Beitrag leistet.

"Die elektronischen Medien, über die Sexualkontakte und Freundschaften sehr viel schneller anzubahnen sind - also Tinder, Grindr, Parship, sonstige Partner-Apps - machen es möglich, am Tresen, fünf Meter weiter, jemanden zu finden, der auch Lust hat, vielleicht etwas Sex zu haben." Norbert Brockmeyer

So könne sich eine potenzielle Syphilis-Erkrankung schnell verbreiten. Außerdem seien die Menschen insgesamt risikobereiter, meint Dermatologe Seiringer. Man werde unvorsichtiger beim Sex, die Anzahl Partner werde höher. Man suche den Spaß und vergesse - vielleicht auch absichtlich - das Kondom. Oder man habe es gerade nicht dabei und wolle trotzdem Sex.

Schädigungen des Gehirns und der Blutgefäße

Syphilis - eine bakterielle Infektion - wird durch Schleimhautkontakt übertragen. Ein kleines rotes Knötchen an der Eintrittsstelle gehört zu den ersten Symptomen. Später kommen Ausschläge oder Fieber hinzu. Schlussendlich folgen Schädigungen des Gehirns und der Blutgefäße.

Frühzeitig erkannt, helfen Antibiotika. Doch mangelndes Wissen führt dazu, dass Patienten oft spät zum Arzt gehen und sich die Syphilis bis dahin weiterverbreitet. Für Professor Brockmeyer ist fehlende Aufklärung über Geschlechtskrankheiten der springende Punkt.

"Sexuell übertragbare Infektionen sind ein großes Stigma, darüber redet keiner. Das heißt: Chlamydien werden nicht gekannt, oder Mykoplasmen werden schon mal gar nicht gekannt, selbst Gonorrhoe, also der Tripper, ist nicht allen geläufig. Also, Syphilis ist nur die Spitze" Norbert Brockmeyer

Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

In "Liebesleben" hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2016 eine Kampagne zur Aufklärung gestartet. Knallgelbe Comic-Plakate machen auf die Problematik aufmerksam. Darauf zu lesen: "Kratz-Alarm statt Mädchen-Schwarm? – Dein Arzt hilft" oder "Dein Ex juckt dich noch immer? – Ab zum Arzt".

Derartige Kampagnen waren bereits im Kampf gegen HIV sehr wirksam. Seiringer geht das aber noch nicht weit genug. Man müsse wirklich über die Folgen aufklären, schon an Schulen, also im Jugendalter. Dass man mit einem Kondom und geschütztem Geschlechtsverkehr nicht nur gegen HIV, was den meisten bekannt ist, vorbeugt. Sondern eben auch gegen Geschlechtskrankheiten, die häufiger vorkommen, als man denkt.