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"YouTube ist das kleinste Defizit der Parteien" | BR24

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In einem Punkt waren sich alle Teilnehmer der Münchner Runde einig: Sie sind gegen eine Klarnamenpflicht.

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"YouTube ist das kleinste Defizit der Parteien"

Wie sehr fordern YouTuber die Politik heraus? Sollte es für Influencer spezielle Regeln geben? Droht sogar eine Klarnamenpflicht im Netz? Darüber haben die Teilnehmer der Münchner Runde im BR Fernsehen diskutiert.

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In einem Punkt waren sich alle Teilnehmer der Münchner Runde einig. "Ich bin klar gegen eine Klarnamenpflicht", sagte der zugeschaltete SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken. Und CSU-Staatsministerin Bär bestätige, ihr sei nicht bekannt, dass die Union derzeit so eine Pflicht für den persönlichen Auftritt im Netz plane. Zwar gebe es immer wieder Forderungen danach. "Aber das sind auch meistens Kollegen, die selber auf den Netzwerken gar nicht aktiv sind."

Dass die Politik nun über Klarnamen im Netz diskutiert, hat einen einfachen Grund: Er heißt Rezo, ist YouTuber, und hält mit seinem Video "Die Zerstörung der CDU" die Union seit Wochen in Atem.

Verschlafen die Parteien die digitale Entwicklung?

Haben CDU und CSU also den digitalen Wandel verschlafen? Gleich zu Beginn der Münchner Runde will BR-Chefredakteur Christian Nitsche das von Dorothee Bär (CSU) wissen. Die Staatsministerin für Digitalisierung im Kanzleramt zeigt sich einsichtig: In der Debatte um das Video des YouTubers Rezo seien "Fehler" gemacht worden.

"Es hat vielleicht auch mal so einen Paukenschlag gebraucht", sagt Bär. Immerhin gebe es diese digitale Entwicklung ja schon länger. "In den Parteien hat es der ein oder andere verschlafen."

"Politik hat sich schlecht präsentiert"

Auch der SPD-Politiker Tiemo Wölken glaubt, die Politik hätte sich in den vergangenen Monaten besser präsentieren müssen. "Dieses Rezo-Video hätte es nicht gegeben, wenn wir nicht in der Artikel 13-Debatte gesehen hätten, dass junge Leute von der Politik weitgehend missachtet wurden."

Damit allein sei es allerdings nicht getan, sagt Rayk Anders in der Münchner Runde. "Die Youtube-Defizite sind die kleinsten Defizite dieser Parteien", kritisiert der Journalist und YouTuber. In der Debatte um Rezo sei die Union mit ihrer "angestauten Arroganz von so vielen Jahren an der Macht an ihre Grenzen gestoßen". Statt inhaltlich zu reagieren habe sie taktiert - und somit ihre Kritiker sofort bestätigt.

Brauchen Parteien eigene YouTuber?

Wie sollten die Parteien also reagieren? Brauchen CDU, CSU und SPD eigene YouTuber? Nein, sagt Katharina Nocun: “Partei-PR ersetzt keine Nachrichten. Man muss den jungen Menschen einfach besser zuhören.”

Ähnlich sieht das der YouTuber Rayk Anders: "Die Union hätte ja gar nicht interessiert, was Rezo da sagt, wenn es nicht so viele Leute geguckt hätten." Dass sich die CDU letztendlich gegen eine Reaktion auf YouTube entschieden hatte, und stattdessen ein elfseitiges PDF veröffentlichte, ist für ihn eine "Frechheit".