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Yom haSchoa - wie Juden an den Holocaust erinnern | BR24

© BR/Nabila Abdel-Aziz
Bildrechte: picture-alliance/ dpa | epa Jim Hollander

Am 8. April ist Yom haSchoa, israelischer Holocaust-Gedenktag. Er erinnert an die Opfer der Schoa und den jüdischen Widerstand. Jüdische Gemeinden in aller Welt erinnern heute daran und auch viele junge Juden engagieren sich für das Gedenken.

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Yom haSchoa - wie Juden an den Holocaust erinnern

Am 8. April ist Yom haSchoa, der israelische Holocaust-Gedenktag. Er erinnert an die Opfer der Schoa und den jüdischen Widerstand. Jüdische Gemeinden in aller Welt erinnern heute daran und auch viele junge Juden engagieren sich für das Gedenken.

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Von
  • Johannes Reichart
  • Nabila Abdel Aziz

Die alte Dame und die junge Frau sind online ins Gespräch vertieft. Man habe nichts mitgenommen, erzählt die alte Dame gerade der Jungen, nur Geld und Papiere. Auch ihre Familie sei mit leeren Händen geflohen, bestätigt die Jüngere - nach Usbekistan.

Ruth Weckstein ist 79 Jahre alt und lebt heute in Haifa, in Israel. Ihre Familie musste während des Holocausts vor Verfolgung und Tod fliehen, aus Rumänien nach Sibirien. Heute kämpft sie gegen das Vergessen – und spricht mit jungen Menschen über ihre Geschichte im Projekt "Zeugen der Zeitzeugen".

Junge Juden werden zu Zeugen der Zeitzeugen

Heute, am Yom haSchoa telefoniert sie mit Anna Fuhrmann. Die 23-jährige engagiert sich beim Verband jüdischer Studenten in Bayern. Am israelischen Gedenktag, den mittlerweile viele Länder begehen, wird an die sechs Millionen jüdischen Opfer der Schoa und den jüdischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten erinnert. "Wir sollen erinnern, damit so etwas nie wieder passiert. So etwas soll nie wieder passieren", bringt Ruth Weckstein den Sinn von Yom haSchoa auf den Punkt. Und da kann ihr die Studentin Anna Fuhrmann nur beipflichten.

Yom haSchoa: Israelischer Gedenktag wird weltweit begangen

Seit 1951 existiert der Gedenktag in Israel. Sechs Fackeln werden entzündet, symbolisch für die sechs Millionen jüdischen Opfer der Schoa. Der Tag beginnt mit einer Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Yad Vashem und heulenden Sirenen, Fahnen stehen auf halbmast. Menschen im ganzen Land halten inne und gedenken der Toten.

Christine Lambrecht: Eintreten gegen Antisemitismus ist Pflicht

In der Israelitischen Kultusgemeinde München hält an diesem Tag Christine Lambrecht (SPD), die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz das Grußwort. Wegen der Corona-Krise ist sie aus Berlin zugeschaltet. Dass jüdisches Leben wieder in Deutschland existiere, solle uns demütig machen, so Lambrecht.

Aber es verpflichte auch zum Handeln: "Diesem Hass und diesem Terror entgegenzutreten ist die Pflicht aller Deutscher", so Lambrecht. "Alle Deutschen haben die Pflicht den erstarkenden Antisemitismus zu bekämpfen. Und diese Pflicht trifft gerade auch die Politik."

"Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass jüdische Kindergärten, Schulen, Seniorenheime oder Gemeindezentren von der Polizei beschützt werden müssen. Wir müssen alle Anstrengungen dafür aufwerten, dass das nicht mehr nötig ist." Bundesjustizministerin Christine Lambrecht

Die Zukunft des Gedenkens: ein Kinderbuch über die Schoa

Auch die Schoa-Überlebende Tamar Dreifuss spricht beim Gedenken. 1938 in Wilna, Vilnius geboren, hatte sie eine unbeschwerte Kindheit, erzählt sie – aber nur für kurze Zeit. "Mit drei hörte meine Kindheit auf", erinnert sich die hochbetagte Dame. Ihr Vater und ihre Großmutter wurden im Holocaust ermordet. Sie und ihre Mutter überlebten und wanderten nach Israel aus. 1959 kamen sie zurück nach Deutschland, 2020 zog Dreifuss nach Bayern. Sie warnt: Besonders heute reiche das bloße Erinnern nicht mehr aus.

"Die Rechten kommen wieder mit ihren Parolen. Und wir müssen sie stoppen. Gott sei Dank haben wir eine Stimme, die erhört wird. Wir müssen nicht weglaufen. Wir können Protest einlegen und unsere Stimme erheben und hoffen, dass so etwas wie damals nie wieder passieren wird." Zeitzeugin Tamar Dreifuss

Um das zu verhindern, hat Dreifuss ein Buch geschrieben: "Die wundersame Rettung der kleinen Tamar". Ein Buch für Kinder. Damit die Erinnerung an den Holocaust auch in den folgenden Generationen weitergetragen wird.

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Bildrechte: BR

Um Punkt 10 Uhr vormittags stand ganz Israel still: Die Menschen gedachten der sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust. Der Nationalfeiertag erinnert auch an den Aufstand der Juden im Warschauer Ghetto im April 1943.

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