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Wohin mit dem Atommüll? | BR24

© Sophie von der Tann

Die Menge an Atommüll wächst und wächst. Ein Endlager ist noch nicht gefunden. Der Nuclear Waste Report, der heute erstmals für Europa veröffentlicht worden ist, zeigt, welche Herausforderungen mehr Atommüll mit sich bringt.

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Wohin mit dem Atommüll?

Die Menge an Atommüll wächst und wächst. Ein Endlager ist noch nicht gefunden. Der Nuclear Waste Report, der heute erstmals für Europa veröffentlicht worden ist, zeigt, welche Herausforderungen mehr Atommüll mit sich bringt.

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Auf der ganzen Welt gibt es kein Land, das ein Endlager für Atommüll in Betrieb genommen hat. Das heißt: Radioaktiver Abfall von Atomkraftwerken ist bislang nur in Zwischenlagern untergebracht. Laut des Nuclear Waste Report sind allein in Europa 60.000 Tonnen abgebrannte Brennstäbe in Zwischenlagern. Die meisten in Frankreich, Deutschland ist auf Platz zwei.

Atommüll in unsicheren Zwischenlagern

Das Problem: 80 Prozent dieser radioaktiven Abfälle sind in Wasserbecken. Diese Nasslager seien aber viel zu riskant, sagt der Schweizer Geologe und Sozialwissenschaftler Marcos Buser, der den Bericht mit geschrieben hat. Wenn das Wasser sinke und verschwinde, erhitzten sich die Brennelemente und es komme zur Kernschmelze.

Buser plädiert deshalb für trockene Zwischenlagerung. Also für Castorbehälter, bei denen die Wärme der Brennelemente über die Luft abgeführt wird. Diese Trockenlagerung sei auch nicht ohne Probleme, aber weniger riskant, erklärt Buser.

Er weist außerdem darauf hin, dass Zwischenlager bereits heute an die Grenzen ihrer Kapazität stoßen. In Finnland sei das Lager für abgebrannte Brennstäbe bereits zu mehr zu 93 Prozent ausgelastet. Und: die Menge an Atommüll werde nochmals drastisch steigen. Denn viele Atomkraftwerke werden geschlossen und rückgebaut. Die strahlenden Überreste müssen ebenfalls gelagert werden.

Kosten werden unterschätzt

Problematisch ist das vor allem mit Hinblick auf die Kosten. Ben Wealer von der TU Berlin und Co-Autor der Studie sagt:

"Kein einziges Land in Europa hat bislang ausreichend vorgesorgt, um die Kosten der Endlagerung des Atommülls zu finanzieren." Ben Wealer, TU Berlin

Denn das Problem werde in die Zukunft verlegt. Ben Wealer befürchtet deshalb, dass letztlich Steuerzahler die enormen Kosten für die Endlagerung tragen müssen.

Endlagersuche schwierig

Der Bund will bis 2031 einen Standort für ein Endlager finden, das ist gesetzlich vorgegeben. Die Suche ist aber nicht einfach: Atommüll strahlt bis zu eine Million Jahre lang, häufig ist die Bodenbeschaffenheit für ein Endlager nicht geeignet und es gibt Proteste aus der Bevölkerung. Rebecca Harms, ehemalige Europaabgeordnete der Grünen und Initiatorin des Reports, hält das Datum 2031 deshalb für unrealistisch.

Je schwieriger es ist, ein Endlager zu finden, desto wichtiger ist die Zwischenlagerung - das ist eine klare Botschaft des Berichts, der unter anderem im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung von internationalen Wissenschaftlern verfasst wurde. Ob überhaupt ein Endlager gefunden werden kann, das über Millionen Jahre sicher ist, weiß niemand.