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Corona: Wissenschaftler fordern schrittweise Schulöffnung | BR24

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Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt, unter bestimmten Voraussetzungen zunächst Grundschulen und die Sekundarstufe I schrittweise zu öffnen. Auch Einzelhandel und Gaststätten könnten den Betrieb wieder aufnehmen.

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Corona: Wissenschaftler fordern schrittweise Schulöffnung

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt, unter bestimmten Voraussetzungen zunächst Grundschulen und die Sekundarstufe I schrittweise zu öffnen. Auch Einzelhandel und Gaststätten könnten den Betrieb wieder aufnehmen.

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In einer Stellungnahme der Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina heißt es zu den Voraussetzungen für eine Lockerung der Corona-Beschränkungen, dass sich die Neuinfektionen auf niedrigem Niveau stabilisieren, notwendige klinische Reservekapazitäten aufgebaut und andere Patienten wieder regulär versorgt werden müssten. Zudem müssten die bereits bekannten Schutzmaßnahmen wie Hygiene- und Distanzregeln, Mund-Nasen-Schutz und eine zunehmende Identifizierung Infizierter eingehalten werden.

Für Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln

Unter diesen Voraussetzungen, so die Berater die Bundesregierung in ihrem dritten Ad-Hoc-Bericht zur Coronakrise, könnten zunächst unter anderem Einzelhandel und Gaststätten wieder öffnen. Auch der allgemeine geschäftliche und behördliche Publikumsverkehr könnte dann wieder aufgenommen werden.

Coronavirus: Alles Wissenswerte erfahren Sie hier.

Dienstliche und private Reisen könnten unter Beachtung der genannten Schutzmaßnahmen ebenfalls wieder möglich sein. "Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz sollte als zusätzliche Maßnahme in bestimmten Bereichen wie dem öffentlichen Personenverkehr Pflicht werden", betonen die Wissenschaftler.

Jüngere Schüler sollen wieder unterrichtet werden

Sie empfehlen zugleich, im Bildungsbereich zunächst Grundschulen und Sekundarstufe I schrittweise wieder zu öffnen, weil jüngere Kinder mehr Anleitung bräuchten als ältere. Zur Sekundarstufe I gehören etwa Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen bis Klasse 10 sowie Gymnasien bis einschließlich der Klassen 9 beziehungsweise 10. Der Betrieb von Kindertagesstätten solle nur sehr eingeschränkt wiederaufgenommen werden, weil sich kleinere Kinder nicht an die Distanzregeln und Schutzmaßnahmen halten könnten.

"Da die Jüngeren im Bildungssystem mehr auf persönliche Betreuung, Anleitung und Unterstützung angewiesen sind, sollten zuerst Grundschulen und die Sekundarstufe I wieder schrittweise geöffnet werde." Stellungnahme der Leopoldina

Plädoyer für die Corona-App

Die Wissenschaftler betonen, dass die Datenerhebung zum Infektions- und Immunitätsschutz "substanziell verbessert" werden müsse, insbesondere durch repräsentative und regionale Erhebung des Infektions- und Immunitätsstatus. Die Daten sollten "in Echtzeit" verarbeitet werden und so verlässlichere Kurzzeitprognosen ermöglichen.

"Dabei sollte die Nutzung von freiwillig bereitgestellten GPS-Daten in Kombination mit Contact-Tracing, wie dies beispielsweise in Südkorea der Fall ist, möglich sein. Dies würde die Präzision heute verfügbarer Modelle steigern, um insbesondere eine kontextabhängige, örtliche Auflösung und damit eine differenzierte Vorhersage des Pandemieverlaufs zu erlauben." Stellungnahme er Leopoldina

Die Bürger sollten ihre Daten "anonymisiert, sicher und geschützt" als Fundament für bessere Prognosen zur Verfügung stellen können.

Merkel will die Empfehlungen in Beratungen einbeziehen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Studie der in Halle an der Saale angesiedelten Leopoldina als "sehr wichtig" für das weitere Vorgehen bezeichnet und will sie in die Beratungen mit den Landesregierungen einbeziehen. Am Mittwoch will Merkel mit den Ministerpräsidenten in einer Schaltkonferenz die Lage bewerten. Zuvor tagt erneut das Corona-Krisenkabinett.

💡 Was ist die Leopoldina?

Die Leopoldina ist eine klassische Gelehrtengesellschaft mit Sitz in Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt. Sie hat rund 1.600 Mitglieder aus fast allen Wissenschaftsbereichen. 1652 gegründet, ist die Einrichtung die älteste Gelehrtengesellschaft im deutschsprachigen Raum. Benannt wurde sie später nach Kaiser Leopold I. aus dem Hause Habsburg. 2008 wurde sie zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. Ihre zwei besondere Aufgaben: Vertretung der deutschen Wissenschaft im Ausland und Beratung von Politik und Öffentlichkeit. Die Leopoldina ist dem Gemeinwohl verpflichtet und soll - unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen - wissenschaftliche Erkenntnisse zu wichtigen Zukunftsthemen beisteuern.

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